Arabische Rebellionen : Katar hat in allen Konflikten die Finger im Spiel

Er ist mit den USA verbündet und hilft Islamisten. In der arabischen Welt unterstützt der Emir von Katar die Rebellionen. Welche Ziele verfolgt Hamad bin Khalifa al-Thani?

In Deutschland haben viele erstmals von dem Emirat Katar gehört, als der winzige Wüstenstaat am Golf 2010 überraschend die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 gewann. Da war zwar der arabische Fernsehsender Al Dschasira schon ein Begriff – aber Doha hatte er im Westen noch nicht wirklich auf die Landkarte gesetzt.

Seit dem Ausbruch der Aufstände in der arabischen Welt ist das anders: Fast täglich erscheint Katar in den Nachrichten, weil sein Emir Hamad bin Khalifa al-Thani in allen Konflikten in der Region die Finger im Spiel hat. Das Land mit den 1,7 Millionen Einwohnern, von denen nur etwa 300.000 Einheimische sind, hat sich zur dynamischsten Kraft der arabischen Welt entwickelt: Es war Katar, das die Arabische Liga im März 2011 dazu drängte, sich für eine Nato-Intervention in Libyen einzusetzen.

Im Falle Syriens ist der Emir von Katar die treibende Kraft gegen Präsident Baschar al-Assad. Doch welche Ziele verfolgt der Emir, der sein Reich als absolutistischer Monarch regiert, wenn er die Revolutionen in den meisten arabischen Ländern unterstützt?

Die einen unterstellen dem 59-Jährigen, der seinen Vater 1995 in einem unblutigen Coup absetzte, einen Napoleon-Komplex, andere vermuten eine islamistische Agenda. Unbeachtet vom Westen hat Katar seit Mitte der neunziger Jahre eine Vermittlerrolle in der Region gespielt. Zwischen den mächtigen Nachbarn Saudi-Arabien und Iran musste sich das Emirat immer arrangieren und setzte auf gute Beziehungen zu allen Regionalmächten. Und den USA , dem es seine Sicherheit anvertraut.

So beherbergt Katar den wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der US-Armee in der Region, ist aber gleichzeitig auf Kooperation mit dem Iran angewiesen, mit dem es sein größtes Gasfeld teilt. Nach Ansicht von Guido Steinberg von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) wollte sich das Emirat mit seiner Krisendiplomatie "dem Westen als Akteur präsentieren, der wertvolle Dienste für die Lösung der zahlreichen Konflikte in der Region anbieten kann".

Unterstützung für Islamisten zahlt sich jetzt aus

Außerdem gelang es ihm, aus dem Schatten Saudi-Arabiens zu treten. Katar schlichtete 2008 erfolgreich im Libanonkonflikt. Den Süden des Libanon, von der islamistischen Hisbollah beherrscht, baute Katar nach dem Krieg mit Israel 2006 wieder auf.

Die Tatsache, dass Katar seit Jahren Islamisten aller Couleur ein Exil bot, zahlt sich jetzt aus. So ist hier der einflussreiche ägyptische Fernsehprediger Youssef Qaradawi zu Hause, der prominente libysche Islamist Ali Sallabi fand hier Zuflucht, bis er im neuen Libyen eine islamistische Partei gründete. Die Rebellengruppe von Sallabis Bruders unterstützte Doha mit Waffen und Training ebenso wie andere islamistische Kräfte.

Khaled Meschaal von der Hamas sitzt nun in Doha, und auch zum tunesischen Islamistenführer Raschid Ghannouchi sind die Verbindungen eng. Dessen Schwiegersohn, der einige Jahre in Katar arbeitete, ist nun Außenminister in Tunis.

Engste Verbindungen zu neuer Führungsschicht in Umbruchstaaten

Damit hat Katar engste Verbindungen zur neuen islamistisch geprägten Führungsschicht in den arabischen Umbruchstaaten, die es tatkräftig unterstützt. Der Emir scheint zu glauben, dass die "Muslimbruderschaft und viele Salafisten eine Islaminterpretation vertreten, die mit der in Katar vorherrschenden Lehre vereinbar ist", meint Steinberg. In jedem Fall habe das Emirat mit den konservativen Kräften mehr gemeinsam als mit den gestürzten "republikanischen Regimen".

