Arabische Revolution Tausende Tunesier feiern Jahrestag des Umsturzes

Genau ein Jahr ist der Sturz Ben Alis in Tunesien nun her: Zur Feier gingen in Tunis Tausende Menschen auf die Straßen. Zugleich gab es neue Proteste gegen die Regierung.

Tausende Menschen haben in Tunesiens Hauptstadt Tunis den ersten Jahrestag des Sturzes von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali gefeiert. In der Prachtstraße Habib Bourguiba schwenkten Tunesier Flaggen und machten Siegeszeichen. "Verschwinde", rief die Menge in Erinnerung an die wichtigste Parole der Proteste, die vor einem Jahr zur Flucht des langjährigen Staatschefs Ben Ali nach Saudi-Arabien geführt hatte.

Zugleich forderten sie "Arbeit, Freiheit, Würde" und riefen zur Fortsetzung des Kampfes für soziale Gerechtigkeit auf. Am Rande der Feier kam es zu Protestkundgebungen gegen die neue Regierung. Viele Tunesier kritisieren, dass sich die wirtschaftliche und soziale Situation seit der Revolution nicht verbessert habe.

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Feier zum Jahrestag von neuen Protesten geprägt

"Wir haben die Revolution gegen die Diktatur gemacht, um unser Recht auf ein würdiges Leben durchzusetzen, nicht um gewissen Opportunisten bei der Verwirklichung ihrer politischen Ambitionen zu helfen", sagte der 33-jährige Salem Zitouni. Andere forderten die Anerkennung der rund 300 "Märtyrer", die während der wochenlangen Proteste getötet worden waren. Tunesiens neuer Präsident Moncef Marzouki hatte am Freitag erklärt, die Verletzten und Toten hätten bisher nicht die ihnen gebührende Anerkennung erfahren.

Umstritten war zudem die Einladung des algerischen Staatsoberhauptes Abdelaziz Bouteflika und des Emirs von Katar zu den offiziellen Feierlichkeiten. Bouteflika regiert nach Ansicht von Menschenrechtlern mit ebenso autoritärer Herrschaft wie früher Ben Ali in Tunesien. Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani wird verdächtigt, die islamistische Ennahda-Bewegung illegal im Wahlkampf unterstützt zu haben. Sie hatte Ende Oktober die ersten freien Wahlen in Tunesien mit großem Vorsprung gewonnen.

Im vergangenen Jahr hatten die Tunesier als erstes Volk in der Region erfolgreich gegen die autoritäre Herrschaft ihrer Führung rebelliert. Da seitdem auch die Ägypter, Jemeniten und Libyer ihre Langzeitherrscher stürzten, gilt Tunesien als Mutterland des arabischen Frühlings. Der 75-jährige Ben Ali lebt seit seinem Sturz am 14. Januar 2011 in Saudi-Arabien im Exil. Das Land lehnt seine Auslieferung an die tunesische Justiz bislang kategorisch ab.

 
Leser-Kommentare
  1. > > "Wir haben die Revolution gegen die Diktatur gemacht, um unser Recht auf ein würdiges Leben durchzusetzen, nicht um gewissen Opportunisten bei der Verwirklichung ihrer politischen Ambitionen zu helfen", sagte der 33-jährige Salem Zitouni. > >

    Das kommt dabei heraus, wenn die Revolution mit dem Sturz des Diktators endet, und nicht mit dem Sturz des gesamten Systems und die Eliten ihre Macht samt ihrer Vermögen in eine repräsentative "Demokratie" hinüberretten können.

    Erschreckend naiv ist v.a. jene hier in Deutschland verbreitete Einstellung, Revolutionen beträfen nur das politische System.
    Der Großteil des tunesischen Vermögens, der Unternehmen, der Immobilien wird von ein paar wenigen % der Bevölkerung gehalten.
    Jene paar % bestimmen dank ihrer wirtschaftlichen Macht die Politik, erpressen sie, machen sie zu Marionetten.
    Eine am Kreditgeldtropf internationaler "Investoren" hängende "Demokratie" ungleich mehr, als eine Diktatur die sich ihr eigenes Geld drucken kann.

