Experten der Internationalen Atomenergieagentur IAEA sind am Morgen in Teheran eingetroffen – zum zweiten Mal binnen eines Monats. Das Team um Chefinspekteur Herman Nackaerts will noch einmal Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Atomkonflikts ausloten. Ein erster Besuch der IAEA-Experten Ende Januar hatte nach Ansicht der Wiener Atomagentur keine nennenswerten Fortschritte gebracht.

Vor ihrer Abreise hatte Nackaerts gesagt, im Mittelpunkt der Mission stehe "natürlich die mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms". Alle offenen Fragen würden angesprochen, jedoch handele es sich um einen sehr komplexen Streitpunkt, der Zeit brauche. "Aber wir hoffen, es wird konstruktiv", sagte Nackaerts. Angaben zum genauen Programm oder zu möglichen Besuchen in iranischen Atomanlagen machte er nicht.

Anders als die IAEA hatte die iranische Regierung schon den ersten Besuch der Atom-Experten als positiv und konstruktiv bezeichnet. Vor einer Woche teile der Iran der EU nun schriftlich mit, man sei bereit, die Gespräche über sein umstrittenes Atomprogramm wieder aufzunehmen. Diese liegen seit einem Jahr auf Eis.

Während des Besuchs der Atominspekteure begann das iranische Militär mit groß angelegten Luftabwehrübungen. Das viertägige Manöver diene der Stärkung der Luftabwehr zum Schutz der Atomanlagen, teilte die Luftwaffe mit. Israel schließt einen Militärangriff auf die Atomanlagen Irans nicht aus.

Verdacht eines Atomwaffenprogramm s

Grund für die Kontrollen ist der Verdacht des Westens, dass die iranische Regierung – unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie – an einem Atomwaffenprogramm arbeitet. Die Führung in Teheran bestreitet das und hält an seinem Atomprogramm fest. "Wir werden unseren Weg und die friedliche Nutzung der Atomtechnologie ohne jegliche Zweifel und mit Selbstbewusstsein fortführen ", sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi .

Am Wochenende eskalierte der Streit. Auslöser waren Äußerungen von Diplomaten in Wien , wonach der Iran in Kürze mit der Installation Tausender Uran-Zentrifugen der vierten Generation beginnen soll. Diese leistungsfähigeren und schnelleren Zentrifugen könnten den Prozess der Urananreicherung deutlich beschleunigen. Das berichtete die BBC am Sonntag.

Ein westlicher Diplomat relativierte nun diese Spekulationen: Er sei sicher, dass der nächste IAEA-Report über bedeutende Fortschritte des Iran sprechen wird. "Aber es wird eher um die Größenordnung von Hunderten neuen Zentrifugen vom Typ IR-1 gehen, als um die Fähigkeit des Iran, in Kürze Tausende Zentrifugen dazuzuschalten, seien es IR-1 oder andere", sagte er. Diese Fortschritte seien zwar unerwünscht und ein offener Bruch der UN-Sicherheitsratsresolutionen, aber sie seien nicht so sensationell wie von den Medien dargestellt.

Ernst gemeinte Sanktionen

Angesichts des sich zuspitzenden Atomkonfliktes forderte Bundesaußenminister Guido Westerwelle Teheran auf, seine atomaren Pläne vor den IAEA-Experten offen darzulegen und "in vollem Umfang transparent mit der Internationalen Atombehörde" zusammenzuarbeiten. "Die Zeit für taktische Manöver ist vorbei", sagte er. " Die Sanktionen meinen wir ernst."

Gemeint ist das Ölembargo der EU, das seine volle Wirksamkeit im Sommer entfalten wird. Der Iran antwortete mit dem Stopp seiner Erdölexporte nach Großbritannien und Frankreich . Aus dem Erdöl-Ministerium in Teheran hieß es dazu lediglich, es seien "andere Abnehmer" gefunden worden.