StudieSchwellenländer sichern Umsatz der Rüstungsbranche

Das Geschäft mit Waffen kennt keine Krise. Vor allem Saudi-Arabien rüstet verstärkt auf – auch mit Kampfgerät aus Deutschland. von 

Drohende Staatspleiten, sinkende Wehretats, einbrechende Börsenindizes und Währungskrisen konnten das Geschäft der 100 größten Rüstungsunternehmen und Militärfirmen der Welt nicht stören. Sie erwirtschafteten im Jahr 2010 gemeinsam einen Umsatz von 411 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt das schwedische Friedensforschungsinstitut Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) in seinem Jahresbericht, der am heutigen Montag veröffentlicht wird. Im Vergleich zu 2002 ist das ein Anstieg um 60 Prozent.

Die zurückgehenden Rüstungsausgaben der Nato-Staaten glichen die westlichen Waffenhersteller mit steigenden Exporten in Schwellenländer wie Saudi-Arabien , Brasilien und Indien aus. Auch die Kriege in Afghanistan und Irak sorgten 2010 für zahlreiche Aufträge an amerikanische und britische Rüstungsunternehmen. Im vergangenen Jahr brachten die westlichen Luftangriffe auf Libyen neue Einnahmen. Nach wenigen Tagen hatten die europäischen Nato-Staaten bereits Nachschubprobleme und mussten Raketen, Bomben und Munition bestellen.

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An der Spitze der Sipri-Liste steht wie auch im Jahr 2009 der US-Konzern Lockheed Martin, der fast 36 Milliarden US-Dollar mit Waffenverkäufen umsetzte. Der Rüstungsriese produziert vor allem Kampfjets, Raketen und Drohnen . Hinter Lockheed Martin folgen das britische Unternehmen BAE Systems und der amerikanische Luftfahrtkonzern Boeing, die mit ihren Rüstungssparten rund 33 und 31 Milliarden US-Dollar Umsatz machten. Unter den 100 größten Rüstungsunternehmen kommen 44 aus den Vereinigten Staaten und 30 aus Westeuropa.Auch die 19 umsatzstärksten Rüstungsunternehmen der Welt stammen aus Nato-Staaten.

Russlands Rüstungsindustrie erlebe einen Konsolidierungsprozess, schreiben die Sipri-Experten. Almaz-Antei, ein russischer Raketenhersteller, schob sich auf Platz 20 der Liste vor. Russische Waffenproduzenten verkauften ihre Produkte unter anderen nach Afghanistan, Aserbaidschan und Irak. Vor Kurzem empörte Moskau die Weltgemeinschaft, als bekannt wurde, dass Russland trotz der Unruhen in Homs und anderen Städten das Assad-Regime weiter mit Kriegsgerät beliefert: Darunter waren auch Raketen.

Hinter den Vereinigten Staaten und Russland liegt Deutschland auf Platz drei der größten Rüstungsexporteure. Dennoch zählen die Waffenhersteller aus Deutschland weltweit nicht zu den Großen der Branche. Das größte deutsche Rüstungsunternehmen Rheinmetall liegt auf Rang 31 der Sipri-Liste. Der Fahrzeugbauer, der unter anderem den Schützenpanzer Puma und weitere Bundeswehrfahrzeuge produziert, erwirtschafte mit seiner Rüstungssparte einen Umsatz von fast 2,7 Milliarden US-Dollar. Gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann (Platz 52), Diehl (63), MTU (100) produziert Rheinmetall den Kampfpanzer Leopard 2, der bei zahlreichen Nato-Staaten im Einsatz ist. Politisch umstritten ist ein Verkauf von 270 Leopard 2 A7+ an Saudi-Arabien . Das Königreich verhandelt mit den Deutschen über eine Lieferung. Sollte der Milliardendeal zustande kommen, dürften die deutschen Rüstungsunternehmen einige Plätze auf der Liste nach oben rücken. Am Sonntag demonstrierten in Berlin Rüstungsgegner aus der Friedensbewegung gegen den Panzerdeal.

Auch der europäische Konzern EADS , dessen Rüstungssparte Cassidian in Süddeutschland produziert, schloss 2009 einen Milliardendeal mit dem saudischen Königreich ab. EADS baut dort eine Hightech-Grenzanlage auf. Die EADS-Töchter Airbus und Eurocopter fertigen neben zivilen Maschinen auch Transport- sowie Tankflugzeuge und Kampfhubschrauber für das Militär.