    Ohne demokratische Kontrolle der gesellschaftlichen Reproduktion,
    wird das natürlich auch mit der sozialen Gerechtigkeit nichts. Oder einem Gesellschaftssystem was sich nicht nur "Demokratie" nennt, sondern eine ist.

    Aber es hätte wohl kaum Beifall bei "den Märkten" oder dem "freien Westen" gefunden, wenn in Tunesien einfach so Oligarchen enteignet würden, um der hiesigen Bevölkerung ein würdevolles Leben zu ermöglichen...

    • k2
    • 14.01.2012 um 23:03 Uhr
  2. Den Tunesier ist es gelungen, innerhalb weniger Monate die ersten freien Wahlen im Lande abzuhalten. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Demokratisierung Tunesiens. Viele Herausforderungen stehen noch an, doch müssen die anderen arabischen Länder diese tunesische Entwicklung erst einmal schaffen - eventuell mit Hilfe der EU: http://wp.me/pNjq9-3jP.

    • Oogie
    • 15.01.2012 um 3:48 Uhr

    wie die Zeit vergeht mir kommt erst wie einpaar Monate vor! Viel glück diesen Menschen in ihrer ungewissen Zukunft!

    • rexi
    • 15.01.2012 um 5:18 Uhr

    "Wir haben die Revolution gegen die Diktatur gemacht, um unser Recht auf ein würdiges Leben durchzusetzen ....".

    Würden die Tunesier diesen Satz zu Ende denken kämen sie ganz schnell darauf dass sie vom "Westen" nichts lernen können. Der hat die Idee des Kommunismus vor zwanzig Jahren entsorgt und sich zu einer Plutokratie "weiterentwickelt". Eine Demokratisierung nach westlichen Vorbild führte nur zu einem Austausch von der "Heißen" Diktatur Ben Alis zur "Kalten" Diktatur der Kapitaleigner und dem "Sound des Sachzwanges". In dieser neuen Dikatur werder regimekritische, also nicht marktkonforme Gedankenspiele mit sofortiger Deindustrialisierung und Verarmung bestraft, was durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit im "freien" Tunesien illustriert wird. Schließlich hat dieses Land den Investoren nichts anderes anzubieten als niedrige Steuern und billige Arbeitskräfte. Dass diese neuerdings die Klappe aufmachen verschafft dann Ländern mit "autoritärem Kapitalismus" den Standortvorteil.
    Die "Demorkratie" nach westlichem Vorbild in Tunesien nutzt also nur einem etwas, dem Westen. Der kann sich, wenn Bilder verarmter Tuniesier über den Bildschirm flackern, gemächlich zurücklehnen da diese ja wählen können. Und Flüchtlinge aus Tunesien kann man problemlos Abschieben, es sind ja Wirtschaftsflüchtlinge. Und wenn dann die "Schillyschen" Internierungslager in Nordafrika errichtet werden arbeit man noch nicht mal mehr mit einer "Diktatur" zusammen.

  3. populistischen Politikern einhalten um die Junge Demokratie in Tunesien zu stabilisieren.

    Dies muß in Augenhöhe und nicht im Neo Kolonial Stil geschehen. Das Tunesische Volk ist durchaus in der Lage, mit entsprechender Starthilfe, das Land selbst zu entwickeln.

    Eine gut ausgebildete Junge Generation brauch ein Start Up in die Zukunft ohne Bevormundung. Nur so ist es möglich das Land in eine Demokratie zu führen und Extremen entgegen zu wirken.

    Hier kann Europa beweisen ob es auch ohne Neo Kapitalistische Ansprüche einem Land heilft das auf dem besten Weg ist sich selbst zu befreien.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Weil diese (Demokratie) doch recht einseitig abläuft.

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