Bürgerkrieg in Syrien : Russland wirft Westen Bewaffnung der Opposition vor

Russland hält weiter treu zu Assad: Der Vize-Außenminister hat dem Westen vorgeworfen, die Opposition anzustacheln und zu bewaffnen. Er droht mit drastischen Maßnahmen.

Russland hat den Westen beschuldigt, die syrische Opposition mit Waffen zu beliefern. Westliche Staaten würden Gegner von Präsident Baschar al-Assad darüber hinaus zu kompromisslosem Vorgehen anstacheln und ihnen Anweisungen erteilen, sagte der stellvertretende Außenminister Sergej Ryabkow. Bestimmte Länder nannte er aber nicht. Ryabkow drohte "drastische Maßnahmen" seiner Regierung an, sollte der Westen sich über den Sicherheitsrat weiter in innere Angelegenheiten Syriens einmischen.

Die Vorwürfe Russlands ähneln der Argumentation der syrischen Regierung: Auch sie macht das Ausland für die Gewalt mitverantwortlich. Russland ist einer der letzten Verbündeten Assads und steht wegen Waffenlieferungen an das Regime international in der Kritik. Zudem verhinderte Russland zusammen mit China im UN-Sicherheitsrat eine Resolution , die die Gewalt der syrischen Regierung verurteilen sollte.

Das Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) hat den Sicherheitsrat nun aufgefordert, in Syrien verübte Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Internationalen Strafgerichtshof ( IStGH ) zu bringen. Der UNHCR-Sprecher Rupert Colville sagte, von einem solchen Vorgehen werde eine "sehr, sehr starke Botschaft" ausgehen. Auch die UN-Vollversammlung will sich in der kommenden Woche mit der Situation in Syrien befassen. Dazu hat die Vertretung der Mitgliedsländer Menschenrechtskommissarin Navi Pillay geladen.

Zahlreiche Tote bei Anschlägen in Aleppo

In Syrien hält die Gewalt unvermindert an. Am Freitag wurden bei Bombenanschlägen auf Gebäude der Sicherheitskräfte in der Wirtschaftsmetropole Aleppo mindestens 30 Menschen getötet, etwa 200 weitere sollen verletzt worden sein. Die syrische Regierung und Opposition warfen sich gegenseitig vor, für die Anschläge verantwortlich zu sein.

Die Freie Syrische Armee bestritt aber jede Beteiligung. Der Sekretär des Kommandeurs der Truppe, Oberst Riad al-Asaad, sagte: "Wir haben keinerlei Verbindung zu diesen Anschlägen und wir besitzen auch nicht einmal die Art von Sprengstoff, die man dafür braucht. Wir haben nur Panzerfäuste und automatische Schusswaffen." Die Opposition vermutete vielmehr ein Komplott von Angehörigen des Regimes, weil in Aleppo der Widerstand gegen Assad gewachsen sei. Augenzeugen berichteten von verdächtigem Verhalten der syrischen Sicherheitskräfte unmittelbar vor den Explosionen.

© ZEIT ONLINE

Oppositionskämpfer Asaad räumte allerdings ein, dass es kurz vor dem Doppelanschlag am gleichen Ort ein Gefecht zwischen den Regierungstruppen und den Deserteuren gegeben habe. Die sogenannte Freie Syrische Armee ist eine von zwei größeren Vereinigungen fahnenflüchtiger Soldaten der syrischen Armee. Ihre Führung operiert von der türkischen Provinz Hatay aus.

Homs bereitet sich auf Offensive vor

Bislang sind bei dem seit fast einem Jahr anhaltenden Aufstand gegen Assad nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 6.000 Menschen ums Leben gekommen. Der Opposition zufolge könnte es aber bereits deutlich mehr Opfer geben haben. Die Angaben aus Syrien lassen sich nicht überprüfen, weil für internationale Journalisten keine unabhängige Berichterstattung möglich ist.

In der besonders stark umkämpften Stadt Homs bereiteten sich Armee-Deserteure auf die Abwehr eines Angriffs der syrischen Regierungstruppen vor. Dort sollen bei Kämpfen allein am Donnerstag mehr als 50 Menschen getötet worden sein. In einer nächtlichen Kundgebung bekundeten trotzdem zahlreiche junge Menschen den Willen, Assad standzuhalten.

Vertreter der syrischen Opposition forderten die internationale Gemeinschaft auf, gegen das Blutvergießen einzuschreiten und härtere Sanktionen gegen die Regierung zu verhängen. Die Staatengemeinschaft müsse gemeinsam intervenieren, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten, sagte Ferhad Ahma vom Syrischen Nationalrat (SNC) in Berlin . Die Bundesregierung rief er dazu auf, den syrischen Botschafter auszuweisen und die Botschaft zu schließen. Deutschland dürfe keine diplomatischen Beziehungen zu einem mörderischen Regime unterhalten. Zugleich forderte Ahma mehr humanitäre Hilfe. So benötigten die Menschen in Homs dringend Medikamente.
 

