BeobachtermissionSyrische Protestbewegung wirft Assad Täuschungen vor

Syriens Präsident Assad führt angeblich die Beobachtermission der Arabischen Liga in die Irre: Laut Aktivisten werden die Beobachter in falsche Ortschaften geführt. von dpa

Die syrische Protestbewegung hat die Beobachter der Arabischen Liga vor massiven Täuschungsmanövern des Regimes gewarnt. Ein Sprecher des sogenannten Revolutionskomitees sagte, die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad hätten Namen von Dörfern und Straßen geändert, um den Beobachtern vorzugaukeln, sie hätten die Hochburgen des Aufstandes besucht. "Sie haben sie in ein Dorf geführt und gesagt, dies sei die Ortschaft Daria. Doch in Wirklichkeit haben sie ihnen ein Dorf in der Nähe von Daria gezeigt, in dem vor allem regimetreue Offiziere leben", sagte der Sprecher.

Nach Angaben der Arabischen Liga haben sich inzwischen jedoch die Streitkräfte Assads aus den Wohngebieten zurückgezogen. Damit hätte Assad einen zentralen Punkt des Friedensplans umgesetzt. Das Militär habe außerhalb der Städte Stellung bezogen, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi. Dadurch hätten etwa in der Protesthochburg Homs Leichen geborgen und Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden können.

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Trotz des Rückzugs komme es aber weiterhin zu Gefechten, sagte al-Arabi. Zudem bestätigte er erstmals,  dass seine Beobachter von Heckenschützen berichtet hätten. Nach den "jüngsten Berichten" würde aus dem Hintergrund geschossen, sagte al-Arabi. Unklar bliebe aber, wer auf wen schieße. Informationen aus Syrien sind nach wie vor kaum zu verifizieren, da Präsident Assad keine unabhängigen Berichterstatter ins Land lässt.

Beratergremium fordert Abzug der Beobachter

Im Zentrum der Kritik steht der Leiter der Beobachtergruppe Mohammed Mustafa Ahmed al-Dabi. Wie nun bekannt wurde, war der sudanesische General eine Kompromisslösung: Nach Aussagen von Diplomaten, auf die sich die Nachrichtenagentur dpa beruft, hatte Syrien zuvor mehrere Vertreter anderer Länder abgelehnt. Das Regime in Damaskus wollte niemanden, der Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar nahesteht, die Sanktionen gegen Syrien vorangetrieben hatten. Übrig blieb am Ende der Sudan .

Die Opposition war vor allem wegen Al-Dhabis unkritischer Worte zu Beginn der Mission verärgert. Die syrischen Behörden seien kooperativ und er sehe den Friedenseinsatz optimistisch, hatte Al-Dhabi gesagt. In der umkämpften Protesthochburg Homs konnte er nichts Beunruhigendes entdecken. Später bestritt Al-Dabi Aussagen anderer Beobachter, sie hätten Heckenschützen auf Dächern gesehen.

Ein Beratergremium der Arabischen Liga forderte inzwischen den sofortigen Abzug der Mission. Nach Informationen des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera hieß es aus dem Gremium, die Beobachter würden Assad unfreiwillig helfen, die anhaltende Gewalt zu kaschieren.

Ein Teil der arabischen Beobachter, die seit einer Woche in Syrien sind, um den von der Liga geforderten Rückzug der Armee und die Freilassung politischer Gefangener zu überwachen, hatte Syrien am Sonntag planmäßig verlassen. Eine neue Gruppe von Beobachtern soll Dienstag anreisen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete über Besuche der Beobachter in der Stadt Homs sowie in den Provinzen Idlib und Daraa.

Am Montag sollen die staatlichen Sicherheitskräfte vier Menschen getötet haben. Laut einer in London ansässigen oppositionellen Beobachterstelle schlossen sich in der nördlichen Provinz Idlib zahlreiche Soldaten der Protestbewegung an und überfielen drei Kontrollpunkte der Armee. Dabei seien mehrere Mitglieder der Streitkräfte getötet worden. Seit Beginn der Proteste gegen Assad im März starben nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 5.000 Menschen.

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Leserkommentare
  1. "Sie haben sie in ein Dorf geführt und gesagt, dies sei die Ortschaft Daria. Doch in Wirklichkeit haben sie ihnen ein Dorf in der Nähe von Daria gezeigt, in dem vor allem regimetreue Offiziere leben"

    Nach heutigem inflationären Gebrauch des Wortes, wäre die zitierte Aussage doch eine klassische Verschwörungstheorie oder nicht?

