RepublikanerRomney gewinnt erste US-Vorwahl in Iowa

Mit einem hauchdünnen Vorsprung hat Mitt Romney die Vorwahl der Republikaner in Iowa gewonnen. Acht Stimmen verhalfen ihm zum Sieg gegen Ex-Senator Rick Santorum. von afp, dpa und reuters

Mitt Romney während seiner Wahlparty in Des Moines, Iowa

Mitt Romney während seiner Wahlparty in Des Moines, Iowa  |  © Jewel Samad/AFP/Getty Images

Bei der Vorwahl der US-Republikaner im Bundesstaat Iowa hat sich der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney , mit hauchdünner Mehrheit als Sieger durchgesetzt. Romney habe nur acht Stimmen vor dem Ex-Senator von Pennsylvania , Rick Santorum, gelegen, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf einen Parteisprecher.

Romney und Santorum hatten sich bei der ersten Vorwahl zur Kür eines Präsidentschaftskandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Während der Auszählung der Stimmen lagen beide Politiker lange Zeit mit rund 25 Prozent der Stimmen gleichauf in Führung. Zeitweise hatte Romney 13 Stimmen Vorsprung vor Santorum, mal lag Santorum mit fünf Stimmen vorne, berichtete CNN.

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Auf Platz drei kam der als liberal geltende Kongressabgeordnete Ron Paul mit rund 21 Prozent. Abgeschlagen auf Platz vier lag der frühere Präsident des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich , mit 13 Prozent. Der texanische Gouverneur Rick Perry erhielt gut 10 Prozent. Er kündigte an, seine Kampagne zumindest vorübergehend auszusetzen. "Ich habe entschieden, nach Texas zurückzukehren, um die Ergebnisse der heutigen Wahl einzuordnen und herauszufinden, ob es einen weiteren Weg für mich in diesem Rennen gibt", sagte Perry noch am Abend vor Unterstützern.

Die Kongressabgeordnete Michele Bachmann dagegen, die mit 5 Prozent abgeschlagen auf den sechsten Platz kam, schlug einen optimistischeren Ton an: "Es gibt viele weitere Kapitel, die auf unserem Pfad zur Nominierung geschrieben werden", sagte sie. 

Romney übernimmt Favoritenrolle in Umfragen

Die parteiinternen Vorwahlen in dem kleinen Mittel-West-Staat Iowa sind zwar der Auftakt zum Präsidenten-Wahljahr 2012 – sie haben jedoch eher symbolische Bedeutung. Bereits in der nächsten Woche stehen die nächsten Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire an. Insgesamt wird es noch 49 Wahlgänge geben. Endgültig entscheiden die Republikaner bei ihrem Parteitag im Sommer, wer am 6. November gegen Obama ins Rennen geht.

Romney

Nach letzten Umfragen hat der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney (64), die größten Chancen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Im vergangenen Wahlkampf hatte Romney bereits kandidiert, aber gegen John McCain verloren. Der Geschäftsmann und Millionär ist ökonomisch kompetent und eher liberal eingestellt. Allerdings gilt er in auch unter Republikanern als Wendehals. Davon zeugen seine geänderten Meinungen zum Abtreibungsrecht und der Homo-Ehe oder auch die zuerst geforderte und jetzt kritisierte Verpflichtung zur Krankenversicherung. Konservativen Christen ist Romney suspekt, weil er Mormone ist.

Gingrich

Dem ehemaligen Kongressabgeordneten und Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich (68), werden gute Chancen gegen Romney eingeräumt. In den 1990er Jahren war Gingrich erfolgreicher Gegenspieler der Linken. Die US-Grenze zu Mexiko will der Historiker von Drohnen und Zehntausenden Soldaten überwachen lassen. In Afghanistan sollen die Soldaten länger bleiben und härter vorgehen. Es wird spekuliert, dass Gingrich die Republikaner anspricht, die Romney nicht als rechts genug empfinden. Seine mittlerweile dritte Ehe könnte ihn im Wahlkampf belasten.

Paul

Der libertäre Kongressabgeordnete Ron Paul (76) ist der Älteste der Bewerber. Besonders junge Republikaner sind Anhänger des Frauenarztes aus Texas. Seine Positionen sind der Mitte zu radikal: Er will den Staat auf das Allernötigste reduzieren. Der Wohlfahrtsstaat sowie die US-Notenbank sollen abgeschafft werden und die USA aus den Vereinten Nationen austreten. Alle US-Truppen sollen nach Hause kommen und die Entwicklungshilfe eingefroren werden, um den Staatshaushalt zu entlasten. Viele Sicherheitsmaßnahmen gegen den Terrorismus lehnt er ebenfalls ab. Der Staat soll die Freiheiten der Bürger nicht beschränken.

Santorum

Der ehemalige Senator Rick Santorum (53) aus Pennsylvania bringt sich als christlicher Streiter gegen die Homo-Ehe und Abtreibungen ein. Santorum hat nach seiner gescheiterten Wiederwahl 2006 unter anderem als Kommentator für den konservativen Sender Fox News gearbeitet. Er hat anfangs nicht viele Chancen zugesprochen bekommen, zuletzt aber in den Umfragen an Zustimmung gewonnen. Nun wirbt er in Konkurrenz mit Bachmann um die Gunst der Tea-Party-Bewegung.