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Kommentare

151 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Zustimmung

Ich kann in diesem Fall Russland nur zustimmen.

Zwar habe ich persönlich keine Quellen auf die ich mich beziehen kann aber ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass der Westen oft versucht hat "Politik" zu betreiben mit Hilfe von Söldnern usw.. Bspw in Afghanistan.

Ich hoffe sehr, dass die zivile Bevölkerung hier und auf der ganzen Welt die Situation endlich durchschaut.

Mfg

Waffenlieferungen

Ja, Russland mischt sich natürlich nicht in die inneren syrischen Angelegenheiten ein. Waffenlieferung an die Regierung zählen offenbar nicht.

Es ist wirklich furchtbar mit anzusehen, was in Syrien passiert.
@ vishal
Ich würde gerne die Situation in Syrien endlich durchschauen. Kann ich leider nicht, denn dazu fehlen mir sichere Quellen - ich weiß nur, dass dort jeden Tag wirklich schlimme Dinge passieren und die ganze Welt einfach nur zusieht bzw. nur zusehen kann.
Von einer einzigen gültigen Wahrheit zu sprechen finde ich nicht angebracht.

Wenn Sie von "durchschaut"....

....reden, wurde mich interessieren, was Sie damit meinen. Meinen Sie es wäre in Ordnung die Menschen zu töten, damit sie ihren Diktator nicht abwählen? Dass sie sich nicht wehren dürfen? Oder erinnern Sie sich nicht, dass der werdende Bürgerkrieg als Demonstration begann und nach Monaten zunehmender Brutalität der Ordnungskräfte erst langsam eskalierte? Oder finden Sie es einfach ok Araber zu unterdrücken?

Wählen dürfen die Syrer

Meinen Sie es wäre in Ordnung die Menschen zu töten, damit sie ihren Diktator nicht abwählen? Dass sie sich nicht wehren dürfen? Oder erinnern Sie sich nicht, dass der werdende Bürgerkrieg als Demonstration begann und nach Monaten zunehmender Brutalität der Ordnungskräfte erst langsam eskalierte? Oder finden Sie es einfach ok Araber zu unterdrücken?

1. Wählen dürfen die Syrer. Sie müssen nur noch wenige Monate warten bis alles vorbereitet ist. heute wurde der finale Verfassungsentwurf übrigens vorgestellt. Es sieht nicht danach aus, dass Assad sich freien Wahlen verweigert. Jürger Totenhöfer bestätigt das.

2. Gewalt ist das ALLERLETZTE Mittel des Protestes. Wer Aussicht hat in ein oder zwei Monaten wählen gehen zu können sprengt keine Gebäude in die Luft.

3. Gewaltsame Anschläge von bewaffneten Oppositionellen gab es schon vor über einem Jahr. "Langsam" eskalieren ist was anderes.

Wann endlich?

Eine Regierung, die aus Panzern die Bevölkerung in ihren eigenen Städten beschiesst und damit gezielt massenhaft Zivilisten tötet, selbst nie von irgendjemandem in freier Wahl gewählt wurde ist keine legitime Regierung sondern eine sich selbst als Regierung bezeichnende Verbrechergruppe. Gegen solche Massenmörder ist jeder Widerstand legitim. Ich hoffe, dass einzelne oder mehrere westliche Staaten Mittel und Wege finden, um den Widerstand gegen Papas gelehrigen Diktatorensohn Bashar al-Assad und seine Komplizen endlich auch mit Waffen auszustatten. Gute Reise nach den Haag Herr Assad!

Folgendes zu Ihren...

... Punkten:

(1) eine Verfassung soll dem Volk von einem Diktator vorgegeben werden. Es kann eine gute Verfassung werden. Wahrscheinlich ist das nicht. Gelesen habe ich sie nicht. Haben Sie ein Link?

(2) Da wurde ich Ihnen so pauschal und plakativ nicht recht geben. Ich finde die Implikation sogar ziemlich naiv. Ein großer Teil der Bevölkerung glaubt dem Diktator einfach nicht mehr und will eine eigene Verfassung entwerfen. Das scheint auch legitim. Warum sollte man Glauben, dass die Diktatur weichen will? Und jetzt hat die Opposition die Dynamik. Diese kann man nicht ein und aus schalten nach Belieben. Das weiß auch der Diktator. Jeder, der jetzt dazu rät abzuwarten, will das nutzen um den Diktator zu erhalten.

(3) es gibt in jedem Land der Region Anschläge. Zur Zeit der beginnenden Demonstrationen war Syrien relativ ruhig. Die Gewalt, die Assad gegen die Demos einsetzte, wurde lange nicht von der Opposition mit Gegengewalt begegnet. Sie lehnte damals Gewalt ab. Das hat sich jetzt geändert aus dem Verlauf. Lesen sie einfach nach.

@joG 123

1. Die Verfassung wurde noch nicht veröffentlicht. Allerdings bekommt sie erst Gültigkeit, wenn darüber demokratisch abgestimmt wird. Ich denke in erster Linie ist es wichtig, dass die Führungsrolle der Baath Partei entfernt wird (ist so schon drin). Hier der Link zur Kurzmeldung:
http://rt.com/news/line/2...

