AfghanistanKrawalle und Proteste gegen die USA in mehreren Städten

Autos brennen, Geschäfte werden gestürmt. In Afghanistan hält die Wut auf amerikanische Soldaten an, nachdem einige Koranbücher verbrannt hatten. Mehrere Menschen starben. von afp, dpa und reuters

Bereits am Dienstag gab es beim US-Stützpunkt Bagram Demonstrationen gegen die Koran-Verbrennung.

Bereits am Dienstag gab es beim US-Stützpunkt Bagram Demonstrationen gegen die Koran-Verbrennung.  |  © Massoud Hossaini/AFP/Getty Images

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben nach Angaben des TV-Senders Al Jazeera mehr als tausend Menschen gegen die Koran-Verbrennungen auf einem US-Stützpunkt protestiert. Durch die Proteste kamen mindestens acht Demonstranten ums Leben. Dutzende weitere wurden bei den Ausschreitungen in verschiedenen Landesteilen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Präsident Hamid Karsai forderte die US-Armee auf, die Übergabe des Gefängnisses von Bagram an die Afghanen zu beschleunigen.

Wütende Demonstranten setzten in Kabul nach Angaben der Polizei Fahrzeuge in Brand und griffen Geschäfte an. Schüsse in die Menschenmenge wurden abgefeuert, als Demonstranten Autofenster zertrümmerten und eine Hauptstraße in der Nähe des US-Stützpunktes Camp Phoenix blockierten. Mindestens drei Menschen wurden durch Schüsse verletzt. Wer geschossen hat, ist weiter unklar. Afghanische Sicherheitskräfte bestätigten nicht, dass die Polizei gefeuert hat. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starb ein Mensch in Kabul.

Anzeige

Sechs Menschen starben nördlich von Kabul

Außerdem gab es Demonstrationen in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad . Rund 1.000 Studenten blockierten eine Hauptstraße. Al Jazeera zufolge soll eine Person bei Schießereien mit anti-amerikanischen Demonstranten ums Leben gekommen, zehn weitere verletzt worden sein. Sechs Menschen starben im Bezirk Schinwar in der Provinz Parwan nördlich von Kabul, wie eine Sprecherin der Provinzbehörden der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Es ist der zweite Tag in Folge, an dem gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram protestiert wird. Am Dienstag war der Stützpunkt angegriffen worden, in Kabul hatte es Demonstrationen gegeben.

General John Allen, Oberkommandeur der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf, hatte sich nach den Vorgängen entschuldigt. Er sprach von einem "unangemessenen Umgang" mit islamischem religiösen Material. Die Verbrennung von Koran-Ausgaben sei "irrtümlich" geschehen, sagte er. Isaf bestätigte, dass Soldaten in der US-Basis Bagram Koran-Ausgaben zur Entsorgung versehentlich in eine Verbrennungsanlage gebracht hätten.

Schulung für Soldaten

Als Konsequenz aus den Koran-Verbrennungen hat Isaf alle Soldaten zu einer Schulung verpflichtet. Bis Anfang März sollen sie lernen, mit Gegenständen aus religiösen Kontexten, wie etwa dem Koran, angemessen umzugehen. Muslimen gilt jegliche Schändung des Korans als Todsünde. US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich ebenfalls für den "höchst bedauerlichen Zwischenfall". 

Die US-Botschaft in Kabul ordnete aus Sicherheitsgründen ein Reiseverbot für ihre Mitarbeiter an.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. verbrannt: wie, in welchem Zusammenhang, wer, mit welchem Motiv.
    Wieso werden überhaupt auf einem Militärstützpunkt Bücher verbrannt? Unabhängig, welchen Inhalt die bedruckten Seiten haben, ist das grundsätzlich ein angemessener Umgang mit Bücher, wenn man nicht gerade in einer Notsituation ist und diese als Brennmaterial benötigt?

    2 Tage Ausschreitungen wegen Koranverbrennungen. Entlädt sich da nicht noch was anderes aufgestautes? Oder ist es möglich, dass es wirklich rein religiöse Wut ist?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sicher ist auch viel aufgestaute Wut unter den Randalierern - Aber bei den meisten überwiegt sicher der religiöse Radikalismus. Da es nur wenige hundert Personen sind, sieht es sehr nach "organisiertem" Protest aus.

