GroßbritannienCameron versucht Schottland zu halten

Der britische Premier David Cameron bietet den Schotten mehr Rechte, um eine Sezession zu verhindern. Ein Treffen mit dem schottischen Regierungschef endete fruchtlos. von afp und dpa

Der britische Ministerpräsident David Cameron in Edinburgh, Schottland

Der britische Ministerpräsident David Cameron in Edinburgh, Schottland  |  © Jeff J Mitchell/WPA Pool/Getty Images

GroßbritanniensPremierminister David Cameron hat den Schotten größere Selbstbestimmungsrechte in Aussicht gestellt. Sollten die Menschen in der nordbritischen Region auf eine Unabhängigkeit von Großbritannien verzichten, könnten der Regionalregierung weitere Befugnisse übertragen werden. Das versprach Cameron nach einem Treffen mit dem schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond, ohne dabei ins Detail zu gehen. Während der Gespräche hatte es nach Darstellung Camerons "wenige Fortschritte" gegeben.

In Umfragen sprechen sich derzeit knapp 40 Prozent der Schotten für eine vollständige Unabhängigkeit aus, eine deutliche Mehrheit ist für mehr Selbstbestimmung. Nach dem Willen der Regionalregierung in Edinburgh soll es im Jahr 2014 zum Volksentscheid kommen. Es war das erste Zusammentreffen von Salmond und Cameron, seit der Streit um die Unabhängigkeit Schottlands nach der Regionalwahl im vergangenen Mai ausgebrochen war.

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Cameron wandte sich mit einem glühenden Appell für die Einheit Großbritanniens an die Schotten. "Ich hoffe und wünsche, dass die Menschen in Schottland sich für den Verbleib im Vereinigten Königreich aussprechen", sagte Cameron. Er werde für das "Überleben Großbritanniens" kämpfen. Schottland sei als Teil Großbritanniens "stärker, reicher, fairer und besser geschützt", sagte er. Wie Schottland profitierten auch die anderen Landesteile England , Nordirland und Wales von der Kraft des Vereinigten Königreichs, sagte der Premier. Schottland wurde mit dem sogenannten Act of Union aus dem Jahr 1707 Teil von Großbritannien.

Camerons Argumente seien "abgedroschen"

Die schottische Nationalpartei SNP hatte mit einem auf die Unabhängigkeit von London ausgerichteten Wahlkampf im vergangenen Mai gesiegt und führt im Regionalparlament in Edinburgh mit absoluter Mehrheit die Geschäfte. Mit der Zentralregierung in Westminister liegt der schottische Ministerpräsident Salmond über Details des Referendums im Streit, etwa über den Zeitpunkt und die Formulierung der Frage auf dem Wahlzettel. Der Volksentscheid an sich wird von Westminster inzwischen nicht mehr infrage gestellt.

Die Befürworter der Unabhängigkeit glauben, dass Schottland ohne den Rest Großbritanniens besser gestellt wäre. Vor allem die Steuermilliarden aus dem Nordseeöl – die britischen Vorkommen lagern fast ausschließlich vor der schottischen Küste – müssten dann nicht mehr nach London abgeführt werden.

Cameron entgegnete, Schottland profitiere etwa davon, dass es über Großbritannien eine Stimme im Weltsicherheitsrat habe und von einer der stärksten Armeen der Welt geschützt werde. Eine Abspaltung werde auch Rückwirkungen auf die Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union und der Nato haben, fügte Cameron hinzu. Salmond sagte, Camerons Argumente seien "abgedroschen" und für die meisten Schotten bedeutungslos.

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Leserkommentare
    • k2
    • 17. Februar 2012 1:28 Uhr

    Die Legionen Roms holten sich in Schottland einen Schnupfen
    und blieben dort erfolglos. Edinburgh war Stronghold des Lordkanzlers, welcher hierarchisch einst der Vorgesetzte
    selbst der englischen Monarchen war. Seine Machtbasis reichte bis nach Savoyen. Die Schotten sind ein stolzes Volk von Freiheitsdurst durchdrungen :

    http://www.youtube.com/watch?v=CKT7qxk9-pw&feature=related

  1. *Schottland profitiere etwa davon, dass es über Großbritannien eine Stimme im Weltsicherheitsrat habe und von einer der stärksten Armeen der Welt geschützt werde.*

    Dass die Schotten *ihre* Stimme (über Großbritannien) dann nicht mehr im Weltsicherheitsrat wahrnehmen können, wird die Schotten sicher sehr hart treffen und der Schutz einer der stärksten Armeen der Welt (laut Cameron) wird den geschichtsvergessenen Schotten sicher auch extrem fehlen.

    Cameron hat also Topargumente und Schottland bleibt damit ewiglich dem Herrschaftsbereich der Engländer einverleibt, wie auch Nord-Irland, ohne Zweifel.

  2. Natürlich sind die Engländer gegen den Austritt der Schotten aus GB: Ohne die Erdölvorkommen vor deren Küste bricht ihnen ein weiteres ökonomisches Standbein weg. Selbst Cameron dürfte klar sein, dass Dienstleistungen und Finanzgeschacher allein keine Grundlage für eine stabile Volkswirtschaft bilden können.

    • the0ne
    • 17. Februar 2012 17:11 Uhr

    vor wem die Schotten beschützt werden sollen, bzw. wer sollte sie angreifen nach einem Austritt aus GB, oder was denen die Stimme nütz. Ich denk mal so als kleines unabhängiges Land hätten die es gut in Europa.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte David Cameron | Großbritannien | Nato | Schottland | Ministerpräsident | Premierminister
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