Bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan hat Amtsinhaber Ma Ying Jeou mit klarem Vorsprung gewonnen. Nach Angaben der Wahlkommission bekam Ma 51,6 Prozent der Stimmen. Seine Herausforderin Tsai Ing-wen kam auf lediglich 45,6 Prozent. Der Vorsprung des Präsidenten betrug damit fast 800.000 Stimmen – deutlich mehr mehr als von der Regierungspartei selbst erwartet.

Bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl blieb der Ausgang noch unklar. Die Wahlbeteiligung, die in Taiwan traditionell hoch ist, gab die Wahlkommission mit 74 Prozent der 18 Millionen berechtigten Bürger an.

"Danke, dass ihr mir eure Unterstützung für weitere vier Jahre gebt, um die nötigen Veränderungen für Taiwan abzuschließen", sagte der Präsident in seiner Siegesrede vor Anhängern, die ihn trotz heftigen Regens vor dem Hauptquartier der Partei in Taipeh begeistert feierten. "Ich werde euch nicht enttäuschen."

Ma steht für eine Annährung an China

Der 61-Jährige rief zur Aussöhnung mit der Opposition auf. Seine 55-Jährige Herausforderin räumte vor enttäuschten Anhängern ihre Niederlage ein. "Ich muss zugeben, dass wir nicht genug Unterstützung hatten." Als Konsequenz trat die Rechtsprofessorin vom Vorsitz der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) zurück. "Ich übernehme die volle Verantwortung für die Niederlage."

Die Wahl galt auch als eine Abstimmung über die weitere Aussöhnung und engere Kooperation mit China , die Ma seit 2008 versucht. Die wachsende Verflechtung weckt in Taiwan zunehmend Angst vor einem Ausverkauf der jungen Demokratie an den kommunistischen Rivalen. Dagegen steht Herausforderin Tsai einer Annäherung an das Festland viel kritischer gegenüber.

Die Wahl wurde in Peking und Washington daher mit Interesse beobachtet. Die chinesische Führung hatte einen Sieg von Tsai befürchtet, da ihre Partei aus der Unabhängigkeitsbewegung stammt. Ein Sieg der Oppositionskandidatin hätte Irritationen Chinas auslösen können.

Seit dem Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd in Asien . Peking betrachtet Taiwan bis heute als festen Bestandteil Chinas. Die kommunistische Führung droht im Falle einer formellen Unabhängigkeit mit einer Rückeroberung. Die USA fühlen sich der Verteidigung der Inselrepublik verpflichtet.