Fußball-Krawalle Blockaden und Proteste in Ägypten
Proteste in Port Said, Straßenblockaden in Kairo, eine Großkundgebung am Tahrir-Platz: Die Wut vieler Ägypter nach den tödlichen Fußball-Krawallen ist groß.
Schon lange ist der Militärrat das Feindbild vieler Ägypter. Jetzt aber, nach den tödlichen Fußball-Krawallen in Port Said, schlägt den Machthabern der Zorn mehr denn je entgegen. Aktivisten riefen zu einer Großdemonstration auf, die am Nachmittag auf dem Tahrir-Platz begann. Schon in der Nacht hatte sich eine Menschenmenge am Bahnhof versammelt, um die Verletzten zu empfangen, die vom Spiel zurückkehrten.
"Nieder mit der Militärherrschaft", skandierten dort Tausende aufgebrachte Ägypter. "Wir werden für ihre Rechte kämpfen oder wie sie sterben", riefen die Menschen am Bahnhof, als die Leichen von Fans aus den Zügen ausgeladen wurden. Später blockierten junge Ägypter Straßen in der Nähe eines Bürogebäudes des Staatsfernsehens und des Tahrir-Platzes.
Bei den Zusammenstößen in Port Said nach einem Spiel zwischen den rivalisierenden Clubs Al-Masri und der Gastmannschaft Al-Ahli aus Kairo war es am Mittwochabend zu Gewaltexzessen gekommen. Mehr als 70 Menschen starben, rund 1.000 wurden verletzt. Die Militärrat ordnete nach den Ausschreitungen eine dreitägige Staatstrauer an und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
In Port Said selbst kochte die Stimmung bereits kurz nach den Krawallen hoch: Auch dort richteten sich spontane Proteste gegen die Übergangsregierung und die Sicherheitskräfte, denen Augenzeugen vorwerfen, zu wenig gegen die Gewalt getan zu haben. Hunderte seien auf den Straßen unterwegs, berichtet der ägyptische Geschäftsmann Mohamed el-Metwally. Er lebt in Berlin, besucht aber derzeit seine Familie in Port Said. Die Demonstranten hätten gerufen: "Das waren nicht die Anhänger von Port Said", erzählt er.
El-Metwally sagt, die Bewohner der Stadt seien schockiert. "Wir denken alle, dass das vom alten Mubarak-System kommt." Früher sei es unmöglich gewesen, auch nur eine Flasche Wasser ins Stadion mitzubringen. Nun habe er von Kollegen gehört, dass viele Angreifer Waffen gehabt hätten. Er könne sich die Ereignisse nicht anders erklären, als dass Anhänger des alten Regimes dahinter stecken, sagt el-Metwally.
Am Mittag sammelten sich Demonstranten vor der Polizeistation in Port Said, berichtet der Ägypter. Ein Staatsanwalt aus Kairo solle dort die Ausschreitungen im Fußballstadion untersuchen. Zudem würden in der Polizeiwache Dutzende Menschen festgehalten, die während des Unglücks festgenommen worden waren.
Proteste gewinnen durch Jahrestag besondere Bedeutung
Die für Nachmittag erwarteten Proteste in Kairo gewinnen durch die Rolle fanatischer Al-Ahli-Fans – der sogenannten Ultras - während der Revolte auf dem Tahrir-Platz vor genau einem Jahr besondere Bedeutung. Am 2. Februar 2011 hatten sie die Demonstranten auf dem Platz gegen Schläger des Mubarak-Regimes verteidigt, die den Platz auf Kamelen stürmten.
Wütende Oppositionspolitiker prangerten am Donnerstag den Mangel an Sicherheitsvorkehrungen im Stadion von Port Said an. Die Militärregierung habe die Kämpfe zugelassen oder sogar provoziert, hieß es. "Der Militärrat will zeigen, dass das Land in Chaos und Zerstörung stürzt", sagte der 30-jährige Mahmud El-Naggar, Mitglied der Koalition der Revolutionären Jugend in Port Said. "Es sind die Leute von Mubarak."
Die gemäßigt islamistische Muslimbruderschaft, die das neu gewählte ägyptische Parlament dominiert, sprach von einer unsichtbaren Kraft hinter den Krawallen. "Wir befürchten, dass einige Offiziere das Volk für ihre Revolution bestrafen wollen", erklärte die Gruppierung. Viele Ägypter zeigten sich überzeugt, die Gewalt sei inszeniert worden, um sich an den Ultras zu rächen.
Parlamentspräsident Saad al-Katatni, ebenfalls ein Muslimbruder, sagte, die ägyptische Revolution sei "in großer Gefahr". Das "Massaker von Port Said" sei Folge einer "unglaublichen Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte". Abgeordnete forderten die Entlassung der Regierung und erklärten, der Oberste Militärrat trage "die gesamte Verantwortung" für die Gewalt.