  2. Wow... und wieder "Laut einer in London ansässigen oppositionellen Beobachterstelle..."

    Diese Beobachterstelle genießt wirklich höchstes Ansehen bei unseren Medien.

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    • presstv
    • 02. Januar 2012 16:50 Uhr

    Die mediale Kriegsvorbereitung fuer einen erneuten Angriffskrieg der US/EU 'Kriegs-Achse' , diesmal gegen Syrien will einfach nicht in Fahrt kommen.
    Man muss annehmen , dass die 'Kriegs-Hysterie' der MSM genau ins Gegenteil umschlaegt.
    Iran
    Syrien
    Iran
    Syrien
    usf....

    • presstv
    • 02. Januar 2012 16:50 Uhr

    Die mediale Kriegsvorbereitung fuer einen erneuten Angriffskrieg der US/EU 'Kriegs-Achse' , diesmal gegen Syrien will einfach nicht in Fahrt kommen.
    Man muss annehmen , dass die 'Kriegs-Hysterie' der MSM genau ins Gegenteil umschlaegt.
    Iran
    Syrien
    Iran
    Syrien
    usf....

    Antwort auf "Jeden Tag ein Artikel"
    • BerndL
    • 02. Januar 2012 17:23 Uhr

    der Demokratie und der Toleranz. Beide haben genug Grund, vor der eigenen Türe zu kehren.
    Katar hat schon im L-Krieg eine Stellvertreterrolle der NATO gespielt. Da kann man die Haltung Syriens verstehen.
    Jeden Tag immer ein Artikel immer in gleicher Diktion mit vagen Formuleirungen ("laut Sprecher...") und ohne inhaltliche Substanz.
    Wann berichtet die ZEIT endlich mal investigativ über das befreite Libyen? Wie sieht es jetzt in Tripolis oder Misrata aus?

    "Das Regime in Damaskus wollte niemanden, der Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar nahesteht, die Sanktionen gegen Syrien vorangetrieben hatten."

  3. "Die US-Regierung hat nach Informationen der Washington Post offenbar syrische Oppositionsgruppen finanziert. Ein Projekt sei der in London angesiedelte Sender Barada TV. Der Sender pflege enge Verbindungen mit der Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung, einem Netzwerk von Exil-Syrern in London." - 18.04.2011 - 11:27 Uhr
    ( http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-04/syrien-sender-usa )

    Ob es sich dabei um die "in London ansässige oppositionelle Beobachterstelle" handelt?

    Antwort auf
    • mkrm
    • 02. Januar 2012 21:57 Uhr

    "Syrische Protestbewegung wirft Assad Täuschungen vor

    Syriens Präsident Assad führt angeblich die Beobachtermission der Arabischen Liga in die Irre: Laut Aktivisten werden die Beobachter in falsche Ortschaften geführt."

    Ja klaaaar...und alle Beobachter sind dumm genug Assad 100% zu vertrauen.

    Warscheinlich haben die Geheimdienste der USA und EU nicht ausreichend Geld in diesen "falschen Regionen" fliessen lassen um Konflikte auslösen zu lassen.

  4. Es läuft im Moment genau so, wie sich das Assad vorgestellt hat: Die sogenannte "Beobachterdelegation" ist ein willfähriges Werkzeug für ihn. Seine Militärs führen sie dorthin wo es genehm ist, die Delegation darf sich überhaupt nicht frei bewegen. Kontakt zu Oppositionsgruppen wird verhindert und ist für die Menschen lebensgefährlich. Der Leiter der "Beobachtungsdelegation" ist ein sudanesischer sogenannter "General", der in Dafur Mord, Vertreibung, Vergewaltigung und das Abschlachten ganzer Bevölkerungsteile zugelassen bzw. gebilligt hat. Was also kann man von so einem "Beobachter" erwarten? Das Ganze ist genau so, als würde man einen pädophilen Vergewaltiger bitten, ein Mädchenheim zu "begutachten".
    Assad ist zu allem bereit, lässt foltern, schießen und die eigene Bevölkerung weiter abschlachten, nur um mit aller Gewalt (im wahrsten Sinne des Wortes) an der Macht zu bleiben. Iran und Hisbollah helfen kräftig mit, liefern Waffen, Munition und Helfershelfer.
    Ekelhaft!
    Und hier gibt es Foristen, die für all das nicht Assad und seine brutale Clique, sondern den "bösen Westen" verantwortlich machen und das ganze abschlachten und morden, relativieren, "wegerklären" und verdrängen wollen.
    Unfassbar!

