Koran-VerbrennungTaliban rufen zur Tötung ausländischer Soldaten auf

Ein afghanischer Soldat hat wegen der Koran-Verbrennung zwei Nato-Soldaten erschossen. Die Taliban riefen die Afghanen auf, dem Westen "eine Lehrstunde" zu erteilen. von afp, dpa und reuters

Bei Protesten in Kabul kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und afghanischen Sicherheitskräften.

Bei Protesten in Kabul kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und afghanischen Sicherheitskräften.  |  © Shah Marai/AFP/Getty Images

Aus Protest gegen die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten in Afghanistan hat ein afghanischer Soldat zwei Nato-Soldaten erschossen. Der Mann habe auf einem US-Stützpunkt in der östlichen Provinz Nangarhar das Feuer auf die Soldaten eröffnet und zwei von ihnen getötet, teilte die Nato-geführte Afghanistan-Truppe Isaf mit. Vor dem Stützpunkt hatten sich Demonstranten versammelt, um gegen die Verbrennung des Koran durch US-Soldaten auf dem Nato-Stützpunkt Bagram zu protestieren.

Ein Demonstrant sagte der Nachrichtenagentur Afghan Islamic Press, afghanische Truppen hätten zunächst einen ausländischen Militärstützpunkt in der östlichen Provinz Nangarhar verteidigt. Dann hätten sie sich jedoch "den Demonstranten angeschlossen und das Feuer auf ausländische Soldaten eröffnet".

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Die Taliban riefen die Afghanen dazu auf, zur Vergeltung ausländische Stützpunkte anzugreifen und Menschen aus dem Westen zu töten. Die Afghanen sollten ihnen eine "Lehrstunde erteilen", damit sie nie wieder den Heiligen Koran beleidigen würden, sagte ein Taliban-Sprecher nach Angaben der britischen BBC .

Mindestens sieben Tote bei Protesten

In Afghanistan wird seit drei Tagen gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram demonstriert. Anlass war, dass dort afghanische Arbeiter am Dienstag beim Durchwühlen einer Müllhalde verkohlte Exemplare des Koran gefunden hatten. Bei den Protesten wurden mehrere Menschen getötet. Am Donnerstag sollen nach Angaben des Nachrichtensenders Al Jazeera bei Unruhen bisher mindestens sieben Afghanen ums Leben gekommen sein.

US-Präsident Barack Obama entschuldigte sich nach Angaben der afghanischen Regierung in einem Schreiben an Präsident Hamid Karsai inzwischen für die unbedachte Verbrennung. Obama habe betont, dass die Verbrennung nicht vorsätzlich geschehen sei. "Ich übermittele Ihnen und dem afghanischen Volk meine aufrichtige Entschuldigung", hieß es nach Angaben des Palastes in dem Brief. "Der Fehler war unbeabsichtigt. Ich versichere Ihnen, dass wir geeignete Schritte unternehmen, um jede Wiederholung zu vermeiden."

Als Konsequenz aus dem Vorfall hat die Isaf bereits alle Soldaten zu einer Schulung verpflichtet. Bis Anfang März sollen sie lernen, mit Gegenständen aus religiösen Kontexten, wie etwa dem Koran, angemessen umzugehen. Muslimen gilt jegliche Schändung des Korans als Todsünde.

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Leserkommentare
  1. die noch nicht einmal ein Muslimisches Land betreten
    haben,aber so viel über Religion,Kultur und Menschlichkeit
    wissen und einfach mit ein bisschen SPIEGEL,STERN UND BILD wissen auf die Tastatur tippen ohne in den Spiegel zu schauen,genau die kann mann hier nämlich einzeln rauspicken!

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    • kyon
    • 24. Februar 2012 0:19 Uhr

    Das Wichtigste über eine Religion weiß ich dann, wenn ich meines Lebens nicht mehr sicher bin, wenn ich sie kritisiere, egal wo ich mich aufhalte auf der Welt.
    Das sagt auch viel über die Kultur eines Landes aus, die sich auf eine solche Religion stützt.
    Menschlichkeit geht bei Angst vor religiöser Sanktion verloren.

    • kyon
    • 24. Februar 2012 0:19 Uhr

    Das Wichtigste über eine Religion weiß ich dann, wenn ich meines Lebens nicht mehr sicher bin, wenn ich sie kritisiere, egal wo ich mich aufhalte auf der Welt.
    Das sagt auch viel über die Kultur eines Landes aus, die sich auf eine solche Religion stützt.
    Menschlichkeit geht bei Angst vor religiöser Sanktion verloren.

    4 Leserempfehlungen
    • Herr HE
    • 24. Februar 2012 0:21 Uhr

    ich bin doch als gläubiger mensch nicht unbedingt bescheuert, es geht doch eher darum, welche konsequenzen ich persönlich aus meinem glauben ziehe, ob ich den fehler mache alles wörtlich zu nehmen oder aber es mir eher um die botschaft geht, die hinter meinem glauben steht. wenn man alles wörtlich nimmt, passieren so schreckliche sachen wie die kreuzzüge oder aber die unendliche gewalt in vielen teilen der arabischen welt. allerdings sind die kreuzzüge viele hundert jahre her, man scheint aus seinen fehlern lernen zu können ,wenn man denn will... religion hat auch nicht nur etwas mit dürfen und nicht dürfen zu tun, man kann auch dahinter stehen, dass die kirche vielen menschen trost und hoffnung gibt und brot an bedürftige verteilt!

