Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (Archiv) © Sean Gallup/Getty Images

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister ( CDU ) dringt in der Kreditaffäre um seinen Amtsvorgänger Christian Wulff auf eine sorgfältige Aufklärung aller Vorwürfe. Darauf lege McAllister höchsten Wert, sagte Regierungssprecher Franz Rainer Enste. Auch die Grünen im niedersächsischen Landtag fordern in einer Anfrage mit 100 Fragen an die Landesregierung eine umfassende Aufklärung. Es gehe dabei nicht nur um die Glaubwürdigkeit des früheren Ministerpräsidenten Wulff, sondern auch um die Souveränität von McAllister, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

"Wir fordern, dass möglichst umfassend und möglichst schnell schon im nächsten Plenum im Landtag unsere Fragen beantwortet werden", sagte Wenzel. Im Mittelpunkt der Anfrage steht der 500.000-Euro-Kredit , den die Unternehmergattin Edith Geerkens Wulff zur Hausfinanzierung gegeben hatte sowie seine Verbindungen zur Wirtschaft generell. "Hier tun sich Abgründe auf, die ich nicht für möglich gehalten hätte", sagte der Grünen-Politiker. Es sei vor allem zu klären, ob es in irgendeiner Form Gegenleistungen gegeben habe.

Der Rechtsausschuss des Landtags will sich am kommenden Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung mit Wulffs Verhältnis zu befreundeten Unternehmern beschäftigen. Der Fragenkatalog werde fristgerecht beantwortet, sagte der Regierungssprecher. Die Landesregierung hat dazu maximal vier Wochen Zeit.

Anleger fordern Schadenersatz von Wulff

Die Linke will im Landtag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen, um die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft aufzuklären. Bisher zeichnet sich für die Forderung aber noch keine Mehrheit im niedersächsischen Parlament ab.

Gegen Bundespräsident Christian Wulff soll es mittlerweile auch Vorwürfe wegen seiner früheren Tätigkeit als VW-Aufsichtsrat geben. VW-Investoren halten Wulff nach einem Bericht der Wirtschaftswoche vor, während der Übernahmeschlacht von Porsche und Volkswagen Pflichten verletzt zu haben. So habe er als niedersächsischer Ministerpräsident und Mitglied im VW-Kontrollgremium nicht verhindert, dass Anleger getäuscht worden seien. Die Investoren fordern dem Bericht zufolge knapp 1,8 Milliarden Schadensersatz.

Insgesamt 67 Anleger, darunter Banken und Versicherungen, hätten einen Antrag auf Einleitung eines außergerichtlichen Güteverfahrens bei der staatlich anerkannten Gütestelle CenaCom in Karlsruhe gestellt. Laut Wirtschaftswoche heißt es in dem Antrag, Wulff habe "schweigend und untätig zugesehen, wie Porsche Nutznießer der Kapriolen (an der Börse) wurde und 5,4 Milliarden Euro Beute machte".