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    "Es läuft im Moment genau so, wie sich das Assad vorgestellt hat: Die sogenannte "Beobachterdelegation" ist ein willfähriges Werkzeug für ihn. Seine Militärs führen sie dorthin wo es genehm ist, die Delegation darf sich überhaupt nicht frei bewegen."

    Erstmal stellt das Militär den Wachschutz und die Beobachter dürfen sich frei bewegen. Wenn sie andere Informationen und Quellen haben dürfen sie mir gerne bringen.

    "Kontakt zu Oppositionsgruppen wird verhindert und ist für die Menschen lebensgefährlich."

    Dass der Kontakt Lebensgefährlich ist sei mal so dahingestellt, aber die Beobachter wurden bereits in Gespräche verwickelt.

    "Assad ist zu allem bereit, lässt foltern, schießen und die eigene Bevölkerung weiter abschlachten, nur um mit aller Gewalt (im wahrsten Sinne des Wortes) an der Macht zu bleiben. Iran und Hisbollah helfen kräftig mit, liefern Waffen, Munition und Helfershelfer."

    Quelle für Hisbollah und Iran?
    Das mit dem Foltern und Schießen mag sein, aber abschlachten ist auch etwas anderes. Es ist eben noch nicht so wie das "Massaker von Hama", wenn auch nicht weniger schlimm.

    Geht noch weiter

    LG
    A.G.

    "Und hier gibt es Foristen, die für all das nicht Assad und seine brutale Clique, sondern den "bösen Westen" verantwortlich machen und das ganze abschlachten und morden, relativieren, "wegerklären" und verdrängen wollen.
    Unfassbar!"

    Ich verweise hier gerne nochmal auf in allen gängigen Medien vertretende Antwort:
    Die "Belege" und "Beweise" aus Syrien sind nicht kontrollierbar und überprüfbar. Solange selbst die unabhängigen Beobachter diskrediert werden, sobald sie nicht die richtigen Ergebnisse vorweisen werden muss man kritisch bleiben.
    Sie kennen keine genauen Zahlen aus Syrien und solange sie nicht wissen, wie viele Sicherheitsstreitkräfte zu den Opfern gehören, würde ich mich mit ausdrücken wie "abschlachten und morden" etwas zurückhalten.
    Übrigens ist das "wegerklären" wie sie es nennen einfach nur ein Verweis auf Fakten und Gesetzte, die sie sicher nachrecherchiert haben.

    "Der Leiter der "Beobachtungsdelegation" ist ein sudanesischer sogenannter "General", der in Dafur Mord, Vertreibung, Vergewaltigung und das Abschlachten ganzer Bevölkerungsteile zugelassen bzw. gebilligt hat. Was also kann man von so einem "Beobachter" erwarten?"

    Das eine hat erstmal nichts mit dem anderen zu tun. Desweiteren wollen sie mir sagen, weil der Leiter ein schwarzes Schaf ist, ist die gesamte Delegation also schlecht?
    An der Kompetenz eines Kapitäns können sie ja auch nicht die der Crew prüfen. Ich wollte auch gerne mal einen schlechten Vergleich bringen.

    LG
    A.G.

  5. "Es läuft im Moment genau so, wie sich das Assad vorgestellt hat: Die sogenannte "Beobachterdelegation" ist ein willfähriges Werkzeug für ihn. Seine Militärs führen sie dorthin wo es genehm ist, die Delegation darf sich überhaupt nicht frei bewegen."

    Erstmal stellt das Militär den Wachschutz und die Beobachter dürfen sich frei bewegen. Wenn sie andere Informationen und Quellen haben dürfen sie mir gerne bringen.

    "Kontakt zu Oppositionsgruppen wird verhindert und ist für die Menschen lebensgefährlich."

    Dass der Kontakt Lebensgefährlich ist sei mal so dahingestellt, aber die Beobachter wurden bereits in Gespräche verwickelt.

    "Assad ist zu allem bereit, lässt foltern, schießen und die eigene Bevölkerung weiter abschlachten, nur um mit aller Gewalt (im wahrsten Sinne des Wortes) an der Macht zu bleiben. Iran und Hisbollah helfen kräftig mit, liefern Waffen, Munition und Helfershelfer."

    Quelle für Hisbollah und Iran?
    Das mit dem Foltern und Schießen mag sein, aber abschlachten ist auch etwas anderes. Es ist eben noch nicht so wie das "Massaker von Hama", wenn auch nicht weniger schlimm.

    Geht noch weiter

    LG
    A.G.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Syrien | Dorf | Information | Provinz | Sanktion | Streitkräfte
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