    Letztendlich ist Afghanistan immer noch ein Entwicklungsland, außer einem Stück Land, seinen Clan und seiner Religion hat der einfache Afghane nicht viel mehr, was er besitzt oder wozu er gehört.

    Ähnliche Tumulte würden sicher auch ausbrechen, wenn Clan-Angehörige ermordert werden würden oder Ländereien besetzt werden würden.

    "Bereits am Dienstag war es zu Protesten gekommen, nachdem bekanntgeworden war, dass amerikanische Soldaten in der amerikanischen Basis Bagram Ausgaben des Korans zur Entsorgung versehentlich zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten."
    http://www.faz.net/aktuel...

    • jagu
    • 22. Februar 2012 11:13 Uhr

    Das Schlimme an der Sache, Deutschland war in der gesamten Region früher mal sehr beliebt, hatt politischen und wirtschaftlichen Einfluss und gibt den nun wegen US-Zielen auf.

    Wie Amerikanische Zeitungen längst schreiben: Die Deutschen lassen seit einiger Zeit keine Gelegenheit aus, sich selbst in die Füße zu schießen.

    Das betrifft auch das Iran Embargo: Wir werden von den Amerikanern schamlos mit den Benzinpreisen abgezockt, ohne das es irgendeine politische Wirkung hat.

    • S7ephan
    • 22. Februar 2012 11:18 Uhr

    Verzichten Sie bitte auf Provokationen. Danke, die Redaktion/fk.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Verzichten Sie bitte auf Provokationen und persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/fk.

  2. Verzichten Sie auf überzogene Polemik und bemühen Sie sich um differenzierte und argumentative Beiträge. Danke, die Redaktion/fk.

  3. 6. Koran

    Nur der in arabischer Schrift geschriebene Koran ist der echte göttliche Koran. Die Übersetzungen ( so auch wahrscheinlich in URDU oder sonstige in Afghanistan gesprochene Sprachen ) sind nicht das Wort Allahs oder Mohammeds.
    Die Aufregung ist also inszeniert wie vieles andere auch.

    Davon abgesehen, ich werfe zerfledderte Taschenbücher auch in den Müll, wo sie wahrscheinlich in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt werden. Von den Soldaten , die des Urdu nicht mächtig sind jetzt Unterscheidungen zu verlangen, dürfte etwas viel verlangt sein.
    Dabei fällt mir ein :
    Wie ist es eigentlich mit dem Koran als Ebook oder auf Internet, darf der gelöscht werden oder muss man sich dann ein neues ebook besorgen ?

  4. Verzichten Sie bitte auf Provokationen und persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • S7ephan
    • 22. Februar 2012 11:46 Uhr

    .. mal voll daneben! Man kann doch nicht meine kleine Verbrennung privater religiöser Texte mit Unterdrückung vergleichen. Das waren meine Bücher, die hab ich extra dafür gekauft!

    Ein Buch ist zunächst mal ein Block Zellulose und ein Mensch ist ein Mensch.

    Bei den Bücherverbrennungen der vergangenen Jahrhunderten ging um die systematische und teils öffentlichkeitswirksame Ausmerzung abweichenden Gedankenguts. Das trifft weder auf die vermutlich fiktionelle Aussage des Vorposters zu, noch auf die Verbrennung eines einzelnen Korans, für die sich der diensthabende Kommandeur bereits entschuldigt hat.

    Die Nazikeule zieht jedoch nicht mehr, insbesondere, wenn die Verhältnisse nicht im Auge hat - und in dieser hinsicht auch mal vor der eigenen Tür kehren sollte!

  5. Das war wohl etwas kultur-unsensibel. Das Problem gibt es schon bei der Entsorgung von Tageszeitungen, in denen Koranverse abgedruckt werden (kein Scherz!).

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Hamid Karsai | AFP | Brand | Entsorgung | Fahrzeug | Gesundheitsministerium
Service