Die Vollversammlung der Vereinten Nationen soll sich auf Initiative von Saudi-Arabien mit der Lage in Syrien befassen. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf diplomatische Quellen. Nachdem zuvor eine Resolution im UN-Sicherheitsrat gescheitert war , will Saudi-Arabien nun dem Plenum ein ähnlich formuliertes Dokument vorlegen, das jedoch nur eine geringe Schlagkraft hätte.

Die Vollversammlung kann zwar offiziell Verurteilungen aussprechen , sie haben aber rein appellativen Charakter. Sanktionen kann nur der Sicherheitsrat beschließen. Das Gremium der 15 Staaten, darunter in diesem Jahr noch Deutschland, hatte sich aber nicht auf eine Resolution einigen können. Ein Entwurf, der ebenfalls keine Strafmaßnahmen enthielt, war am vergangenen Samstag am Veto Russlands und Chinas gescheitert .

Der dreiseitige saudische Entwurf verurteilt nach CNN-Angaben die Verletzung von Menschenrechten durch das syrische Regime scharf. In dem Papier sei die Rede von dem Einsatz von Gewalt gegen Zivilisten, willkürlichen Hinrichtungen, der Tötung und Verfolgung von Protestierenden, Verteidigern von Menschenrechten und Journalisten. Zudem enthalte der Entwurf Begriffe wie willkürliche Festnahmen, Folter, sexuelle Gewalt und Misshandlungen. Auch Vertreter des oppositionellen syrischen Nationalrats hatten eine Resolution durch die Vollversammlung ins Gespräch gebracht.

Nach Gefechten am Freitag wieder über hundert Tote

Die Menschenrechtskommissarin Navi Pillay soll am Montag die Vollversammlung über die Situation in dem Land unterrichten. Die Südafrikanerin ist dabei allerdings auf Berichte aus zweiter Hand angewiesen.

Laut Oppositionellen verschieben sich die Gefechte zwischen Gegnern und Anhängern von Präsident Baschar al-Assad zunehmend in Richtung des Zentrums von Damaskus . So hätten sich Regierungstruppen und Deserteure am Samstagmorgen im Vorort Reef Schusswechsel geliefert. Auch Granateinschläge seien zu hören gewesen. Seit Beginn der Unruhen hätten die Kämpfe noch nie so nahe an der Innenstadt Damaskus stattgefunden, hatte es zuvor geheißen.

Zu Kämpfen kam es am Samstagmorgen auch in Homs und Al-Kusair an der libanesischen Grenze. Nach Al-Kusair waren zuvor zahlreiche Aktivisten aus Homs geflüchtet, sagte ein Oppositioneller. Nun stehe die Stadt unter schwerem Beschuss. Zudem werde auch Homs weiter stark von Panzern und Raketen beschossen. Nach Angaben von Oppositionsgruppen wurden in Syrien am heutigen Samstag bislang mindestens 26 Menschen getötet.

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In der Stadt Homs ging der Dauerbeschuss durch Regimetruppen weiter. Am Freitag starben im ganzen Land etwa 110 Menschen, berichtete CNN unter Berufung auf Aktivisten . Die Vereinten Nationen schätzen, dass etwa 6.000 in dem fast einjährigen Konflikt ums Leben gekommen sind. Örtliche Koordinierungskomitees gehen dagegen von mehr als 7.300 Toten aus.

Die Zahl der Opfer von zwei gewaltigen Bombenanschlägen am Freitag in Aleppo stieg auf 30. Nach Angaben von Ärzten wurden 200 Menschen verletzt. Staatliche Medien hatten berichtet, die Sprengsätze seien von zwei Selbstmordattentätern gezündet worden. Diese Angabe wies die Opposition zurück, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera .