AtomstreitIran könnte Uran-Anreicherung beschleunigen

Eine neue Generation von Uran-Zentrifugen könnte bald im Iran zum Einsatz kommen. Damit wächst der Verdacht eines nuklearen Waffenprogramms. Der Iran dementiert dies. von AFP und dpa

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad beim Besuch eines Projektes zur Nuklearforschung in Teheran

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad beim Besuch eines Projektes zur Nuklearforschung in Teheran  |  © Reuters

Ungeachtet der internationalen Kritik an seinem Atomprogramm plant der eine Iran einem Medienbericht zufolge, seine Urananreicherung deutlich auszuweiten. So sollen nach Auffassung eines Diplomaten in Kürze Tausende Uran–Zentrifugen der 4.vierten Generation in der neuen Anreicherungsanlage in der Stadt Fordo installiert werden. Die leistungsfähigeren und schnelleren Zentrifugen könnten den Prozess der Urananreicherung deutlich beschleunigen, berichtete die BBC unter Berufung auf einen Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergieagentur ( IAEA ).

Die Anlage in Fordo soll bereits seit Januar laufen – allerdings zunächst mit älteren Zentrifugen. Der Westen befürchtet, dass der Iran das angereicherte Uran für den Bau einer Atombombe verwenden will. Der britische Außenminister William Hague sagte der Zeitung Daily Telegraph , die Iraner sind ganz klar dabei, ihr nukleares Waffenprogramm voranzutreiben. Das angeblich zivile Atomprogramm halten die Politiker für einen Deckmantel. Der Iran weist dies zurück.

Die britischen Vorwürfe seien nur ein Versuch, eine negative Stimmung gegen den Iran zu erzeugen, sagte Außenminister Ali–Akbar Salehi. "Wir jedoch werden unseren Weg und die friedliche Nutzung der Atomtechnologie ohne jegliche Zweifel und mit Selbstbewusstsein fortführen ", sagte Salehi. Zugleich sei man "auf das schlimmste Szenario vorbereitet". Gemeint ist der befürchtete Militärschlag Israels .

Westerwelle warnt vor Verschärfung des Konflikts

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Verschärfung des Atomstreits mit dem Iran. "Eine Eskalation – von welcher Seite auch immer – muss jetzt im allseitigen Interesse vermieden werden", sagte er. Zugleich kündigte Westerwelle eine "sehr genaue" Überprüfung des von der Regierung in Teheran unterbreiteten Angebots zur Wiederaufnahme der Gespräche über das Atomprogramm an.

Offiziell hatte der Iran sein Programm zum Bau von Nuklearwaffen im Jahr 2003 eingestellt. Geheimdienstliche Hinweise auf eine Wiederaufnahme eines systematischen Atomwaffenprogramms gibt es nicht. Allerdings hat die Atomenergieagentur Hinweise gesammelt, wonach der Iran zumindest bis 2010 an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet hat. So soll die Regierung Sprengkapseln getestet haben, die für eine Atombombe geeignet wären, und ballistische Raketen für Atomsprengsätze vorbereiten. Der Iran bestreitet diese Berichte.

Anfang kommender Woche wird erneut eine Delegation der IAEA in den Iran reisen – zum zweiten Mal binnen eines Monats. In Gesprächen über das umstrittene iranische Atomprogramm sollen Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Konflikts ausgelotet werden. Ein erster Besuch der IAEA–Experten Ende Januar hatte nach Ansicht der Wiener Atomagentur keine nennenswerten Fortschritte gebracht. Die Regierung in Teheran hatte die Gespräche dagegen als positiv und konstruktiv bezeichnet.

Anzeige
Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
    • Schlagworte Iran | Guido Westerwelle | BBC | IAEA | Atombombe | Außenminister
    Service