Atomkonflikt Iran dementiert Stopp der Öllieferungen

Erst hieß es, die Regierung in Teheran stellt die Ölversorgung für sechs EU-Staaten sofort ein, nun wird doch weiter geliefert. Allerdings soll es neue Konditionen geben.

Das iranische Erdölministerium hat Berichte der eigenen staatlichen Medien über einen angeblichen Stopp der Erdölexporte in sechs EU-Staaten dementiert. "Es ist unklar, woher diese Berichte stammen, aber es gab keine Entscheidung, weder vom Ministerium noch von der Regierung, die Erdölexporte in die EU zu stoppen", sagte Generaldirektor Mohsen Kamsari der Nachrichtenagentur Isna.

Zuvor hatten der staatliche Nachrichtensender Press TV und andere Medien im Iran den Exportstopp ohne Angabe von Quellen gemeldet. Am Vormittag waren die Botschafter von sechs EU-Mitgliedsländern ohne nähere Angaben von Gründen in das iranische Außenministerium zitiert worden.

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Nach Berichten des iranischen Staatsfernsehens wurden Diplomaten aus den Niederlanden, Griechenland, Portugal, Italien, Frankreich und Spanien einbestellt. Die Einberufung erfolgte nach Darstellung des spanischen Botschafters, Pedro Villena, weil die iranische Regierung die Länder über neue Bedingungen für Öllieferungen informieren wollte.

Kurz darauf dementierte Spanien die Berichte. Die Exporte nach Spanien seien nicht unterbrochen worden, teilte das spanische Außenministerium mit. Aus dem iranischen Erdölministerium hieß es, ein Lieferstopp sei "vorerst" nicht geplant. Der Verhandlungspartner der EU-Länder im Außenministerium hatte den Lieferstopp offenbar nur angedeutet, jedoch "aus humanitären Gründen und wegen der Kälte" davon abgesehen.

400.000 Barrel Öl täglich nach Europa

Derzeit werden aus dem Iran täglich mehr als 400.000 Barrel Öl pro Tag nach Europa geliefert, vor allem in die südeuropäischen Staaten. In der EU hängen Griechenland, Spanien und Italien am stärksten von Öl aus dem Iran ab – einen Engpass erwartet die EU aber nicht. Gut zwei Drittel des iranischen Öls fließt ohnehin nach China und Indien, die sich an dem Öl-Embargo nicht beteiligen.

Zuvor hatte die EU ein Öl-Embargo beschlossen, um den Iran im Streit über das Atomprogramm des Landes zum Einlenken zu zwingen. Das EU-Embargo soll am 1. Juli in Kraft treten. In der Übergangszeit sollten sich besonders vom iranischen Öl abhängige Länder – wie das von der Schuldenkrise schwer angeschlagene Griechenland – an die Lage anpassen können.

Der Westen verdächtigt die Regierung in Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie ein Programm zum Bau von Kernwaffen zu betreiben. Dies streitet der Iran ab, will sich jedoch nicht an der zivilen Nutzung von Atomenergie hindern lassen. Am heutigen Mittwoch will Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad laut iranischen Medien drei neue Atomprojekte einweihen. Unter anderem solle eine Anlage zur Urananreicherung in Natans in Betrieb genommen werden. Dort solle Uran auf 20 Prozent angereichert werden, was nicht für militärische Nutzung reichen würde. 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Jawohl

    Der Iran sollte sich nicht vom Westen erpressen lassen. Jetzt trifft er den Westen genau da wo es ihm weh tut. Beim Geld.

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    • joG
    • 15.02.2012 um 15:45 Uhr

    ...übernimmt. Das sind Deutsche nicht gewohnt und haben in der Breite der Bevölkerung nie darüber nachgedacht. Da kommen solche Meinungen wie Ihre nicht unerwartet. Das wird sich verbessern, aber das braucht Zeit.

