Pausenlos schrillen Telefone, Mitarbeiter laufen nervös hin und her, und die ewig lächelnde Empfangsdame sagt mit spitzer Zunge: "Nein, der Chef ist nicht da. Und jetzt ist auch nicht der Moment für Fragen!"

Hinter ihr werden politische Landkarten von Florida gewälzt, Computer drucken am laufenden Band Daten über Wählergruppen aus. Um keinen Preis soll sich in Florida nächste Woche die Katastrophe von South Carolina wiederholen.

Es herrscht Krisenstimmung im 9. Stock des gläsernen Büroturms, nur wenige Straßen vom Weißen Haus entfernt. Die krachende Niederlage des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney gegen seinen schärfsten Konkurrenten Newt Gingrich in South Carolina war auch eine Niederlage für Restore Our Future , eines dieser berüchtigten politischen Aktionskomitees, kurz SuperPACs genannt.

Gerichtsurteil stärkt Einfluss von SuperPACs

Wie konnte das nur geschehen? Romney war haushoher Favorit, und die Kriegskasse von Restore Our Future ist prall gefüllt, dem Obersten Gericht Amerikas sei Dank. Seit Januar 2010 dürfen SuperPACs Wahlkampfspenden von Unternehmen und Gewerkschaften, aber ebenso von Einzelpersonen in unbegrenzter Höhe eintreiben und damit nach Belieben für oder gegen einen Politiker werben. Jedenfalls solange sie nicht direkt mit einem Kandidaten oder dessen Kampagne zusammenarbeiten.

Drei Millionen Dollar warf Restore Our Future in die Vorwahl von Iowa , um Gingrich , den ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, als unstet, charakterlos und zwielichtig zu charakterisieren. In nur einer Woche halbierte sich seine Zustimmungsrate.

Doch dann kam auch Newt Gingrich zu Geld. Dem ihm nahestehenden SuperPAC Winning Our Future flatterte ein Scheck über fünf Millionen Dollar ins Haus, ausgestellt vom Glücksspielmagnaten Sheldon Adelson aus Las Vegas . Es ist die bislang größte Einzelspende.

Millionen für Vernichtungsschlachten

In South Carolina holte Gingrichs SuperPAC zum Gegenschlag aus und verunglimpfte den Unternehmer und Ex-Gouverneur Romney als profitgierigen Jobvernichter und politischen Wendehals ohne konservative Überzeugungen.

In Iowa, sagt der renommierte Politikwissenschaftler Dennis Goldford, habe Restore Our Future Gingrich "platt gemacht". In South Carolina nahm Winning Our Future Rache . Fernsehmann Chris Matthews nannte diese Vernichtungsschlachten der SuperPACs einen "Feuersturm wie 1945 in Dresden".

Doch was man bislang erleben konnte, ist nichts im Vergleich zum SuperPAC-Kampf, der seit Sonntag in Florida tobt. Und auch der ist nur ein mattes Vorspiel zum Herbstszenario, zum Duell zwischen Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer.

Soeben hat das Glücksspieler-Ehepaar Adelson noch einmal ins Portemonnaie gegriffen und Gingrichs Winning Our Future einen weiteren Scheck über fünf Millionen Dollar geschrieben. Romneys Restore Our Future hat in Florida bereits vier Millionen Dollar für Werbung ausgegeben. Und auch Obama nahestehende SuperPACs mischen bereits mit, um mal hier, mal da gegen einen der möglichen Widersacher im Herbst zu sticheln.

Experten gehen davon aus, dass die SuperPACs der Demokraten und Republikaner ab Sommer jeweils etwa eine Milliarde Dollar auf der hohen Kante liegen haben werden. Nicht nur um ihren Präsidentschaftskandidaten zum Sieg zu verhelfen, sondern auch um die mindestens ebenso wichtigen Kongresswahlen zu beeinflussen.

Seitdem das Oberste Gericht sein Urteil gesprochen hat, schießen SuperPACs wie Pilze aus dem Boden. Experten schätzen, dass rund 265 von ihnen sich auf die eine oder andere Weise im Wahlkampf engagieren werden.