Streit mit GroßbritannienArgentinien will im Falkland-Konflikt UN einschalten

Die Spannungen zwischen den früheren Kriegsgegnern Großbritannien und Argentinien wachsen. Präsidentin Kirchner will sich nun an die Staatengemeinschaft wenden. von afp, dpa und reuters

Argentinien will wegen des anhaltenden Konflikts mit Großbritannien um die Falkland-Inseln die Vereinten Nationen einschalten. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner sagte, sie werde vor dem UN-Sicherheitsrat und der UN-Vollversammlung formell Beschwerde gegen die britische "Militarisierung" in der Region um die Falkland-Inseln einlegen. Die Entsendung moderner britischer Kriegsschiffe zu den Falkland-Inseln stelle ein "großes Risiko für die internationale Sicherheit" dar.

Der konkrete Vorwurf betrifft die von der britischen Regierung angekündigte Verlegung der HMS Dauntless , eines ihrer modernsten Kriegsschiffe, in die Gewässer um die Falkland-Inseln. Nach britischen Medienberichten wurde auch ein Atom-U-Boot dorthin entsandt. Während der Rede der Präsidentin vor Politikern und Veteranen des Falkland-Krieges demonstrierten Hunderte Menschen nahe dem Präsidentenpalast mit argentinischen Flaggen und Transparenten wie "Engländer raus aus den Malvinas". Malvinas ist der argentinische Name der Inselgruppe.

Argentinien erhebt Anspruch auf die Inselgruppe vor der südamerikanischen Küste, die seit 1833 britisch ist. Vor 30 Jahren griff die Armee der damaligen argentinischen Militärjunta die Inselgruppe an und löste so den Konflikt mit Großbritannien aus, der mit einer Niederlage für das südamerikanische Land endete. Während des 74-tägigen Krieges starben etwa 650 Argentinier und rund 250 Briten. Großbritannien übernahm anschließend wieder die Kontrolle über die Inseln.

Kritik an der Entsendung des britischen Prinzen William


Großbritannien wies bisher alle Forderungen Argentiniens nach Verhandlungen über eine Souveränität der rund 3.000 Bewohner der Inselgruppe ab. Die Regierung in London begründet dies damit, dass es bisher von den Insulanern nicht gewünscht werde.

Zuletzt hatte auch der Einsatz von Prinz William, dem Enkel der Queen, auf den Falkland-Inseln für weitere Verstimmung gesorgt. Während es sich dabei nach Angaben der Regierung in London um einen normalen Vorgang für Hubschrauberpiloten der Rettungsstaffel innerhalb der Royal Air Force handelt, sieht man in Buenos Aires hinter der Entsendung seiner Königlichen Hoheit eine Provokation. Kirchner sagte: "Wir hätten ihn lieber als Zivilisten gesehen und nicht in einer Militäruniform."

Streit gibt es auch um britische Ölbohrungen vor der Küste der Inseln und um die Fischbestände. "Die großen Schlachten des 21. Jahrhunderts werden um die Naturressourcen gehen", sagte Kirchner.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Großbritanniens Festhalten an den Resten seines Empires wird weitere Kriegsgefahren heraufbeschwören. Argentinien wird GBs veraltete world domination nicht auf immer dulden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau das ist es!
    Veraltetes Großmachtdenken.
    Würden dort nicht große Erölvorkommen(60 Mrd. Barrel) vermutet, hätte GB auch schon Abstand von den Inseln genommen.

    • Gerry10
    • 08. Februar 2012 11:09 Uhr

    Die britische Regierung hat gesagt, dass sie die Inseln nicht ohne das Einverständnis der Inselbewohner an Argentinien abtreten wird.
    Das hört sich nicht nach Großmachtdenken, sondern nach gelebter Demokratie an.

    Bitte ?

    Die Bewohner wollen Engländer sein und es ist wohl in letzter Instanz IHRE Entscheidung wo sie hin wollen.

    GB hat deutlich mehr Anspruch auf die Inseln als Argentinien.

    • cvnde
    • 08. Februar 2012 13:12 Uhr

    Das UK hätte die Insewln schoin lange aufgegeben, aber die Bewohner wollen Briuten bleiben und nicht Argentinier werden.

    Die Regierung Thatcher hat ja damals auch HMS Endurance abgezogen und damit erst den Weg zur Invasion von 1982 geebnet.
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. 2. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und unsachliche Äußerungen. Die Redaktion/mak

  3. Genau das ist es!
    Veraltetes Großmachtdenken.
    Würden dort nicht große Erölvorkommen(60 Mrd. Barrel) vermutet, hätte GB auch schon Abstand von den Inseln genommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    1982 wurden noch keine Erdölvorkommen vermutet. Und die Bewohner der Inseln sollen dann wohl zwangs-argentinisiert oder -repatriiert werden? Tolle Demokratieauffassung, die sich mal wieder im ZEIT-Forum austobt.