Die amerikanischen Rüstungskonzerne dürften dennoch in den kommenden Jahren ihre Dominanz behalten. Sie machten in 2010 rund 60 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kriegsgerät. Vor Kurzem bestätigten US-Präsident Barack Obama und der Kongress einen Rekorddeal der Waffenbranche. Die Amerikaner rüsten Saudi-Arabien künftig noch stärker gegen den Iran auf: Riad wird in den nächsten 15 Jahren Kriegsgerät für rund 60 Milliarden Dollar aus den Vereinigten Staaten bekommen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • WiKa
    • 27. Februar 2012 16:21 Uhr

    So ein Beitrag sollte uns doch eher nachdenklich stimmen, aber am Ende lernen wir nur wieder, wenn es gut ist fürs Geschäft und man daran verdienen kann, dann muss es gut sein. Das damit produzierte Elend eröffnet dann weiteres Geschäftspotential für Entwicklungshilfe und weitere integrative Maßnahmen zur Einbindung auch dieser Völker in den allgemeinen Elendskreislauf. Insbesondere die kreditfinanzierten Rüstungsexporte in diese Länder scheinen „überlebenswichtig“ zu sein. Zwar nicht für die Völker, wohl aber für unser System.

    Mich beschleicht eine mächtige Wut wenn ich diesen Zirkus aus menschlicher Sicht analysiere. Im Umkehrschluss erkennt man umso mehr wie kaputt unser System ist und wie weit die an sich so hochgelobten Tugenden hierzulande zur reinen Farce verkommen. Statt positive Bilanzen zu bejubeln kann man sich eher nur in Grund und Boden schämen was im Rahmen reiner Machtpolitik so alles veranstaltet wird. Ich muss schon richtig an mich halten um nicht restlos aus der Haut zu fahren. Ich ersäufe dann den Frust in noch schwärzerem Humor, mit einer Betrachtung zur: <a href="http://qpress.de/2010/07/02/moderne-kriegsfuhrung/"><strong>„Modernen Kriegsführung“</strong> … Link</a>, einer allerdings realen Beschreibung zur Bedeutung des Menschen bei diesen Kriegsspielen, als reines Verbrauchsgut und nachwachsender Rohstoff und additives Mittel zur Verwirklichung dieser tollen Verkaufsstatistiken, welches es kostenfrei stets dazu gibt.

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    • Xdenker
    • 28. Februar 2012 2:20 Uhr

    Deutschland muss entscheiden, was es will. Wenn Technologiekompetenz auch bei Militärtechnik als strategisch bedeutsam angesehen wird, brauchen wir Unternehmen, die derartiges herstellen. Solche Unternehmen kann es aber nur geben, wenn sie das, was sie produzieren auch verkaufen können. Der deutsche Eigenbedarf an Waffen ist auf jeden Fall zu gering, um ihnen eine Existenz zu ermöglichen. Andererseits: So lange die meisten Staaten dieser Erde über Streitkräfte verfügen, werden diese sich die gewünschten Rüstungsgüter verschaffen, von woher auch immer. Die Frage, ob es deutsche Rüstungshersteller gibt oder nicht, ist dafür unerheblich. Warum sollten sie einen Teil ihrer Rüstungsgüter dann nicht auch bei deutschen Unternehmen, unter dem Vorbehalt einer entsprechenden Genehmigung durch die Bundesregierung, kaufen können? Das macht die Welt jedenfalls nicht schlechter oder kriegerischer als sie ist.

    @3: Die Saudis fliegen seit Neuestem die Typhoon. http://www.eurofighter.com/eurofighter-typhoon/programme/eurofighter-jag...

  1. 2. krank

    der Mensch ist auch nit lernfähig 2 kriege hinter sich wo millionen starben und jetzt wird auf den 3ten gerüstet und gehortet aber nach dem 3ten weltkrieg werden wir es wohl endlich kapieren das man die energie die in waffen investiert sind auch in sinvolleres stecken kann.

  2. ...von der F35 könne die Saudis nur träumen ! Ihre letzte Charge waren F15-Jets (Top Gun, hihi !!)also über 30 Jahre alt ! Das reicht zum Krieg spielen aber nicht zum Krieg führen ! Die USA verkaufen niemals richtiges Kriegsgerät, sondern nur veraltete Ausschussware, so dass sie die Region jederzeit unter Kontrolle bekommen können.
    Aber was solls ? Saudi Arabien kann es sich leisten !

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    • felix78
    • 27. Februar 2012 17:06 Uhr

    um mal einen dummen vergleich zu wagen, amerikas rüstung ist der ferrari unter den militärs, wenn die paar opel mantas verkaufefn sind die immernoch besser und schneller als trabis..^^ also was ich damit sagen will, vieleicht sind die waffen veraltet, aber in dieser region wahrscheinlich highttech. wobeio ich einschränken möchte das ich keine ahnung von rüstung usw habe.

    aber letzt endlich ist es den opfern egal ob sie von veralteten kampfjet bomben zerfetzt werden, von hightech jägern oder schnöden gewehren.

