Die Haushaltslage ist schlecht und die Bedrohungen auf der Welt ändern sich. Die USA verändern daher ihre Militärstrategie von Grund auf. "Wir schlagen nach einem Jahrzehnt der Kriege ein neues Kapitel auf", sagte US-Präsident Barack Obama . Er sieht die militärische Überlegenheit der USA durch die anstehenden Kürzungen im Verteidigungshaushalt jedoch nicht gefährdet. "Unser Militär wird schlanker", sagte Obama bei der Vorstellung einer neuen Verteidigungsstrategie in Washington . Die USA behielten aber ihre militärische Überlegenheit, sagte der US-Präsident. Die Armee sei auch künftig "agil, flexibel und bereit für die ganze Bandbreite von Eventualitäten und Bedrohungen".

Obama sagte, dass der Schwerpunkt bei der Verteidigung in Zukunft auf dem asiatisch-pazifischen Raum liege. "Wir werden unsere Präsenz in Asien und im Pazifik stärken, und Kürzungen werden nicht zu Lasten dieser entscheidenden Region erfolgen", so Obama. Außerdem kündigte er an, die Bodentruppen nach den Kriegen im Irak und in Afghanistan zu verkleinern. Zudem soll das Atomwaffenarsenal verkleinert werden.

Der Fokus soll künftig unter anderem auf dem Einsatz von Spezialkommandos, unbemannten Drohnen und auch auf der Abwehr von Cyber-Angriffen liegen. Eine weitere Priorität ist der Iran . Das US-Militär werde mit seinen Verbündeten im Nahen Osten zusammenarbeiten, um sich der "destabilisierenden Politik" entgegenzustellen, heißt es aus Washington. Dabei geht es etwa um den Schutz von Ölhandelsrouten im Persischen Golf vor einer möglichen iranischen Blockade.

Langjährige Einsätze sind nicht mehr geplant

In der neuen Verteidigungsstrategie, die für das kommende Jahrzehnt die Prioritäten des US-Militärs festlegt, soll es keine langjährigen Einsätze wie im Irak und in Afghanistan mehr geben. "Die US-Streitkräfte werden nicht mehr den Umfang haben, um großangelegte, anhaltende Stabilisierungsoperationen durchzuführen", heißt es in dem achtseitigen Dokument. Das Heer und die Marineinfanteristen sollen verkleinert werden, die Gelder dagegen verstärkt in neue Flugzeuge und Kriegsschiffe fließen.

Außerdem wird die US-Armee nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. Künftig sollten die USA neben einem großen Einsatz lediglich einen weiteren Gegner militärisch abschrecken können. Die US-Präsenz in Europa soll ebenfalls weiter heruntergefahren werden. Mindestens eine Brigade, also 3.500 Soldaten, könnte nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington abgezogen werden.

Der Verteidigungsplan könnte Haushaltsstreit weiter verstärken

Die neue Verteidigungsstrategie könnte den Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern im Wahlkampf weiter anheizen. "Einige werden die Ausgabenkürzungen ohne Zweifel für zu hoch halten, andere werden sie für zu gering halten", sagte Obama im Pentagon. Aber der Abzug der US-Truppen aus dem Irak und die Verringerung der Militärpräsenz in Afghanistan ermögliche es den USA, in der Haushaltspolitik neue Prioritäten zu setzen. "Nach einem Jahrzehnt des Kriegs, an einem Punkt, wo wir die Pfeiler unserer Stärke wieder aufbauen – zu Hause und im Ausland – ist es Zeit, diese Balance wiederherzustellen."

Im Sommer hatten die US-Regierung und der Kongress Einsparungen im Verteidigungshaushalt von 487 Milliarden Dollar über zehn Jahre vereinbart. Verteidigungsminister Leon Panetta wandte sich aber gegen eine mögliche Kürzung von weiteren 500 Milliarden Dollar von Januar 2013 an, wenn der Kongress an entsprechenden Plänen zur Verringerung des Defizits festhält.

Auch die Rüstungsindustrie werde von den Kürzungen nicht verschont bleiben, sagte ein Regierungsmitglied. So sollten bestimmte Rüstungsgüter erst zwei Jahre später angeschafft werden – darunter ein neues U-Boot und ein weiterer Flugzeugträger. Auch der Auftrag für neue Kampfflugzeuge vom Typ F-35 Joint Strike Fighter soll nun aufgeschoben werden. Von den Kürzungen betroffen sind unter anderem die Rüstungskonzerne Boeing , Lockheed Martin und Northrop Grumman .