GroßbritannienThatcher spaltet noch einmal das Königreich

Der Film "Die eiserne Lady" über die frühere Premierministerin kommt am 6. Januar ins Kino. In der Politik des Königreichs weckt das Erinnerungen – gute und schlechte. von 

Meryl Streep als Margaret Thatcher im Film "Die eiserne Lady".

Meryl Streep als Margaret Thatcher im Film "Die eiserne Lady".  |  Alex Bailey / Courtesy of Pathe Productions Ltd. © 2011 Concorde Filmverleih GmbH

Déjà-vu in Großbritannien : Es wirkt, als seien die achtziger Jahre zurückgekehrt, nicht nur in der Popkultur, auch in der Politik. In 10 Downing Street regiert ein konservativer Premier , der gnadenlos kürzt; Streiks, Proteste und Aufruhr mehren sich. Doch Labour vermag, wie damals unter Neil Kinnock , kein politisches Kapital daraus zu schlagen, hat einen schwachen Parteichef und wirkt einfach nicht wie eine Regierung in Wartestellung. Es passt zum retrogefärbten Bild, dass just zu diesem Zeitpunkt die Frau, die wie kein anderer Politiker die Dekade der Achtziger prägte, wieder erscheint – wenn auch nur in Form des Films Die eiserne Lady .

Wieder spaltet diese Eiserne Lady die Nation, wie schon damals in den Achtzigern. Die Rechte jubelt angesichts der Erinnerungen an die goldenen Jahre unter Margaret Thatcher . Links reagiert man gereizt, wenn nicht zornig. Man macht die "Eiserne Lady" für Deindustrialisierung und soziale Kälte jener Jahre verantwortlich. Die einen können es gar nicht abwarten, bis die Hollywood-Produktion Die eiserne Lady endlich – am 6. Januar – in die Kinos kommt. Andere schwören, sie würden sich den Film auf keinen Fall anschauen, wie großartig auch immer Meryl Streep die Rolle von Margaret Thatcher spiele. Selbst nach Auffassung erklärter Thatcher-Hasser und den Filmkritikern liefert die 62-jährige Streep die wohl beste Rolle ihres Lebens; so glaubwürdig verkörpert sie Lady Thatcher, dass viele fest mit einem weiteren Oskar für die Hauptdarstellerin rechnen.

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Der Guardian findet den Film "oft frivol und suspekt". Die Irritation vieler Linksliberaler rührt auch daher, dass es sich bei Regisseurin Philippa Lloyd, bekannt für den Filmhit Mamma Mia , Drehbuchautorin Abi Morgan und Hauptdarstellerin Meryl Streep alles andere als um Thatcherites handelt, die ihre Politik damals beeindruckt verfolgten hätten. Meryl Streep beschreibt sich selbst als integralen Bestandteil der linksliberalen Hollywoodszene, doch hält sie nicht zurück mit ihrer Bewunderung für Thatcher: "Als Frau konnte man damals, Ende der Siebziger, vielleicht Chef einer Kosmetikfirma werden oder Chefredakteur einer Frauenzeitschrift. Das war die Welt, die Thatcher betrat; wie sie an die Spitze vorstieß, war außergewöhnlich."

Leserkommentare
  1. Im Königreich läuft zurzeit eine interessante Petition:

    "In keeping with the great lady's legacy, Margaret Thatcher's state funeral should be funded and managed by the private sector to offer the best value and choice for end users and other stakeholders."
    http://epetitions.direct....

  2. es gibt Menschen, die tun alles für Geld!

  3. ... als "nur" einen Film.
    Nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern die gesamte Menschheit hat Margaret Thatcher sehr viel zu verdanken. Sie hätte für ihre strikte antikommunistische Haltung, mit der sie - Ronald Reagan unterstützend - einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenbruch des roten Imperiums geleistet hat, den Friedensnobelpreis verdient gehabt.

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    Mehr den wohl nicht! Passt einem FDP(J) sehr gut. Warten Sie mal ab, wo die Politik dieser Partei endet!

    • cassis
    • 03. Januar 2012 22:25 Uhr

    Sie sollten Ihre Ironie besser deutlich machen. Aber ansonsten: Klasse!

    "Nein" danke. Sie ist das schlimmste, dass dem Vereinten Koenigreich je passieren konnte. Der letzte, magere Versuch zurueck zum British Empire.