    • TDU
    • 15.02.2012 um 15:48 Uhr

    Jawohl, finde ich auch. Ich heize mit Gas, bin reich, und bin kein Bürger der Länder des Embargos. Deswegen machen mir höhere Preise überhaupt nichts aus.

    • joG
    • 15.02.2012 um 15:45 Uhr

    ...übernimmt. Das sind Deutsche nicht gewohnt und haben in der Breite der Bevölkerung nie darüber nachgedacht. Da kommen solche Meinungen wie Ihre nicht unerwartet. Das wird sich verbessern, aber das braucht Zeit.

    • TDU
    • 15.02.2012 um 15:48 Uhr

    Jawohl, finde ich auch. Ich heize mit Gas, bin reich, und bin kein Bürger der Länder des Embargos. Deswegen machen mir höhere Preise überhaupt nichts aus.

  2. Hier finden Sie den Grund für den hohen Ölpreis.

    http://www.welt.de/finanz...

    Gelddrucken in den USA kommt einer Sperrung der Straße von Hormus gleich.

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    Deshalb werde ich 2013 endlich auch zum Nichtwähler werden.
    Ich kann nicht die Politiker wählen, die für die
    Gelddruckerei, mit den im Artikel der Welt geschilderten Folgen, verantwortlich sind. Und es gibt in Deutschland keine Partei (außer Teilen der FDP vielleicht), die gegen die "Krisenbekämpfung" per Geldschwemme wäre.

    Deshalb werde ich 2013 endlich auch zum Nichtwähler werden.
    Ich kann nicht die Politiker wählen, die für die
    Gelddruckerei, mit den im Artikel der Welt geschilderten Folgen, verantwortlich sind. Und es gibt in Deutschland keine Partei (außer Teilen der FDP vielleicht), die gegen die "Krisenbekämpfung" per Geldschwemme wäre.

  3. 3. Mantra

    "Der Westen verdächtigt die Regierung in Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie ein Programm zum Bau von Kernwaffen zu betreiben."

    Sollte man für dieses Mantra nicht ein Kürzel einführen?

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    Wie wär's mit "alternativlos"?
    Dann muss man auch den medienkompetenten, aber dennoch (oder deshalb?) politisch uninteressierten Bürger nicht dauernd mit differenzierten Nachrichten überfordern.

    Wie wär's mit "alternativlos"?
    Dann muss man auch den medienkompetenten, aber dennoch (oder deshalb?) politisch uninteressierten Bürger nicht dauernd mit differenzierten Nachrichten überfordern.

  4. 4. [...]

    Eine extrem ' dumme ' Entscheidung der EU fuer Sanktionen gegen den Iran , ein Tit for Tat konnte nicht ausbleiben und jetzt haben wir den Salat.

    [...]

    Die EU ist von iranischem Oel und Gas abhaengig , nicht jedoch die USA fuer die Kanada der groesste Oel-Lieferant ist und nicht etwa Saudi Arabien wie die meisten Menschen annehmen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

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  5. ...der, der das Öl nicht verkaufen kann oder derjenige der es braucht.

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    • tippex
    • 15.02.2012 um 15:11 Uhr

    ... ich denke china wird das schon auffangen können.

    • tippex
    • 15.02.2012 um 15:11 Uhr

    ... ich denke china wird das schon auffangen können.

  6. der Iran, aber am Ende auch die nicht mehr belieferten, denn Sie müssen die Ausfälle je nachdem wie abhängig Sie von iranischen Lieferungen sind, woanders (kurzfristig) zukaufen, zu meist ungünstigeren Preisen, die Verknappung am Markt kommt noch hinzu.

    Wenn ich lese, das zwei drittel der iranischen Öllieferungen eh an China und Indien gehen, die sich nicht am Boykott gegen Iran beteiligen glaube ich, das es für die genannten EU Länder ziemlich schnell unangenehm werden kann, spätestens dann wenn Öl und Derivate an Tankstellen etc. knapp werden und die Preise dort auch deutlich steigen.

