Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew wollen während dessen Besuch in Berlin ein Rohstoffabkommen unterzeichnen. Es erlaubt deutschen Firmen die Suche und eventuell auch die Förderung von Rohstoffen in dem zentralasiatischen Land. Im Gegenzug sollen deutsche Unternehmen bei der Industrialisierung Kasachstans helfen. Die Rohstoffvorkommen in dem Land gelten als die fünftgrößten der Erde.

Abkommen dieser Art gehören zur Rohstoffstrategie der Bundesregierung . Sie sollen die Aktivitäten der deutschen Wirtschaft in diesem Bereich ergänzen. Im Oktober vergangenen Jahres war Merkel in die Mongolei gereist, um ein ähnliches Abkommen zu unterzeichnen.

In jüngster Zeit gibt es eine Vielzahl von Initiativen der Wirtschaft, um die Rohstoffversorgung für Deutschland dauerhaft zu sichern. Kürzlich starteten zwölf große deutsche Industrieunternehmen eine Allianz, die bei der Erkundung, Bewertung und gegebenenfalls Ausbeutung von Rohstoffvorkommen im Ausland tätig werden soll.

Zugang zu Seltenen Erden

Die deutsche Wirtschaft fürchtet mögliche Engpässe in der Rohstoffversorgung angesichts der heftigen Konkurrenz von Industrie- und Schwellenländern, allen voran China . Die Bundesregierung strebt mit dem zwischenstaatlichen Abkommen eine "Verbesserung des Investitions- und Innovationsklimas" an.

Speziell geht es um den Zugang zu den sogenannten Seltenen Erden. Sie kommen in Kasachstan neben Öl, Gas, Gold und Uran in großer Menge vor. Die Seltenen Erden sind wichtig für die Herstellung von Hochtechnologieprodukten wie Smartphones, Windrädern und Hybridmotoren. China bedient derzeit 95 Prozent der weltweiten Nachfrage nach diesen Materialien, was die Preise steigen lässt.

Der Besuch Nasarbajews in Berlin ist umstritten. Er steht wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch und Amnesty International kritisieren die Unterdrückung Oppositioneller, zuletzt bei der Niederschlagung eines Ölarbeiterstreiks im Dezember. Außerdem wurde bei der Parlamentswahl Mitte Januar laut internationalen Beobachtern gegen demokratische Grundprinzipien verstoßen. 

Die Gruppe Reporter ohne Grenzen erinnerte vor dem Treffen am Mittwoch in Berlin an die widrigen Bedingungen, unter denen Journalisten in Kasachstan arbeiten. Die autoritäre Regierung in Almaty hat den Druck auf die Medien besonders nach dem Ölarbeiterstreik im vergangenen Dezember erhöht.