Doha, die Hauptstadt von Katar © Robert Cianflone/Getty Images

Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan haben die Eröffnung einer offiziellen Auslandsvertretung im Golfemirat Katar angekündigt.


"Ungeachtet unserer Stärke (in Afghanistan ) sind wir bereit, ein Büro außerhalb des Landes zu eröffnen, um in einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft zu treten", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. An der Forderung eines vollständigen Abzugs aller ausländischen Truppen aus Afghanistan werde jedoch unverändert festgehalten.  "Wir werden unsere Militäraktionen nicht einstellen, auch wenn wir ein Büro in Katar eröffnen", sagte Mudschahid. Dieser Schritt bedeute nicht das Ende "unseres heiligen Kampfes gegen die Invasoren". Zudem forderten die Taliban vor der Eröffnung eines Büros die Freilassung von Insassen des umstrittenen US-Gefangenlagers Guantánamo .


In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Spekulationen über ein mögliches Taliban-Büro in Katar gegeben, mit dessen Hilfe Friedensgespräche mit den USA und der afghanischen Regierung in Gang gebracht werden könnten. Präsident Hamid Karsai bemüht sich seit Langem, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen. 

Die internationale Gemeinschaft unterstützt sein Vorhaben , stellt allerdings Bedingungen.

Gewaltverzicht als Bedingung für Gespräche

So sollen die Taliban vor der Aufnahme von Gesprächen auf Gewalt verzichten, sich vom internationalen Terrorismus lossagen sowie die afghanische Verfassung und die Menschenrechte respektieren. Diese Punkte wurden im Dezember in der Abschlusserklärung der Bonner Afghanistan-Konferenz noch einmal bekräftigt. Die Taliban fordern einen sofortigen Nato-Abzug. 



Die Regierungen Afghanistans und Katars äußerten sich bislang nicht zu der Taliban-Ankündigung. Nach Medienberichten soll es in dem Emirat in der Vergangenheit allerdings bereits mehrfach Gespräche zwischen hochrangigen afghanischen Regierungsmitgliedern und Repräsentanten der US-Regierung mit Taliban-Vertretern gegeben haben.

Die Taliban hatten in den neunziger Jahren die Macht in Afghanistan ergriffen und wurden beim Einmarsch einer internationalen Koalition unter Führung der USA im Jahr 2001 gestürzt. Seitdem kämpfen die Taliban gegen die afghanische Regierung und die Soldaten der Nato-Truppe Isaf. Die Nato will bis Ende 2014 alle Kampftruppen aus Afghanistan abziehen.