Überlegungen der EU , den Pirateneinsatz vor Somalia auszuweiten , haben den Fokus auf einen Militäreinsatz gelenkt, um den es ruhig geworden ist in den vergangenen Monaten. Seit mehr als drei Jahren versuchen Kriegsschiffe im Auftrag der Europäischen Union die Piraterie vor Somalia einzudämmen, doch selbst moderne Waffensysteme schrecken die Seeräuber nicht ab.

Die Flotten Europas bieten vor Somalia alles auf, was sie haben: Seefernaufklärer, Speedboote, Bordhubschrauber, Fregatten und Korvetten suchen nach Piraten, eskortieren Frachter des Welternährungsprogramms und Handelsschiffe durch den Golf von Aden und setzen nicht selten Raubboote fest. Dennoch schlagen die somalischen Seeräuber immer wieder zu: 231 Überfälle erfasste die Internationale Handelskammer in 2011, davon 26 Entführungen.

Die somalischen Seeräuber sind so erfolgreich, dass die Medien nicht mehr wie früher einzelne Überfälle melden, sondern nur noch die spektakulären Fälle. Die Piraten haben ihr Jagdgebiet ausgedehnt , sie schlagen längst nicht mehr nur vor der somalischen Küste zu, auch auf dem Indischen Ozean gehen sie auf Beutefang. 199 Seeleute mussten laut EU als Gefangene der Piraten den Jahreswechsel verbringen. Die längste Zeit in Gefangenschaft hat die Besatzung der Iceberg 1 zu ertragen, die Crew wird seit 19 Monaten festgehalten.

Der letzte erfolgreiche Überfall schaffte es noch nicht einmal in die Statistik: Am 27. Dezember kaperten somalische Piraten vor der Küste Omans einen Massengutfrachter und entführten das Schiff samt der Besatzung von 17 Mann, um Lösegeld zu erpressen. Auch die Präsenz von 20 bis 30 Kriegsschiffen in der Region stoppte die Kaperungen nicht.

Das Bundeswehr-Mandat erlaubt robustes Vorgehen – auf dem Meer

Deshalb will die EU nun die Anti-Piraterie-Mission Atalanta ausweiten . Die beteiligten Kriegsschiffe sollen künftig auch gegen Ziele an Land vorgehen dürfen, etwa Boote der Piraten am Strand zerstören – oder ihre Einrichtungen. Ob dafür lediglich Waffensysteme mit großer Reichweite, wie die Geschütze der Fregatten, oder Hubschrauber und Flugzeuge eingesetzt werden sollen oder auch Bodentruppen zum Einsatz kommen sollen, blieb unklar.

Klar ist dagegen, dass das deutsche Mandat für Atalanta, das der Bundestag erst Anfang Dezember 2011 für ein Jahr verlängert hat, keine Angriffe auf Ziele an Land vorsieht . Als Aufgaben für die Bundeswehr stehen darin unter anderen: Schutz von zivilen Schiffen und Überwachung des Seeraums. Auch ein sogenanntes robustes Vorgehen ist vom Mandat gedeckt, darunter die "Durchführung der erforderlichen Maßnahmen, einschließlich des Einsatzes von Gewalt, zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen" – sowie: "Aufgreifen, Ingewahrsamnahme und Überstellen von Personen", die im Verdacht stehen, seeräuberische Handlungen oder bewaffnete Raubüberfälle begehen zu wollen".

Auch darf die Bundeswehr Schiffe und Ausrüstung beschlagnahmen. Bisher gilt dies jedoch ausschließlich für "die Meeresgebiete innerhalb der Region des Indischen Ozeans vor der Küste Somalias und benachbarter Länder". Sollten deutsche Soldaten künftig an Angriffen auf Ziele an Land beteiligt werden, müsste das Mandat angepasst werden. Details will die EU Mitte Januar klären.