Ungarn: Zehntausende demonstrieren gegen neues Grundgesetz
Die ungarische Regierung hat das neue Grundgesetz mit einem Festakt gefeiert. Zehntausende demonstrierten zeitgleich gegen das Werk, sie fürchten um die Demokratie.
© Tamas Kovacs/dpa

Demonstranten vor dem Opernhaus in Budapest
Zehntausende Menschen haben am Montagabend vor der Budapester Oper gegen die neue ungarische Verfassung demonstriert.
In Sprechchören forderte die Menge den Rücktritt des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Der ungarische Regierungschef nahm zur gleichen Zeit im Opernhaus mit seinem Kabinett und anderen staatlichen Würdenträgern an einem Festakt für das neue Grundgesetz teil, das am Neujahrstag in Kraft trat.
Kritiker sehen in der Verfassung, die von der Zweidrittelmehrheit der Regierungspartei Fidesz (Bund Junger Demokraten) im Parlament gebilligt wurde, ein Instrument zum Abbau der Demokratie in Ungarn.
Mehrere Redner sagten bei der Demonstration, dass die Ungarn ihr Land weiterhin als Republik betrachten würden. Denn mit dem neuen Grundgesetz änderte sich auch der Landesname: Statt "Republik Ungarn" heißt das Land nunmehr einfach "Ungarn". Der ehemalige Datenschutzbeauftragte Laszlo Majtenyi sagte in seiner Ansprache: "In der Oper ist heute die Heuchelei zu Gast. Auf der Straße herrscht die Tugend der Verfassungsmäßigkeit." Zu der Kundgebung hatten mehrere Zivilorganisationen und Oppositionsparteien aufgerufen. Als Redner traten keine Parteienvertreter auf.
Das neue Grundgesetz löst die Verfassung von 1989 ab, die die demokratischen Grundrechte sicherte und Ungarn unter den westlichen Demokratien verankerte. In der neuen Verfassung sind zwar die Grundrechte auch deklariert. Doch sind die Kompetenzen des Verfassungsgerichts stark beschnitten und die Unabhängigkeit der Justiz eingeschränkt. Wichtige Funktionsträger, die von der Regierung Orban ernannt wurden, sind für mehrere Legislaturperioden in ihren Ämtern "einbetoniert".






Wie deutlich hätten es die Demonstranten (und der Rest der Welt) denn noch um zu verstehen, dass das ungarische Volk genau das will, was da passiert??
Das ist doch Unsinn! Abgesehen davon, dass über 2/3 aller Parlamentssitze keineswegs bedeutet, dass Fidesz tatsächlich von über 2/3 aller Ungarn gewählt wurde, heißt ein so hoher Stimmanteil nur, dass viele Ungarn der Partei ein gewisses Vertrauen entgegengebracht haben (zumindest mehr als der Vorgängerregierung, was aber nicht viel heißen muss).
Eine Wahl ist aber eben nur ein vorübergehender Vertrauensvorschuss, wie ja auch Prokura in einem Unternehmen kein Blankoscheck mit der Zustimmung ist, jede beliebige Summe daraufzuschreiben und sich das Geld in die Tasche zu stecken. Genauer gesagt, es ist quasi ein Blankoscheck, den man aber unter der Maßgabe erhält, dass man die darin enthaltenen Möglichkeiten nicht zum Schaden des Unternehmens ausnutzen wird, obwohl man es natürlich könnte.
Eine Regierung wählen heißt nicht, ihr eine Generalvollmacht für jedwede Handlung zu erteilen - und schon gar nicht zu Maßnahmen, die das Volk die Kontrolle über die Regierung kosten können. Sich festzecken oder Kritiker mundtot machen gilt nicht und ist undemokratisch und wäre es auch dann, wenn man in freien Wahlen 100% erzielt hätte.
Abgesehen davon wäre Demokratie, die nur in der absoluten Herrschaft der Mehrheit bestünde, nichts als eine Tyrannei mit Millionen Tyrannen.
Ich hab lediglich in den Nachrichten gelesen das Obdachlose nun Strafen zahlen müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit aufhalten. Nichts verkehrtes, solange ein Staat sich für die Unterkünfte solcher kümmert.
1. muss Letztgenanntes aber zuerst kommen. Es ist abartig, jemanden für die Nichterfüllung von unerfüllbaren Forderungen zu bestrafen.
2. wäre das immer noch eine Diskriminierung der Obachlosen. Schließlich darf jemand, der eine Wohnung hat, sich ohne Weiteres in der Öffentlichkeit aufhalten.
ist wenig erfolgversprechend. Ich glaube nicht, dass die
ungarische Regierung so etwas ernsthaft versucht.
Wenn es eine Lehre aus Stuttgart21 zu ziehen ist, ist dann folgendes:
die lautesten und gewalttätigsten Demonstranten verkörpern nicht immer den Willen und die Mehrheit der Bevölkerung, sondern - meiner bescheidenen Meinung nach - nur das Demokratieverständnis der Parteien, die eher links anzusiedeln sind.
Es waren angeblich 100.000 Demonstranten in Budapest, die gegen die neue Verfassung demonstrierten (in Ungarn nannte niemand diese Zahl, auch "Népszabadság" nicht).