In Bahrain allerdings hat sich Katar auf die Seite des Regimes geschlagen und Soldaten geschickt – aus Angst vor einer Machtübernahme der Schiiten, die als fünfte Kolonne Irans betrachtet werden.

Doch der "traditionelle Balanceakt" zwischen den USA und dem Iran droht laut Steinberg in Syrien zu scheitern: In dem Konflikt stehen sich Iran und Katar diametral gegenüber. Auch die Vermittlerrolle in der Region sieht er langfristig in Gefahr: "Viele Gegner der Islamisten in Libyen, Tunesien und Ägypten sind in den letzten Monaten auch zu Gegnern Katars geworden."

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Schöne neue Freunde haben wir da.

In jedem Fall habe das Emirat mit den konservativen Kräften mehr gemeinsam als mit den gestürzten "republikanischen Regimen".

Komisch, gestern haben wir diese leute noch Terroristen genannt. Bestenfalls Extremisten. Wir haben sie im Kampf gegen den Terror um die ganze Welt gejagt. Sie in Deportationslagern ohne Anklage inhaftiert und gefoltert.

Nun sind diese Gruppen nurnoch "konservativ"?

Nun sind diese Gruppen willkommene Handlanger, deren Waffenerfahrung und Verschwiegenheit wichtiger ist als eine demokratische oder freiheitliche Gesinnung?

Sollte dieser Artikel eigentlich kritisch sein? Katar ist eine der schlimmsten Diktaturen weltweit. Katar besteht aus einem kleinen Flecken ölreicher Wüste und drei Großbanken.
Die Fussballweltmeisterschjaft haben sie sich gekauft. Genauso wie den Einfluss durch Al Jazeera.

Ein neuer Proxystaat für die Drecksarbeit? Einfach zu beeinflussen als Diktatur?

Schöne neue Freunde haben wir da.

Grosse Töne spucken Sie da!

Es ist ja leicht,sich einfach in einen weltfremden Humanismus zu flüchten und die Realitäten auszublenden:

DIe Seltenen Erden sind in der Hand von Diktaturen(China,Kasachstan) - obwohl man hier die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen droht, hat man letzlich keine Wahl.Der Aufruf "Merkel muss Nasarbajew" ermahnen, kling doch sehr hilflos.
icht umsonst ist die gross angekündigte werteorientierte Außenpolitik Merkels an den Realitäten gescheitert.Man kann auch in Dutschland keine Wahlen gewinnen,wenn der Benzinpreis bei 5€ ist.

Ehrlichkeit

DIe Seltenen Erden sind in der Hand von Diktaturen (China,Kasachstan). Man kann auch in Dutschland keine Wahlen gewinnen, wenn der Benzinpreis bei 5€ ist.

Gut, aber dann soll man sich keine seltsamen Stories ausdenken. Warum sagt man nicht einfach: Entweder wir erobern Syrien und danach den Iran oder das Benzin kostet in 3 jahren 5€ pro Liter.

Dann spart man sich den ganzen Aufwand und die Leute können sich entscheiden, ob Sie mit ein paar hunderttausend toten Iranern und Syrern leben können damit der Wochenendausflug weiter möglich ist.

Ich habe nicht gegen Wirtschaftsbeziehungen. Wenn wir mit Kazachstan oder auch dem Iran Geschäfte machen, haben wir vielleicht eine Chance Einfluss zu nehmen. Allerdings haben wir die nicht mit Sanktionen die nur zu Arbeit und Hunger führen in diesen Ländern. Warum reichen wir nicht die Gand und versuchen das diplomatisch zu regeln?

Wunder Werden Wahr !

Kaum zu glauben , dass so ein Bericht bei der Zeit-Online erscheint.
Endlich macht man sich auf die unheivolle Rolle Katars aufzuzeigen.
Guido Steinberg , der in diesem Artikel zitiert wird , ist ein wertvolle Person und man sollte ihn oefter zu Wort kommen lassen. Da er aber zu oft die positive Rolle des Iran in der Region hervorhebt wird er meist von der dt. MSM ignoriert.
Katar ist kein Land im herkoemmlichen Sinne , es ist ein grosses Oel und Gasfeld mit einer Flagge mittendrin.
Und die Flagge ist nicht die Flagge des Landes , sondern die des British Empire und Viele bezeichnen Al-Jazeera auch als "BBC-Light".

