Proteste in Syrien"Gebildete Schicht muss die Revolution anführen"

Der syrische Student Muhammad wagt viel, wenn er gegen das Assad-Regime protestiert. Im Interview sagt der 20-Jährige, er glaube an die Macht des Volkes.

Vor einigen Monaten haben wir mit dem syrischen Studenten Muhammad über die Demonstrationen in seinem Land gesprochen. Nun haben wir ihn erneut befragt. Der Kontakt mit Regimegegnern in Syrien ist heikel, weil der syrische Staat Telefon- und Internetverbindungen in weiten Teilen überwacht. Möglich war das Interview mit Muhammad deshalb nur über die Internetaktivistengruppe Telecomix, die dem Studenten technische Unterstützung gibt, mit der er sicher per E-Mail kommunizieren kann.

ZEIT ONLINE: Vor einigen Monaten hatten Sie im Interview mit uns die Hoffnung geäußert, dass die Proteste in ihrem Land etwas verändern können. Dass sie am Ende sogar das Assad-Regime stürzen könnten. Sind Sie davon weiterhin überzeugt?

Muhammad: Ich habe immer noch diese große Hoffnung, dass die Proteste in Syrien wirklich etwas verändern. Wir wären ohne die friedlichen Demonstrationen niemals so weit gekommen, wie wir jetzt sind. Die Entscheidung liegt immer noch in den Händen der beiden größten Städte: Damaskus und Aleppo. Und ich sage Ihnen: Ja, Syrien hat sich bereits für immer verändert.

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ZEIT ONLINE: Ist die Unterstützung für die Proteste gegen das Regime nach Ihren Beobachtungen in den vergangenen Monaten gewachsen?

Muhammad: Ich kann mit Überzeugung bestätigen, dass nicht mehr als 15 Prozent der Bevölkerung das Regime noch unterstützen. Mehr als 85 Prozent haben sich von ihm abgewandt.

Muhammad

Er nennt sich selbst Muhammad, ist 20 Jahre alt und Maschinenbaustudent. Er lebt mit zwei Brüdern und drei Schwestern in Aleppo bei seinen Eltern. In seiner Heimatstadt beteiligt er sich an den friedlichen Protesten gegen das Assad-Regime. Sein Telefon wird überwacht, ebenso seine Internetkommunikation. Die Organisation Telecomix stellt ihm daher Werkzeuge zur sicheren Kommunikation zur Verfügung, sodass seine Texte, Bilder und Videos ohne große Gefahr für ihn Syrien verlassen können.

ZEIT ONLINE: Ist die revolutionäre Bewegung noch weitgehend auf die gebildeten Schichten beschränkt?

Muhammad: Sie ist nicht nur auf die gebildeten Kreise der Gesellschaft beschränkt. Ich werde Ihnen ein Beispiel geben: In meiner Heimatstadt Aleppo konzentrieren sich die Demonstrationen weitgehend auf die Universität, es gibt nur einige Demonstrationen in anderen Gegenden. Es wird aber nicht lange dauern, bis diese Bewegung alle Menschen in der Stadt erfasst hat. In Homs dagegen protestieren die Menschen bereits überall gegen das Regime. Die wichtigste Aufgabe der gebildeten Schicht ist, die Revolution anzuführen, die Menschen auf den richtigen Weg zu bringen. Die Jugend hat die Zeit, die Mittel und die Begeisterung, um das Feuer der Revolution zu entfachen. Sie gestaltet für künftige und vergangene Generationen einen neuen Weg. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Mehrheit der Menschen in dieser Region junge Leute sind.

ZEIT ONLINE: Wie hat sich ihr Alltag in den vergangenen Monaten verändert, nachdem das Regime immer härter gegen seine Gegner vorgeht?

Muhammad: Ich engagiere mich immer mehr und habe meine anderen Aktivitäten fast komplett aufgegeben.

ZEIT ONLINE: Waren Sie selbst Drohungen oder sogar Gewalt von Regimeanhängern oder Sicherheitskräften ausgesetzt?

