Einen Monat vor der russischen Präsidentenwahl sind in Moskau Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um eine faire und freie Abstimmung zu fordern. Im Zentrum der Hauptstadt versammelten sich die Demonstranten bei minus 20 Grad Celsius zu einem Protestmarsch gegen Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin . Die Behörden gaben die Zahl der Demonstranten mit 34.000 an. Das wären mehr als bei den Protesten am 10. und 24. Dezember. Die Organisatoren der Demonstration sprachen von mindestens 100.000 Teilnehmern.

Die Demonstranten trugen weiße Luftballons und Bänder als Zeichen für einen friedlichen politischen Wandel in Russland . "Wir werden demonstrieren, bis sie gehen", war mit Blick auf Putin und Präsident Dmitri Medwedew auf Transparenten zu lesen. "Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt – Linke, Rechte, Nationalisten, alle", sagte Antikorruptionsaktivist Alexej Nawalni, der zu den bekanntesten Vertretern der Protestbewegung gehört.

Staatsbedienstete zu Pro-Putin-Aktion gezwungen

Bei einer Gegenkundgebung von Anhängern Putins protestierten vor allem Beschäftigte von Staatsunternehmen. "Putin ist super!" und "Chaos – nein, Putin – ja!" war auf Transparenten zu lesen. Das Innenministerium sprach von 100.000 Teilnehmern. Putin hatte am Vorabend gesagt, er danke seinen Unterstützern für die Initiative. Er sei wie sie gegen eine Revolution, sagte der Regierungschef. Zuvor hatten Medien berichtet, Beschäftigte von staatlichen Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern seien zur Teilnahme an der Pro-Putin-Aktion gezwungen worden.

Die Führung in Moskau sieht sich seit der Parlamentswahl am 4. Dezember mit der größten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde. Putins Gegner fürchten, dass der Regierungschef, der nach zwei Amtszeiten von 2000 bis 2008  erneut als Präsident kandidiert , mit einer gefälschten Wahl zum dritten Mal in den Kreml einzieht. Die Opposition fordert auch die Zulassung des ausgeschlossenen Oppositionspolitikers Grigori Jawlinski zur Wahl.

Die Behörden hatten erstmals einen Protestzug der Opposition mit angemeldeten 50.000 Demonstranten durch das Zentrum zugelassen. Bislang waren lediglich Kundgebungen für bis zu 30.000 Teilnehmer erlaubt. 9.000 Sicherheitskräfte waren in Moskau im Einsatz. Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen russischen Städten Kundgebungen der Opposition mit insgesamt mehreren Tausend Teilnehmern.