Als Konsequenz aus den Krawallen in Port Said trat der Gouverneur der Stadt zurück, wie Regierungschef Kamal al-Gansuri bei einer Sondersitzung des Parlaments mitteilte. Zudem seien der Sicherheitschef der Stadt, Essam Samak, entlassen und seine führenden Mitarbeiter suspendiert worden. Auch die gesamte Führung des Nationalen Fußballverbands sei entlassen worden, sagte al-Gansuri.
- Datum 02.02.2012 - 17:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







im Hamburger Abendblatt stand die Aussage eines ehemaligen deutschen Trainers, der berichtete, dass Ausschreitungen bei diesen Spielen normal sind, dass Steine geworfen werden usw.
Ganz so harmlos, strenge Kontrollen u.a. gab es wohl nie.
Spekulationen wem dies politisch, nützt sind Spekulationen, es kann auch inszeniert worden sein , um den Militärrat zu diskreditieren. Wir wissen es nicht.
... und ich flieg in 2 Wochen auch noch da hin -.-
Es ist doch alles auf Video aufgezeichnet. Wenn am es nöchte kann man die Leute auch finden.
http://www.youtube.com/wa...
Egypt: "Tahrir and Beyond" - a discussion with Nehad Abolkomsan, Khaled Al-Khamissi and Georg Stillfried. Moderator: Christoph Prantner, Der Standard
http://www.youtube.com/wa...
Die islamischen Länder sind auf Grund der sozial- und kulturell-evolutionären Rahmenbedingungen noch nicht reif für die Demokratie. Es wäre besser, der Westen würde dem Demokratie-Experiment in Ägypten rasch ein Ende setzen und Herrn Mubarak wieder ins Amt des Staats- und Regierungschefs wieder einsetzen. Mubarak stand und steht immer noch für Kontinuität und Zuverlässigkeit. Was jetzt in Ägypten herrscht, ist Barbarei und hat nichts mit Demokratie zu tun.
und fordert die Fortsetzung der Diktatur - auf Kosten der Millionen, die diese nicht mehr wollen und dafür ihr Leben riskiert oder sogar verloren haben. So ein Unsinn.
... was auch immer das sein mag ... (USA, Deutschland, die EU etc.?) hat anderen Ländern und deren Gesellschaften, die für einen demokratischen Wandel kämpfen, nichts, aber auch gar nichts vorzuschreiben oder darauf hinzuwirken, was in einen Rückfall von Diktatur und autoritären Strukturen münden würde. Dieser sogenannte Westen verkörpert nicht die Herrschaft der Welt, nicht mal auf moralischer Ebene. Dieser Westen hat also nicht die geringste Legitimation, auf die von Ihnen beschriebene Weise zu wirken und Diktatoren wieder ins Amt zu setzen, gegen den Willen der Bevölkerung.
Zudem verdrehen Sie möglicherweise was: es gibt ernsthafte Mutmaßungen, dass dieser Terror von einflussreichen Leuten, die für das Regime Mubaraks stehen, ausgegangen ist.
Gerade in Ägypten wurde der revolutionäre Aufbruch von einem großen Maß an Friedfertigkeit seitens der mutigen Demonstranten getragen. Sie verdrehen da also offensichtlich vieles und erklärungsbedürftig bleibt auch was Sie mit "sozial- und kultur-evolutionär" meinen - vielleicht eine verdeckte Rassenideologie?
(Sorry an die Redaktion für diesen letzten Nachsatz, aber ich möchte es in aller Schärfe wissen!)
und fordert die Fortsetzung der Diktatur - auf Kosten der Millionen, die diese nicht mehr wollen und dafür ihr Leben riskiert oder sogar verloren haben. So ein Unsinn.
... was auch immer das sein mag ... (USA, Deutschland, die EU etc.?) hat anderen Ländern und deren Gesellschaften, die für einen demokratischen Wandel kämpfen, nichts, aber auch gar nichts vorzuschreiben oder darauf hinzuwirken, was in einen Rückfall von Diktatur und autoritären Strukturen münden würde. Dieser sogenannte Westen verkörpert nicht die Herrschaft der Welt, nicht mal auf moralischer Ebene. Dieser Westen hat also nicht die geringste Legitimation, auf die von Ihnen beschriebene Weise zu wirken und Diktatoren wieder ins Amt zu setzen, gegen den Willen der Bevölkerung.
Zudem verdrehen Sie möglicherweise was: es gibt ernsthafte Mutmaßungen, dass dieser Terror von einflussreichen Leuten, die für das Regime Mubaraks stehen, ausgegangen ist.