Umfragen sehen Romney landesweit als aussichtsreichsten Kandidaten. Da er viele Jahre als Manager in der Finanzwirtschaft gearbeitet hat, gilt er vor allem in Wirtschaftsfragen als kompetent. Die Themen Wirtschaft und Arbeitslosigkeit dürften die wichtigsten Themen im bevorstehenden Wahlkampf sein. 

Paul gilt in landesweiten Umfragen dagegen als Außenseiter. Er vertritt die Ansicht, die Macht des Staates solle so weit wie möglich beschnitten werden. Er tritt unter anderem für die Abschaffung der US-Notenbank ein. Santorum wiederum hat sich als äußerst konservativer Politiker profiliert: Er will etwa, dass Abtreibungen auch bei Vergewaltigungen und Inzest verboten werden.

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Leserkommentare
    • fhdd
    • 04. Januar 2012 9:44 Uhr

    und erst recht bei Sympathien/Apathien große bis sehr große Kompromisse eingehen muss, weiss heutzutage jeder. Die Frage ist doch eher wie weit können diese gehen, ohne dass man seine Wertvorstellungen über den Haufen werfen muss.
    Bei allen Kandidaten-Kandidaten der Republikaner sehe ich keinen, mit dem mit ein solcher leicht optimistischer Kompromiss gelingen würde. Bei dieser Sammlung von libertär bis fundamental-evangelikal wirklich nicht. Bush jun. ist gerade mal vier Jahre aus dem Amt.
    Auch wenn Obama vor seiner Wahl Hoffnungen auf ein Amereika geweckt hat, dass es in der gegenwärtigen Konstellation nicht geben wird: bei ihm kann ich die oben geschilderte Kompromisslinie (noch) erkennen und drücke ihm jetzt schon alle Daumen gegen dieses Sammelsuirium an Kandidaten, das sich zum großen Teil nur der völlig überschätzten Tea Party anbiedert.

    • fhdd
    • 04. Januar 2012 9:44 Uhr

    Entfernt da Doppelposting. Die Redaktion/mak

  1. Entfernt. Bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsstil. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Unverstaendnis zur USA"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...Ritterschlag als Satiriker.

    • Uh-Oh
    • 04. Januar 2012 9:50 Uhr

    Für Leute, die Ihre Meinung nur durch Diffamierung anderer Meinungen kund tun können, muss man sich wirklich fremdschämen!!! Das ist UNDEMOKRATISCH und UNNÖTIG!!!

    Nun zu Ron Paul:

    Für den "Außenseiter" ist eine 2-stellige Positionierung ein mächtiger Erfolg. Die 3-4 % zu den "Establishment-Kandidaten" sind auch nur ein Katzensprung.

    Antwort auf "na immerhin"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    vor kurzem klang das aber noch ganz anders - da sollte Ron Paul noch haushoch gewinnen, trotz einer weltumspannenden Verschwörung, die ihn totschweigen wollte... jaja
    - logisch das man den 3. Platz nun bejubelt, was anderes bleibt ja auch nicht mehr übrig, wenn man es nicht gleich auch noch auf die Wahlmaschinen schieben will...

  2. Haben Romney, Paul und Sanatorum nicht jeweils 7 gebundene (tied?) Stimmen bekommen?

    Die anderen Stimmen sind doch bis zum Parteitag nicht gebunden (unpledged?)?
    ==>http://edition.cnn.com/election/2012/primaries/state/ia

    oder habe ich da was missverstanden?

    Grüße

  3. Iowa may be a hillbilly state but ...

    Dass mit Perry und Bachmann zwei Klimaskeptiker nun womöglich vor dem Aus stehen, stimmt ein wenig zuversichtlich. Auch wenn mit Santorum und Paul immer noch zwei davon - http://www.skepticalscien... - recht gut im Rennen liegen. Dass Pauls radikaler Libertarismus - http://www.nytimes.com/20... - im agrarischen Mittelwesten verfängt, darf nicht verwundern, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Die Frage wird sein, ob sich die Kräfte von Anhängern radikaler Kandidaten bündeln werden, wenn sich die Reihen lichten werden. Angesichts der, freundlich formuliert, diversifizierten Öffentlichkeit - http://joemohrtoons.com/2... - und vergangener Schmutzkampagnen kann noch viel passieren.

    P.S.: Wer auf dem Laufenden bleiben will, findet hier die aktuellen Umfragen: http://www.realclearpolit...

  4. Homo-Ehe und Abtreibung liest man ständig als Themen bei den Kandidaten. Sind das denn wirklich die größten und dringendsten Probleme der USA?
    Sind denn die Bürger da "drüben" wirklich so beschränkt das die Kandidaten solche Argumente vorlegen müssen um die Wahlen zu gewinnen? Mich als Bürger würde mehr Interessieren, was hast du mit dem Finanzwesen besser Banken vor? Wie sieht es mit dem Gesundheitssystem aus? Welche veränderungen/verbesserungen wirst du hier vornehmen?
    In Amerika kommen mir die Wahlen vor wie bei den Marktschreiern, der wo das bessere Angebot hat zu dem gehen die Leute egal ob es Schrott ist das er verkauft, Hauptsache viel für wenig Geld.

    • eikfir3
    • 04. Januar 2012 10:17 Uhr

    ...der altehrwürdige Iowa-Mythos bezüglich Vorwahlbedeutung beruht doch nicht auf popeligen 8 Stimmen Vorsprung - das güldet nich!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte CNN | Mitt Romney | Abtreibung | Michele Bachmann | Newt Gingrich | Präsidentschaftskandidat
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