    • okmijn
    • 27. Februar 2012 17:16 Uhr

    "von der F35 könne die Saudis nur träumen"

    Schauen Sie nochmal auf die ganzen kleinen Flaggen am rechten Lufteinlass. Das sind die Staaten die noch alle von der F-35 träumen - die meisten mittlerweile allerdings in Alpträumen über die katastrophalen Flugeigenschaften, die Herstellungsprobleme und den erwarteten Wartungsaufwand. Die F-15 (Topgun ist übrigens F-14 und tatsächlich ausgemustert) hat nebenbei die beste tatsächliche Einsatzbilanz aktuell im Einsatz befindlicher Kampfflugzeuge.

    In den USA wird darüber gestritten wie man angesichts der wahnwitzigen Kosten sowohl in Anschaffung als auch im Betrieb der F-22 sowie der (unterschiedlichen) Schwächen von F-22 und F-35 die Wartezeit bis zur Verfügbarkeit echter Nachfolger von F-15, F-16 und F-18 überbrücken soll.

    Und für den tatsächlichen Krieg (außer gegen die USA und Russland) sind diese drei, die alle nach Saudi Arabien lieferbar sind, die relevanten Typen. Wenn Sie das anders beurteilen können Sie ja mal ausführen welche überlegenen Alternativen die möglichen anderen Konflikparteien haben.

    • felix78
    • 27. Februar 2012 17:06 Uhr

    um mal einen dummen vergleich zu wagen, amerikas rüstung ist der ferrari unter den militärs, wenn die paar opel mantas verkaufefn sind die immernoch besser und schneller als trabis..^^ also was ich damit sagen will, vieleicht sind die waffen veraltet, aber in dieser region wahrscheinlich highttech. wobeio ich einschränken möchte das ich keine ahnung von rüstung usw habe.

    aber letzt endlich ist es den opfern egal ob sie von veralteten kampfjet bomben zerfetzt werden, von hightech jägern oder schnöden gewehren.

    Antwort auf "Na ja ...."
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    ...wenn man nur Low Tec - Waffen exportiert, ist der Empfänger nicht in der Lage zurückzubeissen :) ! Abgesehen davon ist Israel der einzige Staat in der Region, der rüstungstechnisch up to date ist. Panzer, Kriegsschiffe und dergleichen befriedigen heutzutage nur noch den Besitzerstolz.

  3. Ob die Überschrift nicht eigentlich,
    Das Geschäft mit Waffen braucht eine Krise heißen sollte ?

    http://www.youtube.com/watch?v=HLpPoXQDhVs

    vielleicht sollte man sich nochmal die vergessenen Warnungen von Eisenhower und Kennedy, vor der Macht des militärisch industriellen Komplexes in leben rufen.

    • okmijn
    • 27. Februar 2012 17:16 Uhr

    "von der F35 könne die Saudis nur träumen"

    Schauen Sie nochmal auf die ganzen kleinen Flaggen am rechten Lufteinlass. Das sind die Staaten die noch alle von der F-35 träumen - die meisten mittlerweile allerdings in Alpträumen über die katastrophalen Flugeigenschaften, die Herstellungsprobleme und den erwarteten Wartungsaufwand. Die F-15 (Topgun ist übrigens F-14 und tatsächlich ausgemustert) hat nebenbei die beste tatsächliche Einsatzbilanz aktuell im Einsatz befindlicher Kampfflugzeuge.

    In den USA wird darüber gestritten wie man angesichts der wahnwitzigen Kosten sowohl in Anschaffung als auch im Betrieb der F-22 sowie der (unterschiedlichen) Schwächen von F-22 und F-35 die Wartezeit bis zur Verfügbarkeit echter Nachfolger von F-15, F-16 und F-18 überbrücken soll.

    Und für den tatsächlichen Krieg (außer gegen die USA und Russland) sind diese drei, die alle nach Saudi Arabien lieferbar sind, die relevanten Typen. Wenn Sie das anders beurteilen können Sie ja mal ausführen welche überlegenen Alternativen die möglichen anderen Konflikparteien haben.

    Antwort auf "Na ja ...."
  4. Nicht nur Saudi-Arabien setzt auf "Made in Germany", sondern auch Südafrika. Interessant ist hierbei, dass deutsche Rüstungskonzerne zunehmend Anteile an südafrikanischen Waffenherstellern erwerben, um somit auf Dauer ihre Position im südlichen Afrika sicherzustellen: http://wp.me/pNjq9-1JP. In Saudi-Arabien ist dies hingegen nicht zu beobachten.

  5. ...deutsches Geld, schaffen Ordnung in der Welt!

    Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Artikeldiskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/lv

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  • Quelle Tagesspiegel
  • Schlagworte Studie | Umsatz | Barack Obama | EADS | Puma | Drohne
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