    Wie egoistisch. Nur Reagan ist schlimmer. GB hat wahrscheinlich 10 Jahre an ihr allein verloren, die in klaren Fortschritt und Integration gehen konnten.
    -Privatisierung staatlichen Firmen, denen es eigentlich total gut ging.
    -Milliarden verschwendet und Familien zerstoert wegen nutzloser Kolonialinseln.
    -Deregulierung des Finanzmarkts
    -Sie war gegen Subventionen gegen Apartheid Suedafrika

    Iron Lady? Ne Danke. Genauso schlimm wie Reagan.

    • LaoLu
    • 04. Januar 2012 10:40 Uhr

    Mehr fällt mir dazu nicht ein!

  4. Mehr den wohl nicht! Passt einem FDP(J) sehr gut. Warten Sie mal ab, wo die Politik dieser Partei endet!

    • Azenion
    • 03. Januar 2012 20:48 Uhr

    "Am Ende gelang es ihr, den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang Großbritanniens zu beenden" -- kühne These!

    Ebenso wie Las Vegas als Stadt des Glücksspiels nach -- in historischer Perspektive -- kurzer Sumpfblüte unweigerlich der Wüste zurückgegeben werden wird, hat das Vereinigte Königreich als Land des Casinokapitalismus keine Zukunft.

    Nachhaltiger Wohlstand ist nur möglich, wenn ein Land dauerhaft mindestens so viel produziert wie konsumiert.

    • Mmblfrz
    • 03. Januar 2012 21:01 Uhr

    gelang es kurzzeitg England ein Hauch von "Größe" zu verleihen- bestmöglche Anpassung (Unterwerfung?) an die Amerikaner und die Verteidigung einiger öder Inseln im Atlantik. Das lezte Aufbäumen einer gewesenen Großmacht. Indes, der Wille alleine nützt nichts, wenn das "Material" d.h. in diesem Falle das Land, für hochfliegende PLäne nichts mehr taugt. England war schon längst da angekommen wo es hingehört - Teil Europas und der EU, auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen.Das konnte noch nicht einmal die eiserne Lady zurückdrehen. Ob Thatcher Bleibendes für England geleistet hat vermag ich nicht zu beurteilen, Ecken und Kanten hatte sie jedenfalls und daher ist der Film bestimmt interessant.
    Herrn Kohl mochte sie ja nie, dass kann ich allerdings sehr gut verstehen.

  5. war sie allemal...

    Aber auch eine, die sich mehr Feinde als Freunde gemacht hat...

    Sie ist ein sehr explizites Beispiel für Frauen in Führungspositionen...

    Sicher hat sie Mut für Entscheidungen bewiesen - und auch die nötige Entschlusskraft...

    Ist sie deshalb präsdestiniert für eine solche Führungsposition...

    Jeder sollte sich diese Frage mit Herz und Verstand ganz allein beantworten...

    Von einer, die ihr Berufsleben lang Vorurteilen von beiden Geschlechtern ausgesetzt war (Jahrgang '64 mit technischer Berufsausbildung)...

    Frauen an die Macht - aber nur wenn sie dazu wirklich die nötige Reife besitzen [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

  6. Es ist keinem anderen den Untergang der kommunistischen Diktatur zu verdanken, als ihren unverbesserlichen Widersprüchen selbst. Die Beschleunigung dieses Zerfallprozesses hätte man aus der Höflichkeit der "eisernen Lady" zuschreiben können, wenn man dabei alle anderen negativen Aspekten des gesamten Prozesses auf EU-Modell der sozialen Marktwirtschaft nicht vergessen würde.

    Was unter dem Strich bleibt, zeigt uns so prägend, hatnah mit ungewissem Endergebnis die Gegenwart. Das was geschichtlich kurzzeitig Großbritannien geholfen hatte, wird gegenwärtig zu eigener Falle, und zwar nicht nur für Großbritannien.

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    Thatcher wird vollkommen überbewertet. Mir ist es ein Rätsel was die Frau so bahnbrechendes geleistet haben soll?!
    Nach ihrem Abgang war England genauso Pleite wie vor ihrem Dienstantritt, wir waren 1991 in England und zu der Zeit war jedes zweite Haus zu verkaufen, weil die Leute damals schon auf "billige" Kredite reingefallen sind. Anschließend ging bis zur "Erweckung" des Marktes durch New Labour gar nichts mehr. Zu der Zeit wurde hier bei uns in der Straße jedes zweite Haus von Engländern gebaut, die keine Arbeit mehr in ihrer Heimat hatten...

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