Gerade in Ägypten wurde der revolutionäre Aufbruch von einem großen Maß an Friedfertigkeit seitens der mutigen Demonstranten getragen. Sie verdrehen da also offensichtlich vieles und erklärungsbedürftig bleibt auch was Sie mit "sozial- und kultur-evolutionär" meinen - vielleicht eine verdeckte Rassenideologie?
(Sorry an die Redaktion für diesen letzten Nachsatz, aber ich möchte es in aller Schärfe wissen!)
und fordert die Fortsetzung der Diktatur - auf Kosten der Millionen, die diese nicht mehr wollen und dafür ihr Leben riskiert oder sogar verloren haben. So ein Unsinn.
... was auch immer das sein mag ... (USA, Deutschland, die EU etc.?) hat anderen Ländern und deren Gesellschaften, die für einen demokratischen Wandel kämpfen, nichts, aber auch gar nichts vorzuschreiben oder darauf hinzuwirken, was in einen Rückfall von Diktatur und autoritären Strukturen münden würde. Dieser sogenannte Westen verkörpert nicht die Herrschaft der Welt, nicht mal auf moralischer Ebene. Dieser Westen hat also nicht die geringste Legitimation, auf die von Ihnen beschriebene Weise zu wirken und Diktatoren wieder ins Amt zu setzen, gegen den Willen der Bevölkerung.
Zudem verdrehen Sie möglicherweise was: es gibt ernsthafte Mutmaßungen, dass dieser Terror von einflussreichen Leuten, die für das Regime Mubaraks stehen, ausgegangen ist.
Gerade in Ägypten wurde der revolutionäre Aufbruch von einem großen Maß an Friedfertigkeit seitens der mutigen Demonstranten getragen. Sie verdrehen da also offensichtlich vieles und erklärungsbedürftig bleibt auch was Sie mit "sozial- und kultur-evolutionär" meinen - vielleicht eine verdeckte Rassenideologie?
(Sorry an die Redaktion für diesen letzten Nachsatz, aber ich möchte es in aller Schärfe wissen!)
Ich war selbst einmal im Stadion von Kairo bei einem Spiel von Al-Ahly. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Sicherheitskontrollen sehr streng waren und in aller Regel auch sind.
Wer ein wenig hinter die Fassade schaut, oder einfach mit Bildmaterial versorgt wird, der erkennt schnell, dass dort irgendwas vorgegangen ist, was sich so einfach nicht erklären lässt, vor allem nicht nach solch einer kurzen Zeit. Auf vielen Bildern ist zu sehen, wie die Polizei untätig auf dem Spielfeld steht und die "Täter" walten lässt. Normalerweise wurde bei der kleinsten Ausschreitung rigoros gegen die Beteiligten vorgegangen. Außerdem war die Polizei in keinem Fall unterlegen, waren doch mehrere hundert Polizisten, wohlgemerkt schwer gepanzert und bewaffnet, vor Ort.
Ich kann leider nicht mehr davon überzeugt sein, dass sich die Lage in Ägypten in Zukunft beruhigt, trotz allem hoffe ich das beste.
Inshalla ya masr
Fußball in Ägypten ist hoch politisiert, da die Fußballarenen die einzigen Orte des Landes, außer Moscheen sind, an denen sich größere Menschenmassen versammeln können. Natürlich wird dies angesichts der herrschenden Zustände in Ägypten für politischen und sozialen Protest genutzt sowie für dessen Organisation. Die Kontrolle über die Stadien ist also von essentieller Bedeutung für das Regime. Zufälliges Zügel lassen wie angeblich in Port Said ist also nur schwer, wenn nicht unvorstellbar.
Lesen sie hier unbedingt den höchst informativen Hintergrundbericht der Le Monde diplomatique:
http://www.monde-diplomat...
Daneben spielt die Arena auch eine Rolle als Bühne für Gewaltakte und Intoleranz. Schauen sie sich dieses erschütternde Video an:
http://www.memritv.org/cl...
Fußball in Ägypten ist hoch politisiert, da die Fußballarenen die einzigen Orte des Landes, außer Moscheen sind, an denen sich größere Menschenmassen versammeln können. Natürlich wird dies angesichts der herrschenden Zustände in Ägypten für politischen und sozialen Protest genutzt sowie für dessen Organisation. Die Kontrolle über die Stadien ist also von essentieller Bedeutung für das Regime. Zufälliges Zügel lassen wie angeblich in Port Said ist also nur schwer, wenn nicht unvorstellbar.
Lesen sie hier unbedingt den höchst informativen Hintergrundbericht der Le Monde diplomatique:
http://www.monde-diplomat...
Daneben spielt die Arena auch eine Rolle als Bühne für Gewaltakte und Intoleranz. Schauen sie sich dieses erschütternde Video an:
http://www.memritv.org/cl...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren