In Ägypten ist die Zahl der Todesopfer bei den jüngsten Krawallen auf zwölf gestiegen. Wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete, starben in den vergangenen Tagen sieben bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Nähe des Kairoer Innenministeriums. Fünf weitere seien in der Hafenstadt Suez ums Leben gekommen.

Seit Donnerstagabend gibt es in dem nordafrikanischen Land Proteste gegen den herrschenden Militärrat. Die Proteste begannen, nachdem am Mittwoch während eines Erstligaspiels in der Stadt Port Said durch Ausschreitungen 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben , als Spieler und Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahli attackiert wurden. Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs verantwortlich.

Demonstranten wollen schnell wählen

Ruhe kehrte in Kairo nicht ein. Am Vormittag gab es in der Nähe des Innenministeriums in Kairo erneut Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden mehrere Autos beschädigt, einige Läden mit Brandbomben attackiert. Abgesehen von den Brennpunkten war das Zentrum der Millionenstadt weitgehend menschenleer. Viele Bewohner blieben aus Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen zu Hause.

Inzwischen erhöht sich der Druck auf den regierenden Militärrat, die Macht abzugeben. Die Protestbewegung fordert angesichts der fortwährenden Gewalt, dass die Generäle abtreten und ein neuer Staatschef gewählt wird. Vorgesehen ist eigentlich, dass zunächst eine neue Verfassung entworfen und dann im Juni ein neuer Präsident gewählt wird. Bis dahin will die Protestbewegung aber nicht warten. Die Zeitung Al-Tahrir titelte: "Das Land will einen Präsidenten."

Türkei gegen Hinrichtung Mubaraks

Noch vor einer Woche, am 25. Januar, hatten die Ägypter den ersten Jahrestag des Beginns der Massenproteste gefeiert . Diese hatten am 11. Februar 2011 schließlich zum Sturz von Machthaber Hosni Mubarak geführt. Dieser muss sich derzeit vor einem Gericht wegen tödlicher Schüsse auf Demonstranten und wegen Korruption verantworten. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe .

Nun hat sich die Türkei zu dieser Forderung geäußert. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hat sich strikt gegen eine Hinrichtung ausgesprochen. Zwar gebe es im Nahen Osten keinen Platz mehr für Regime wie in Ägypten, Syrien oder Libyen , sagte er der Zeitung Hürriyet Daily News . Doch sei die Türkei bei der juristischen Aufarbeitung gegen die Todesstrafe.

"Neben den humanitären Gründen ist dies auch eine Frage der Prinzipien", sagte Davutoğlu weiter. Sein Land habe die Todesstrafe abgeschafft. "Eine Hinrichtung Mubaraks hielte ich aber auch für falsch mit Blick auf den sozialen Frieden in Ägypten", sagte er. Mit einem Urteil der ersten Instanz wird noch für Februar gerechnet.