Es waren trotzdem sehr viele Menschen, die etwas gegen die neue Verfassung haben. Sie machten von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung gebrauch.
Daraus zu schließen, diese Verfassung wird von der Mehrheit der Ungarn abgelehnt und Orban sei ein Diktator, der gegen sein Volk agiert, ist falsch: die Verfassung wird lediglich von 100.000 Menschen aus irgend einem Grund abgelehnt. Ebenso wäre ein es ein falscher Schluss, wenn man in diesem Zusammenhang sagen würde, die Verfassung sei undemokratisch, sie würde dem Souverän die Mach entziehen, sei diskriminierend, usw. usv.
Sie hat lediglich die alte Verfassung aus den Jahren 1948/49 (Zeit der Entstehung des Realsozialismus und während der Herrschaft der Sowjetunion) abgelöst.
Und übrigens, sie hat den Stopp für neue Budgetverschuldung noch vor den Österreichern eingeführt.
kann man denn davon ausgehen, dass die "neue" verfassung ausreichend legitimiert (gerne wird ja die fragebogenaktion (http://vsr-europa.blogspo...), erwähnt - eine volksbefragung oder ein referendum hat es aber wohl nicht gegeben) ist oder/und liegt nicht etwa schon ein eigener verstoss gegen selbige vor:
"Wir bekennen uns dazu, dass eine richtige Volksherrschaft nur dort gegeben ist, wo der Staat seinen Bürgern dient, und ihre Angelegenheiten mit Billigkeit, ohne Missbrauch und Parteilichkeit erledigt."
http://vsr-europa.blogspo......
leider sind hier zu wenig verfassungsrechtler - oder sieht das jmd anders?
aber am allerliebsten würde ich dazu mehr hören:
"Wir bekennen uns dazu, dass wir nach den zu moralischen Erschütterung führenden Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts zweifellos einer seelischen und geistigen Erneuerung bedürfen."
das macht mich neugierig...
Ungarn teilt die Probleme der meisten Ostblockländer. Die lange Dauer der Entmündigung durch totalitäre Regime. Aufklärung und demokratischer Mut wollen gelernt und erprobt sein. Demokratischer Werte brauchen Zeit zum Wachsen. Deutschlands Osten zeugt davon. Und Deutschlands Westen zeigt noch heute tiefe Spuren der NS-Vergangenheit.
Denen, die dort protestieren, gehört unsere Dankbarkeit und unsere tatkräftige und langfristige Solidarität.
Mein letzter Stand war, dass nach dieser Verfassung zukünftige Verfassungsänderungen nicht mehr mit einer 2/3-Mehrheit möglich sind. Hierfür bräuchte es dann zwei 2/3-Mehrheiten in zwei direkt aufeinanderfolgenden Legislaturperioden.
Hier ist die Quelle dazu:
http://verfassungsblog.de...
Das ist allerdings etwas älter. Evtl. könnte dies ja jemand (bitte mit Beleg) bestätigen oder dementieren.
aus der verfassung;
Artikel S
(2) Zur Annahme des Grundgesetzes oder für die Änderung des Grundgesetzes ist die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der Abgeordneten der Landesversammlung erforderlich.
Artikel T
(4) Grundlagengesetz ist ein Gesetz, zu dessen Annahme und Änderung die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der anwesenden Abgeordneten der Landesversammlung erforderlich ist.
Artikel XIII
(1) Jeder hat das Recht auf Eigentum und Erbschaft. Das Eigentum ist mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden.
(2) Eigentum kann nur ausnahmsweise und im öffentlichen Interesse, in gesetzlich geregelten Fällen und in gesetzlicher Weise, gegen vollständige, unbedingte und sofortige Entschädigung enteignet werden.
gibt es dazu bedenkliche anmerkungen? muss man sich als in ungarn ansässiger gedanken machen?
aus der verfassung;
Artikel S
(2) Zur Annahme des Grundgesetzes oder für die Änderung des Grundgesetzes ist die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der Abgeordneten der Landesversammlung erforderlich.
Artikel T
(4) Grundlagengesetz ist ein Gesetz, zu dessen Annahme und Änderung die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der anwesenden Abgeordneten der Landesversammlung erforderlich ist.
Artikel XIII
(1) Jeder hat das Recht auf Eigentum und Erbschaft. Das Eigentum ist mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden.
(2) Eigentum kann nur ausnahmsweise und im öffentlichen Interesse, in gesetzlich geregelten Fällen und in gesetzlicher Weise, gegen vollständige, unbedingte und sofortige Entschädigung enteignet werden.
gibt es dazu bedenkliche anmerkungen? muss man sich als in ungarn ansässiger gedanken machen?
Hokan 03.01.2012 um 18:04 Uhr
38. Ein langer Weg
...."Die lange Dauer der Entmündigung durch totalitäre Regime. Aufklärung und demokratischer Mut wollen gelernt und erprobt sein".........
"Denen, die dort protestieren, gehört unsere Dankbarkeit und unsere tatkräftige und langfristige Solidarität".....
Sehr zutreffend beschrieben...........
und dann kommt so ein Machtbesessener Rechtspopulistischer möchte gerne Napoleon
und macht die Demokratische Entwicklung
aus purem Machtgier
mindestens für 10-20 Jahre zur nichte!
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