Endlich ein Artikel ...

der mal die unseligen Seiten der sogenannten "Revolutionen" aufzeigt. Im Endeffekt werden säkulare Systeme gestürzt, um islamistische Trutzburgen zu errichten. Unterstützt von steinreichen Herrschern aus Saudi-Arabien und Katar, die durch westliches Ölgeld aufgepäppelt wurden.
Das schlimmst aber ist, dass unterstützt durch die europäische Linke, die Nato noch ins Feld zieht, um dieser Einflussnahme in Libyen durchzusetzen.
Wie blöd sind wir eigentlich, Staatssysteme zu errichten, die unseren westlichen Verständnissen diametral entgegenstehen? Wie kommt die Linke mit dieser Selbstverlogenheit klar?

Ich bestreite nicht, ...

dass die Islamisten von der Mehrheit gewählt wurden. Aber was sagt das schon aus. Dass islamistische Bestebungen von einer Mehrzahl der Bevölkerung getragen werden, legitimiert das ganze noch lange nicht. Man vergisst häufig, dass zu einer Demokratie mehr dazugehört, als freie Wahlen. Es gehört eine gewisse aufgeklärte Historie, eine offene Kultur und ein säkulares Staatswesen dazu. In Europa ist ja auch häufig von der Kanzel bestimmt worden, wer gewählt werden soll.
Eine freie Meinungsäußerung der Bevölkerung muss nicht bedeuten, dass sich die Situation zwangsläufig zum besseren wendet. Wenn Scharia, Anti-Säkularisierung etc. dadurch zurückkehrt, ist es nun mal ein Rückschritt.
Freie Wahlen alleine sind das Papier nicht wert, auf denen die Stimmen abgegeben wurden.

Faire Wahlen

sind so fair, wie die soziale Marktwirtschaft sozial ist.
"...der prominente libysche Islamist Ali Sallabi fand hier Zuflucht, bis er im neuen Libyen eine islamistische Partei gründete. Die Rebellengruppe von Sallabis Bruders unterstützte Doha mit Waffen und Training ebenso wie andere islamistische Kräfte."
So fair ist das: Jeder hat die gleiche Chance bei Wahlen, nur dass die Einen BBC-Light als Unterstützung haben und die anderen leider, leider nicht an Wahlen teilnehmen dürfen, weil sie "Anhänger" Gaddafis waren oder sind.
Fair heisst, inhaltlich gleiche Chancen, nicht nur rein formal - ansonsten stimmt es, dass der Reiche sowohl wie der Arme das Recht hat, unter Brücken zu hausen.

Saudi Arabien ist das Vorbild!

Saudi Arabien macht es schon lange vor, wie vorbildliche Staaten in der islamischen Welt aussehen sollen. Man kauft massenweise Rüstungsgüter aus den USA und Europa und unterlässt natürlich jegliche Unterstützung für Terroristen (zumindestens keine offene Unterstützung). Als Gegenleistung darf man das eigene Volk unterdrücken, auf Wahlen verzichten und sogar den Nichtmuslimen den Eintritt in seine Städte verbieten. Und wenn man lange genug brav war, wird man von Frau Merkel und Herrn Obama besucht.

:-DDDD

Hahah, danke für den Link. Was hat Obama eigentlich anschließend mit dieser Ankerkette gemacht?

Katar taugt in keinster Weise als Vorbild, es ist eine absolute Monarchie, religiös extrem streng (dominiert vom Taliban-ähnlichen Wahabitismus) und wirtschaftlich total von Öl und Gas abhängig, da können noch so euphorische Werbespots auf CNN laufen, wo tolle Museen gezeigt werden und gut aussehende westliche Touristen flanieren.

Die Herrscher sind allerdings sehr clever, sie haben die Gründung Al Jazeeras gefördert, agieren/hinter den Kulissen der Arabischen Liga und fördern kräftig die ihrer Meinung nach "Rechtgläubigen" in aller Welt, aber in der Hauptsache gegen die in ihren Augen schiitischen Ketzer aus dem Iran. Mit soviel Einfluss hält man sich aus der medialen Schusslinie heraus