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    Antwort auf "Ja ja, die Religionen"
  2. der Westen seine Truppen, Ärzte und Sozialarbeiter aus diesem Land sofort abziehen. Die Leute dort wollen sie nicht. Es war alles ein fataler Fehler, mit sinnlosen Opfern. Die Frauen dort können einem Leid tun, aber das ist schon ewig dort so. Sollen sie ihren Weg des archaischen Islam gehen und good by. Es ist sinnlos dort zu sein und auch nur einen einzigen Helfer zu verlieren. Vergebene Liebesmüh. Abzug sofort!

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  3. Ihre Behauptungen klingen interessant: "Es gibt keine afghanische Kultur, wie es lt. Mitforist keine Afghanen gibt !" Klingt ein wenig wie die Legende der Bielefeld-Verschwörung. Na ja, ich habe viele Afghanen kennen gelernt, die sich auch als Afghanen bezeichnen. Von der Kultur der Afghanen könnten so manche hier noch etwas lernen, beispielsweise von der sehr höflichen Gesprächskultur.

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    ...verstehen, in welche Richtung man den Turban wickelt und wieviel Zucker in den Tee getan wird, dann wird ihre Massgabe voll efüllt !
    Was die höfliche Gesprächskultur angeht, na ja, da unten bekämpfen sich die verschiedenen Clans schon seit ewigen Zeiten, scheint also nicht viel zu bringen.Im Übrigen bin ich mir sicher, dass dort jeder Warlord seine Zigaretten am Koran anzünden oder ein Schinkenbrötchen darin einwickeln kann, ohne dass die Taliban etwas sagen würden. Die ausländischen Soldaten sind einfach zu nett und das wird als Schwäche ausgelegt ! So einfach ist das !
    GoG

    • funky_B
    • 24. Februar 2012 9:09 Uhr
    142. falsch!

    Also bitte, Sie müssen doch einsehen, dass die Verbrennung der heiligen Schrift des Islam durch eine westliche, christliche Besatzungsmacht, die höchte Provokation darstellt, die sich ein gläubiger Afghane vorstellen kann.

    Und sich dann zu wundern, das in einer wenig stabilen Region mit Gewalt geantwortet wird, ist schlicht und ergreifend dumm und naiv.

    "Sie sind es nicht Wert,dass westliche Soldaten ihr Leben riskieren"

    Nun, in Afghanistan den Koran zu verbrennen ist dazu noch vorsätzliche Riskierung des Lebens. Arme westliche Soldaten!

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    Antwort auf "Falsche Fünfziger"
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    Wenn ein Buch verbrannt wird ist das nicht die höchste Form einer Provokation. Das Allerverwerflichste ist, daß Menschen sterben, jeder Mensch ist unvergleichlich wertvoller, als dieses Buch. Die Schuldigen sind diejenigen, die sich provoziert fühlen und Menschen töten, nicht die die den Kram verbrannt haben. Wir sollten nicht auf die vormodernen Vorstellungen der Heiligkeit eines Buches eingehen.

    • funky_B
    • 25. Februar 2012 17:04 Uhr

    das heißt also für Sie, die Soldaten der Besatzungsmacht USA sind unschuldig?

    Ich sage, dass alle Toten, die es bisher durch die Bücherverbrennung (welche auch schon einmal in Deutschland durch einen gewissen Herr Hitler angeordnet wurden) gegeben hat, auf das Konto der Soldaten gehen, die den Koran in einem islamischen Land verbrannt haben.

    • jowanni
    • 24. Februar 2012 9:15 Uhr

    Erinnert mich an die Bilder, als Individuen dieser hochbegabten US-Armee 1945 mit Zigarette im Maul sich im "befreiten" Wien die Reichsinsignien Karls des Großen auf ihren lausigen Kopf gesetzt hatten.

    In Ausübung ihres Vasallenamtes sollte sich die Bundeswehr vorab an allen Einsatzorten für ihr Dasein mit der Begründung des fortdauernden mentalen Besatzungsstatus unseres Landes entschuldigen!

    Und zusammen mit den paar noch ernstgenommenen Deutschen in Afghanistan eine Charmeoffensive unter möglichst häufiger Nennung des Namens "Otto von Hentig" starten!
    "Wenn die großen Geschwister geheimnisvoll von Otto Hentig sprachen, dann klang dies wie ein Schlachtruf, in dem alles mitschwang: Verheißung, Abenteuer, Sieg, aber auch Hingabe und Opferbereitschaft." (Marion Gräfin Dönhoff)

    Das Hentigsche Tagebuch aus Afghanistan hat 1945 eben jene famose US-Armee konfisziert und wahrscheinlich vernichtet (verbrannt?).
    Hentig galt den Afghanen noch in den 60ern als Pate ihrer Befreiung vom Kolonialismus. Wurde deshalb auch stets zu den Feiertagen der Staatsgründung nach Kabul eingeladen.

  4. Ja, auch die Freiheit heimtückische Attentate mit tausenden von Opfern in anderen Ländern zu planen und vorzubereiten wurde eingeschränkt!

    Ich bin kein Afghanistan Spezialist und meine Eindrücke sind subjektiv. Ich kann aber sagen das die Leute die ich in Afghanistan getroffen habe alle froh waren als die NATO ins Land kam. Sie hatten das Gefühl das endlich jemand da ist der sich um das Land kümmern wird und hatten die Hoffnung auf eine Zukunft.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | BBC | Hamid Karsai | Brief | Isaf | Koran
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