FrankreichSarkozy steht ein harter Wahlkampf bevor

Präsident Sarkozy will für weitere fünf Jahre an der Spitze Frankreichs kandidieren. In Umfragen führt jedoch sein Herausforderer François Hollande.

Präsident Sarkozy im Studio des Fernsehsenders TF1

Präsident Sarkozy im Studio des Fernsehsenders TF1

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist offiziell in den Wahlkampf gestartet. "Ja, ich bin Kandidat", sagte der 57-Jährige in einem Live-Interview des Fernsehsenders TF1. Die Entscheidung sei nicht automatisch gefallen. "Ich wollte wissen, ob ich die Energie und die Stärke habe", sagte Sarkozy.

Er habe sich für die Kandidatur entschieden, weil er den Franzosen etwas zu sagen und "Vorschläge zu machen" habe, sagte Sarkozy. Frankreich könne nicht so tun, als ob die Krise sowie der Rest der Welt nicht existierten. "Wenn wir unser Sozialmodell behalten wollen, dann müssen wir Veränderungen vorantreiben." Zu der von ihm angestrebten Reform beim Arbeitslosengeld und anderen wichtigen Themen sollten die Franzosen in Referenden befragt werden.

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In den nächsten Tagen sind bereits mehrere Wahlkampfauftritte geplant: am Donnerstag in der ostfranzösischen Stadt Annecy und am Sonntag in der südfranzösischen Metropole Marseille. Der Slogan seiner Wahlkampagne soll "Starkes Frankreich" sein, wie es in Kreisen der Regierungspartei UMP hieß. Sarkozy versicherte, dass er sich auch nicht nur an das rechte Lager wende: "Ich brauche alle Franzosen."

Die Ankündigung von Sarkozys Kandidatur fiel mit dem zweiten großen Wahlkampf-Auftritt seines Konkurrenten François Hollande zusammen. Der Sozialist warb vor mehr als 10.000 Anhängern im nordwestfranzösischen Rouen für sich. Dort ist der 57-Jährige aufgewachsen. Hollande nannte Sarkozys erste Amtszeit "ein Fiasko".

Hollande in Umfragen vorne

Seit Wochen war in Frankreich darüber spekuliert worden, wann und wie Sarkozy seine Kandidatur bekanntgeben würde. Weil der konservative Präsident in den Umfragen deutlich hinter seinem sozialistischen Herausforderer Hollande liegt, war er aus dem eigenen Lager dazu gedrängt worden, seine Kandidatur nicht erst Ende Februar oder Anfang März, sondern früher anzukündigen.

Der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive zufolge liegt Hollande derzeit bei 28 Prozent der Wählerstimmen im ersten Wahlgang, Sarkozy bei 24 Prozent. In einer Stichwahl im zweiten Wahlgang käme Hollande demnach auf 57 Prozent und der Präsident nur auf 43 Prozent.

Die französischen Präsidentschaftswahlen beginnen am 22. April mit dem ersten Wahlgang, der zweite ist für den 6. Mai angesetzt. Zu den prominentesten Unterstützerinnen von Sarkozy im Ausland gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Funktion als CDU-Vorsitzende will sie Sarkozy sogar bei Wahlkampfauftritten unterstützen. Die SPD will hingegen trotz politischer Differenzen dem sozialistischen Kandidaten Hollande helfen.

 
Leserkommentare
  1. Herr Sarkozy ist mit seiner Pro-Deutschland Kampagne lauzt Umfragen schlecht gefahren. Nun wird, damit er wiedergewählt wird, eben was anderes versucht. Wie das nunmal ist bei Rückgradloser Politik, die auf maximale persönliche Macht aus ist. Nun verschreibt sich der Präsident den glorreichen "Konservativen Werten" und möchte Homosexuelle vor dem Gesetz weiterhin Ungleich halten. Weder sollen sie heiraten noch Kinder adoptieren können. Denn Studien haben ja gezeigt, dass diese Menschen nicht in der Lage sind Kinder gesund aufzuziehen. Stop. Nein, Studien haben das Gegenteil gezeigt. Aber egal. Konservative müssen offenbar gegen Homosexuelle sein, weil das ist ja eine Minderheit und die Ehe gehört nunmal der konservativen Mehrheit oder so und Kinder auch...ähm...ich wünschte Sarkozy und Konsorten würden ihre Anti-Homosexuellen Haltung mal nachvollziehbar und belegt erklären.

    Stattdessen sehe ich nun, dass die eine inhaltliche Strategie nicht geklappt hat und man nun eben was anderes ausprobiert. Dass dadurch Kinder von Homosexuellen weiterhin das Gefühl haben müssen, dass mit ihnen und ihrer Familie etwas nicht stimmt ist da egal. Dass Menschen weiterhin nicht einander in Liebe heiraten können ist da auch egal. Hauptsache der Konservativismus siegt. Hauptsache Merkozy bleibt erfolgreich. Ungeachtet der Lebensrealität der von dieser "Politischen Heimat" geschröpften Menschen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Sarkozy rückt als aller erstes Mal nach rechts, um sich ein paar Stimmen bei der Front National zu holen:

    Nun will Sarkozy als „Präsident des Volkes für das Volk“, wie es ein Berater formuliert, in den Wahlkampf ziehen. Nicht mehr der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sei sein Vorbild, heißt es, sondern der frühere US-Präsident George W. Bush, der 2004 seine Wiederwahl in Opposition zu den Eliten gewann. Jeden Tag werde er „mit neuen Ideen“ für Überraschungen sorgen.

    http://www.tagesspiegel.d...

    Na dann hoffen wir mal, dass die Umfragen so bleiben. Das letzte was Europa gebrauchen kann ist ein französischer G.W. Bush.

    Ich sehe generell kein Zukunft für Europa bzw. befürchte den kompletten Niedergang der demokratischen Unterstützung für das Staatengebilde, wenn Personen wie Sarkozy oder auch Frau Merkel an der Macht bleiben.

  3. Wenn man François Hollande als Sozialisten bezeichnet, müsste man dann nicht auch die SPD sozialistisch nennen? Ja, seine Partei heißt Parti socialiste, aber das ändert nichts daran, dass die korrekte Bezeichnung für sein politisches Lager sozialdemokratisch ist. Dem Sozialismus, d. h. der Planwirtschaft und dem Kommunismus als Ziel, hängt Hollande meines Wissens nach nicht an.

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