  4. ... "Die großen Schlachten des 21. Jahrhunderts werden um die Naturressourcen gehen" ... hat sie recht...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  5. wenn diese Inseln seit über 100 Jahren britisch sind und ihre Bewohner daran nichts ändern wollen, wieso sind dann die Briten Schuld ?

    wenn die Lage so ist wie beschrieben, dann sind die Argentinier die Aggressoren - und das doch wohl genau wegen diesen Ressourcen... eigentlich gerngesehener kritikpunkt gegen westliche Länder.

    somit erscheint es mir als völlig legitim, dass GB dort sein Hoheitsgebiet verteidigt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zenobit
    • 08. Februar 2012 11:50 Uhr

    Es ist natürlich sehr praktisch, als Kolonialmacht der letzten Jahrhunderte unbewohnte Gebiet fernab der Heimat mit der eigenen Bevölkerung zu besiedeln. So verwundert es Jahrhunderte später auch nicht, wenn diese lieber zum Empire gehören will.
    Mit welchem Recht aber, besetzten die Kolonialmächte Territorien tausende Kilometer von der Heimat entfernt?

    Ähnliches läuft ja auch in Tibet ab. Die Mehrheit der in Tibet lebenden Menschen (Schätzungen zur Folge leben mitlerweile mehr Chinesen als Tibeter in Tibet) wollen zu China gehören.
    Das finden sie (wie unsere Machthaber) natürlich auch richtig, gell?

  6. ...der Falklandfrage dürfte nach meinem Dafürhalten zu Gunsten der Briten ausfallen. Kommt dazu, dass die Bewohner dieses Archipels sich mehrfach eindeutig zu den Befreiern von 1982 bekannt haben.

    Was die argentinische Regierung derzeit besonders umtreibt, ist aber die Erkenntnis, dass eine neuerliche Besetzung der Falklands heute praktisch unmöglich wäre.

    Deren Abwehrfähigkeit gegen amphibische und Luftlandeoperationen wurde in der Vergangenheit massiv verstärkt.

    Angesichts der veraltenden argentinischen Waffensysteme und der zumindest fragwürdigen Führungsfähigkeit der Kader und Einsatzbereitschaft der Truppe wäre bereits die erfolgreiche Bildung von Luftlandezonen oder Brückenköpfen der ersten Welle (augenommen vielleicht vereinzelte Scout-Operationen) quasi ausgeschlossen.

    Küstlich neu herbeibeschworener patriotischer Pathos kann da auch nicht weiterhelfen und würde im Einsatzfall nur unnötiges Blutvergiessen verursachen.

    Ob da ein solch peinlich durchschaubarer Gang vor die UN-Gremien der Sache dienlich sein kann, ist zumindest fraglich. Verhandlungen sind sicher einem Konflikt vorzuziehen, aber der erste Schritt müsste hier von Argentinien ausgehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass vor 30 Jahren Argentinien eine Militärdiktatur war (die sich mit einem erhofften Sieg über die Falklands retten wollte), während RA jetzt wieder eine Demokratie ist (ein Angriff wäre ein Selbstmord).

    • Gerry10
    • 08. Februar 2012 11:09 Uhr

    Die britische Regierung hat gesagt, dass sie die Inseln nicht ohne das Einverständnis der Inselbewohner an Argentinien abtreten wird.
    Das hört sich nicht nach Großmachtdenken, sondern nach gelebter Demokratie an.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn Sie das glauben, dann habe ich ein da ein paar griechische staatsanleihen mit langer laufzeit, die ich Ihnen gern verkaufen würde... :D

    • Mortain
    • 08. Februar 2012 11:29 Uhr

    Danke fuer Ihren Kommentar.

    Es gibt in deutschen Foren viele Menschen, die keine Ahnung von Kolonialismus haben. Zu Kolonialismus gehoert, dass man die lokale Bevoelkerung unterdrueckt. Insofern sind eher die aregentinischen Vorstoesse als Kolonialismus zu werten. Aber das passt nicht in das Bild vieler Leute hier im Forum. Westlich=boese ist die Hauptdideologie.

    • bugme
    • 08. Februar 2012 18:57 Uhr

    Ich hoffe auch, dass durch das Entsenden von Prinz William und der moderenen Flotte die chance für einen weiteren Angriffskrieg Argentiniens gegen die Falklands unwarscheinlicher geworden ist.
    Beide Handlungen unterstreichen, dass eine militärische Besetzung der Inseln durch Argentinien ähnliche Konsequenzen wie im Juni 1982 haben würden.

    Frau Kirchner hat wohl innenpolitisch nicht viel zu bieten, daher spielt sie die populistische Nationalistenkarte aus.

  7. Nun bin ich wirklich ein großer Freund von Argentinien und habe das Land viel bereist. Spontan würde ich die Inselgruppe auch eher dem nähesten südamerikanischen Land zusprechen als einem europäischen.
    Jedoch, als die Welt aufgeteilt wurde, zeigte Argentinien kaum Interesse und da kamen eben die Briten, die hatten die Falklands/Malvinas auch entdeckt. Der springende Punkt ist, Argentinien gab es auch nicht einfach so. Das Staatsgebiet Argentiniens war von "Indigenes" bewohnt. Diese wurden von den Spaniern zurückgedrängt und durften sich im besten Fall irgendwie in die neue Gesellschaft einfinden.
    Mit welchem Maß wollen wir heute messen, Jahrhunderte, nachdem viel Unrecht geschehen ist?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Argentinien | Enkel | Flagge | Großbritannien
Service