Steuerungsmodul einer bewaffneten US-Drohne (Air Force Base in Indian Springs, Nevada) © Ethan Miller/Getty Images

ZEIT ONLINE: Google-Chef Eric Schmidt sagte kürzlich in einem CNN-Interview über Attacken in digitalen Netzen: "Die Iraner sind im Bereich der Cyberwarfare unglaublich talentiert, die Gründe dafür haben wir jedoch nicht verstanden." Stimmen Sie dem zu?

Sandro Gaycken: Offiziell ist hier relativ wenig über den Iran bekannt. Wie alle Länder hat Teheran Interesse an der Ausbildung solcher Fähigkeiten, im Juni 2011 wurde das auch offiziell verkündet. Das Land hätte wohl den notwendigen Grundstock an Ingenieuren und Programmierern. Aber wie weit diese Pläne sind, darüber ist öffentlich nichts bekannt. Mir sind aus dem Iran auch keine hoch qualifizierten Einbrüche in Computersysteme bekannt. Man muss bei Äußerungen von IT-Firmen daher sehr vorsichtig sein.

ZEIT ONLINE: Warum?

Gaycken: IT-Firmen verfolgen immer ihre eigene Agenda. Im gesamten Feld der Cybersecurity wird von dieser Seite vorrangig gelogen und betrogen, um Geschäftsmodelle zu befördern oder sie zu erhalten.

ZEIT ONLINE: Gibt es zur Zeit einen Cyber-Krieg zwischen dem Iran auf der einen und Israel und den USA auf der anderen Seite?

Gaycken: Im rechtlichen Sinne nicht. Dazu müssten erst größere Schäden entstehen. Im Moment erleben wir den üblichen Schlagabtausch zwischen den Nachrichtendiensten der Länder, die sich eben verstärkt der verfügbaren militärischen und zivilen Kapazitäten bedienen, um in gegnerische Systeme einzudringen.

Das ist eine normale Entwicklung. Sie korrespondiert mit der erhöhten Abhängigkeit der Länder von der Informationstechnik, das macht sie auf diesem Sektor verwundbar und angreifbar. Und zwar recht risikofrei und günstig für die Angreifer. Solche Phänomene militärischen Hackings werden wir in Zukunft in allen anderen Konflikten dieser Art beobachten.

ZEIT ONLINE: War der Absturz einer unbemannten US-Drohne über dem Iran auf einen Hackerangriff zurückzuführen?

Gaycken: Das wissen wir nicht, es ist aber möglich. Die US-Drohnen sind dafür bekannt, dass sie nicht vorrangig mit einbruchssicherer, sondern mit günstiger Technik ausgestattet sind. Zumindest hört man immer wieder Geschichten von Softwareproblemen, die das nahelegen. Im letzten Jahr etwa wurde Drohnen schon mal mit ganz normalen Computerwürmern verseucht. Das bedeutet, dass da eine mit Standardkomponenten angreifbare Technik eingebaut ist.

ZEIT ONLINE: Kann ein Cyberwar einen konventionellen Krieg ersetzen?

Gaycken: Nein, es braucht zum Krieg immer noch boots on the ground – Infanterie am Boden, wie die Amerikaner sagen. Man kann allerdings mit Cyber-Attacken interessante andere Strategien verfolgen. Im Krieg kann Cyberwar elektronische und informatische Systeme ausspionieren und manipulieren , in Friedenszeiten kann man damit etwa seine Wirtschaft durch Industriespionage oder Finanzmarktmanipulation stärken und Propaganda über soziale Netzwerke verbreiten. Auf diesem Wege lassen sich geostrategische Ziele realisieren. Das wäre dann eine andere Variante des Krieges. Außerdem kann man natürlich Macht demonstrieren.

ZEIT ONLINE: Welche Staaten kann man als Cyberwar -Großmächte bezeichnen?