Muhammad: Ja, ein Geheimdienstoffizier hat mir in einer Nachricht gedroht und verlangt, dass ich meine Aktivitäten beende. Zufällig kannte er jemanden aus meiner Familie, und so hat er über ihn die Nachricht geschickt, statt zu mir nach Hause zu kommen und mich abzuholen. Ich glaube allerdings, er weiß nicht allzu viel über das, was ich tue, sonst hätte er mich mit Sicherheit besucht.

Leserkommentare
    • colca
    • 05.01.2012 um 8:50 Uhr

    Die Verlautbarungen dieses ominösen Muhammad klingen irgendwie verdächtig passgenau in die Argumentationsschablonen der NATO-Interventionisten, die erst kürzlich den libyschen Staat zu Grunde gerichtet haben.
    Dieser unbekannte Student wird doch nicht zufällig in London wohnen?
    Die ZEIT sollte sich lieber mal journalistisch auf die Suche nach den Verbrechern machen, die beinahe täglich syrische Soldaten und Polizisten ermorden, Pipelines sprengen, Autobomben in Damaskus zünden und auch ansonsten alles tun, um die Lage nach Kräften zu destabilieren.

    Was wollen diese Leute, wer finanziert sie, wer sind sie - das wär doch eine schöne journalistische Herausforderung.

    Vielleicht können die Herren und Damen der schreibenden Zunft mit der einfachen Frage beginnen, wo sich momentan der Al Kaida-Aktivist und Militärkommandeur von Tripolis, Abdulhakim Belhaj befindet und was er gerade tut?
    Und mit ihm viele weitere libysche Schlächter?

    10 Leserempfehlungen
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    und "Analysten" verlassen doch schon seit Ewigkeiten nicht mehr Schreibtisch und MacBook.

    und "Analysten" verlassen doch schon seit Ewigkeiten nicht mehr Schreibtisch und MacBook.

  1. Das wäre auf jeden Fall interessant. Google liefert allerhand "Vorschläge". Leider kann ich die Quellen nicht einschätzen. Das wäre wohl eher eine Aufgabe für einen Journalisten, sich da mal umzutun und entsprechend nachzufragen?

  2. Ich möchte mich damit colca anschliessen.
    Mittlerweile kann keiner mehr leugnen, davon gewusst zu haben.
    Ja, es ist schrecklich und traurig. Da unten sterben Menschen, durch terroristische Übergriffe von, in türkischen Ausbildungslagern, trainierten "Oppositionellen".

    http://www.worldnewstribu...

    http://www.youtube.com/wa...

    Sie sitzen auf Häuserdächern und versteckt im Gebüsch,

    http://www.youtube.com/wa...

    http://www.youtube.com/wa...

    und töten wahllos Unschuldige, Soldaten und Sicherheitskräfte, um dies dann als, "Bluttaten von Assads Truppen", zu verkaufen.

    http://www.youtube.com/wa...

    3 Leserempfehlungen
  3. Was die Opferzahlen betrifft, glaubt man der UN, die sich wiederum, auf eine ominöse in London sitzende "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" bzw. von Finanzheuschrecken, finanzierte Menschenrechtsgruppen beruft.
    Dabei ist man sogar so dreist und benutzt lebende bzw. verletzte Menschen oder eines natürlichen Todes Gestorbene, zur Propaganda.

    http://www.youtube.com/wa...

    Wie realitätsfern und linientreu muss man eigentlich sein, um zulassen und zu unterstützen, dass genau diese Menschenrechtsverletzungen, die es durch NATO-Truppen gerade eben in Libyen gegeben hat, wieder durch permanente Desinformation heraufzubeschworen werden.

    Im Namen aller dieser Menschen dort unten.

    Berichtet endlich allumfassend und wahrheitsgemäß!

    3 Leserempfehlungen
  4. und "Analysten" verlassen doch schon seit Ewigkeiten nicht mehr Schreibtisch und MacBook.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "verdächtig"
  5. Wer zu wem steht und was den Rückhalt in der Bevölkerung betrifft und wie dies in den hiesigen Medien verarbeitet wird, verweise ich auf diese Analyse:

    http://www.zeit.de/politi...

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    Sehr geehrter MK-Ultra,

    die Frage die sich doch stellt ist folgende: Sie beklagen die propagandistische und leugnerische Hetzkampagne des Westens einschließlich der westlichen Medien und verweisen dabei auf YouTube-Videos, deren Authentizität nicht gerade eindeutig ist.

