Afghanistan soll nach Vorstellung der Nato-Staaten nach einem Abzug der Isaf-Truppen seine Armee und Polizei stark verkleinern. Die Nato-Verteidigungsminister hätten über eine langfristig nachhaltige Größenordnung diskutiert. Über die genaue Größe werde aber erst auf dem Nato-Gipfel im Mai in Chicago entschieden, erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel .

Der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet sagte, eine vernünftige Zahl von Soldaten und Polizisten sei 230.000. Bislang ist der Plan, bis Ende 2012 die afghanischen Sicherheitskräfte von derzeit etwa 320.000 auf eine Stärke von gut 350.000 aufzustocken.

Afghanistans eigene Armee und Polizei sollen bis Ende 2014 allein für die Sicherheit des Landes sorgen können. Ab Mitte 2013 wären sie förmlich dafür zuständig, würden aber noch anderthalb Jahre von den Isaf-Truppen unterstützt, wenn notwendig auch bei Kampfeinsätzen. Über diesen Zeitplan hatte US-Verteidigungsminister Leon Panetta als erster hochrangiger Nato-Vertreter die Öffentlichkeit informiert.

Finanzierung von Geberländern abhängig

Auf dem Nato-Gipfel soll beraten werden, wie Afghanistan nach einem Abzug der Isaf-Kampftruppen unterstützt werden soll. Die Entscheidung über die Größe von Armee und Polizei für das Land mit seinen etwa 30 Millionen Einwohnern richtet sich daher nicht nur nach der Notwendigkeit, für Sicherheit sorgen zu können, sondern auch nach der Finanzkraft der Geberländer. Bisher wird ein Großteil der Kosten von allein 11,6 Milliarden Dollar in diesem Jahr von den USA gestemmt.

Die US-Regierung hat wegen der hohen Staatsschuldenlast aber gerade beschlossen, in den kommenden zehn Jahren fast eine halbe Billion im Verteidigungshaushalt einzusparen . Andere Nato-Staaten sind jedoch besorgt, dass ein schnelles Verkleinern der Armee Afghanistans nach ihrem rapiden Aufbau den Taliban neuen Zulauf verschaffen kann. "Das Problem ist, was die Leute tun sollen – man will keine große Zahl bewaffneter Arbeitsloser", sagte ein Nato-Diplomat.

Angst vor Unterwanderung der Armee

Außerdem will die Nato ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten, um eine Unterwanderung der afghanischen Armee durch die radikalislamischen Taliban zu verhindern. So solle die Rekrutierung von Kräften für die afghanische Armee besser kontrolliert werden. Einem kürzlich bekannt gewordenen Nato-Bericht zufolge gehen sechs Prozent der Todesfälle unter den Soldaten der Militärallianz auf Angriffe afghanischer Soldaten zurück. Daher müssten die Anstrengungen verstärkt werden, sagte Rasmussen.