    Je länger dieser Streit dann daueret werden dann wohl weniger Iran sondern eher die am stärksten abhängigen EU Länder in Bedrängnis kommen. Das wird auf Dauer einen Keil zwischen die EU Front treiben.

    Fazit: Ich glaube das Embargo geht nach hinten los, es sei denn Iran gibt im Atomstreit schnell nach, was eher unwahrscheinlich erscheint.

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    "Fazit: Ich glaube das Embargo geht nach hinten los, es sei denn Iran gibt im Atomstreit schnell nach, was eher unwahrscheinlich erscheint."

    Das verschärfte Embargo soll ab Juli in Kraft treten. So dumm sind die Wirtschaftspolitiker auch nicht, denn es ist wohl eher wahrscheinlich, dass es bis dahin einen Iran-Krieg gibt. Um die NATO-Partner nicht im Stich zu lassen, wird die USA den Saudis eine höhere Ölförderquote abverlangen. Zudem ist zu erwarten, dass steigende Förderquoten in Libyen den Ausfall iranischer Öllieferungen mit kompensieren können.

    Die Iraner sollten aber aus der Geschichte Russlands lernen, dass es blöd ist, den möglichen Gegner bis zum wörtlichen Vorabend des Krieges mit Rohstoffen zu beliefern.
    Die letzte Lieferung wird mit Bomben bezahlt.

    MfG
    AoM

    "Fazit: Ich glaube das Embargo geht nach hinten los, es sei denn Iran gibt im Atomstreit schnell nach, was eher unwahrscheinlich erscheint."

    Das verschärfte Embargo soll ab Juli in Kraft treten. So dumm sind die Wirtschaftspolitiker auch nicht, denn es ist wohl eher wahrscheinlich, dass es bis dahin einen Iran-Krieg gibt. Um die NATO-Partner nicht im Stich zu lassen, wird die USA den Saudis eine höhere Ölförderquote abverlangen. Zudem ist zu erwarten, dass steigende Förderquoten in Libyen den Ausfall iranischer Öllieferungen mit kompensieren können.

    Die Iraner sollten aber aus der Geschichte Russlands lernen, dass es blöd ist, den möglichen Gegner bis zum wörtlichen Vorabend des Krieges mit Rohstoffen zu beliefern.
    Die letzte Lieferung wird mit Bomben bezahlt.

    MfG
    AoM

    • tippex
    • 15.02.2012 um 15:11 Uhr

    ... ich denke china wird das schon auffangen können.

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    China beteiligt sich leise an den Ölsanktionen:
    http://alischirasi.blogsp...

    • bugme
    • 15.02.2012 um 19:52 Uhr

    ...bleibt nur noch Russland als Alliierter - die haben ja traditionell wenig Skrupel mit antiamerikanischen Diktatoren in's Bett zu gehen.

    China beteiligt sich leise an den Ölsanktionen:
    http://alischirasi.blogsp...

    • bugme
    • 15.02.2012 um 19:52 Uhr

    ...bleibt nur noch Russland als Alliierter - die haben ja traditionell wenig Skrupel mit antiamerikanischen Diktatoren in's Bett zu gehen.

    • jagu
    • 15.02.2012 um 15:15 Uhr

    Na super, jetzt zahlen wir erstmal einen höheren Ölpreis an den USS-dominierten Börsen, dann könnnen die an den zukünftigen EU-Pleitiers ordentlich Zinsen verdienen und die EU ist ein Trümmerhaufen.

    Und gleichzeitig vertiefen Fernost und Nahost ihre wirtschaftlichen Kontakte, um dann auf den neuen Riesenmärkten Russland, Afrika und Südamerika richtig zu verdienen - Europa und die USA sind dann ja erst einmal abgerockt.

    Und wenn die USA oder Europa gegenüber dem Iran allzu frech werden, schmeißt China mal ein paar Handelsüberschüsse auf den Markt - dann klappt das westliche Wirtschaftssystem sofort zusammen.

    Danke Frau Merkel, kurzsichtiger kann man keine Politik für Deutschland machen.

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