    Gegenthese: Bitte denken Sie darüber nach, was wäre wenn:

    - Das Video über die einen Bus beschießenden Demonstranten ist gefälscht und eine propagandistische Hetzkampagne des syrischen Regimes.
    - die auf 5000 Menschen geschätzte Opferzahl untertrieben ist, und breits deutlich mehr Menschen den Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen sind
    - sie das Opfer einer Propaganda-Maschinerie des syrischen REgimes sind, und leichtgläubig jegliche antiimperialistischen Argumente und Informationen aufnehmen und für wahr befinden, nur weil diese in ihr Weltbild zu passen scheinen?

    Wer bestimmt, welche Informationen wahr oder falsch sind? Können Sie das verlässlich einschätzen? Sind sie sich sicher dass die von Ihnen verlinkten Videos authentisch sind? Ich behaubte nicht das Gegenteil, ich zweifle, und zwar sowohl an Ihrer als auch an der Darstellung der "Gegenseite". Was macht Sie in Ihrer eindeutigen Stellungnahme so sicher?

    Zudem: Können Sie uns Ihre Idee von einer Befriedung des Konflikts näher schildern? Wie sieht für Sie das best-case-Szenario für die Lösung des internen Syrien-Konflikts aus? Haben sie konstruktive Vorschläge?

    Dann lassen Sie sie uns doch bitte wissen.

    Besten Dank und beste Grüße!

    Sehr geehrter MK-Ultra,

    die Frage die sich doch stellt ist folgende: Sie beklagen die propagandistische und leugnerische Hetzkampagne des Westens einschließlich der westlichen Medien und verweisen dabei auf YouTube-Videos, deren Authentizität nicht gerade eindeutig ist.

    Gegenthese: Bitte denken Sie darüber nach, was wäre wenn:

    - Das Video über die einen Bus beschießenden Demonstranten ist gefälscht und eine propagandistische Hetzkampagne des syrischen Regimes.
    - die auf 5000 Menschen geschätzte Opferzahl untertrieben ist, und breits deutlich mehr Menschen den Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen sind
    - sie das Opfer einer Propaganda-Maschinerie des syrischen REgimes sind, und leichtgläubig jegliche antiimperialistischen Argumente und Informationen aufnehmen und für wahr befinden, nur weil diese in ihr Weltbild zu passen scheinen?

    Wer bestimmt, welche Informationen wahr oder falsch sind? Können Sie das verlässlich einschätzen? Sind sie sich sicher dass die von Ihnen verlinkten Videos authentisch sind? Ich behaubte nicht das Gegenteil, ich zweifle, und zwar sowohl an Ihrer als auch an der Darstellung der "Gegenseite". Was macht Sie in Ihrer eindeutigen Stellungnahme so sicher?

    Zudem: Können Sie uns Ihre Idee von einer Befriedung des Konflikts näher schildern? Wie sieht für Sie das best-case-Szenario für die Lösung des internen Syrien-Konflikts aus? Haben sie konstruktive Vorschläge?

    Dann lassen Sie sie uns doch bitte wissen.

    Besten Dank und beste Grüße!

  6. Eine uneigennützige militärischen Intervention ist nicht möglich, wenn ein Land sich nicht erheblich militärisch, wirtschaftlich und politisch schwächen möchte.

    Man hat bisweilen den Eindruck, dass die USA sich selbst schwächen, allerdings liegt das wohl daran das bestimmte Interessengruppen zu viel Einfluss gewonnen haben.

    Der Regime-Wechsel war nach der Bombardierung der ersten libyschen Flugabwehrstellung als inoffizielles Ziel der Mission beschlossen.

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  7. Sollte der Mehrheit von 85% ihre Forderungen erfüllt bekommen, müssen die 15% Christen und Aleviden mit dem Schlimmsten rechnen. Deutschland sollte dann schon auf den Ansturm der Asylanten sich vorbereiten. Minderheitenschutz ist in den moslemischen "Demokratien" nicht sicher zu stellen. Die zeigt sich in Ägypten und sogar auch in der Türkei.

    Eine Leserempfehlung

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