2. Ich glaube schon, dass Assads primärer Antrieb nicht der Machterhalt ist. Todenhöfer hat mit ihm gesprochen und hat den gleichen Eindruck. Das halte ich für Glaubwürdig. Im Endeffekt ist das aber eine Glaubenssache. Die Frage ist ledigleich, ob man die Kämpfe solange ruhen lässt um sicher zu gehen.

3. Wie gesagt, Gewalt von Seiten der Oppositionellen gibt es mittlerweile schon über ein Jahr. Ich glaube hier gibt es tatsächlich Kräfte, die die friedliche Demokratisierung verhindern wollen, zum Wohle der eigenen (undemokratisch errungenen) Macht.

@vishal. Zu Ihrer Schwarz-Weiss Propaganda:

"Zwar habe ich ... keine Quellen, ..."
Ihren folgenden Satz kann man dann auch so anwenden: "... aber ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass" die Sowjetunion (Russland)"oft versucht hat "Politik" zu betreiben mit Hilfe von Söldnern usw.. Bspw in Afghanistan."

Bravo, zu Ihrer selbstentlarvenden "Logik" der Unwissenheit.

Russland pumpt ganz offiziell Waffen in das Land zur Unterdrückung der Zivilbevölkerung.

Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/mk

Missverständnis und naheliegendere Interpretation

"Ich bin gespannt, was die drastischen Maßnahmen angeht. Wirft Russland dann selbst Bomben gegen die Zivilbevölkerung um Assad zu unterstützen?"

Nein, ich glaube das haben Sie völlig falsch gedeutet...

Ich würde mal ganz schwach vermuten, dass das eine Antwort auf den friedliebenden Vorschlag des ganz besonders intelligenten 'US'-Senators Joseph Isadore Liebermann war.

Dessen Forderung zur offenen Einmischung durch Waffenlieferungen an die syrischen Aufständischen haben die Russen ganz eventuell als dreisten und unverhohlenen Versuch zur Eskalierung der Aufstände hin zum ausgewachsenen Bürgerkrieg gedeutet.

Nun, Herrn Liebermans eigentliches Interesse ist ja gut bekannt, in den USA nennt man ihn ja gelegentlich einen "Israel Firster".
Und nun kommen Sie sicher auch schon selbst drauf wen die "drastische Massnahme" dann eventuell treffen könnte, Ist ja nicht so weit von Syrien weg.

Sie kennen das ja sicher aus Kindertagen, machst Du meine Sandburg kaputt, zertrete ich deine.

Macht keinen Sinn

Dies können sie evtl. noch für das Anstacheln so sehen, aber der Russische Vize-Außenminister hat dem Westen vorgeworfen, die Opposition anzustacheln UND ZU BEWAFFNEN.
Daher passt ihre Erklärung nicht.
Im Gegensatz zu Russland hat die USA auch keinen Flugzeugträger dort hinbeordert um eine der beiden Parteien zu stärken und unterstützen.
Von daher ist es für mich schwierig neben Russland noch eine weitere Partei zu sehen, der das Blutvergießen schürt.

@Redaktion, Mick Weiss, vishal

@Redaktion/mk ("Bitte belegen Sie Ihre Aussagen ...")

Sehr geehrte/r MK,
die folgenden Links, von denen sich 2 auf Ihr eigenes Medium beziehen und hier weitgehend bekannt sein dürften, reichen dazu vorerst wohl aus.
Nicht ausgeschlossen, dass, was so als Zufallsfunde und offizielle Verlautbarung öffentlich wurde, in jenem verschwiegenen Metier nur die Spitze eines Eisbergs ist. Klar, letztgenannte Befürchtung kann ich nicht verifizieren, darf ich aber äußern, oder?

http://www.zeit.de/politi...
http://www.zeit.de/politi...

http://german.ruvr.ru/201...

@Mick Weiß (71)
Ich habe der einseitigen Argumentation von vishal(wo sind seine Quellen)einen Spiegel vorgehalten. Ich stehe aber deswegen nicht auf der Seite eines der 2-3 (einschließlich sunnitisch geprägtes Arabien)Blöcke, von denen 2 anscheinend nach Meinung Vieler den Bürgerkrieg inszeniert haben sollen und lasse mich auch nicht von Ihnen stereotyp auf eine Seite oder in eine Ecke stellen.
Es geht um die betroffenen Menschen in Syrien und ihren Leidensdruck. Sie wurden ursprünglich durch die Freiheitsbewegung in Tunesien ermutigt, demonstrierten friedlich, wurden dafür vom Regime beschossen. Ich halte die Syrer selbstverständlich für so vernunftbegabt, dass sie ihre Belange selber artikulieren können

@vishal (121)
Bezüglich Waffenlieferung bezog ich mich auf Syrien, nicht auf Afghanistan.

CIA ...

Ich denke, erkönnte Recht haben. Auch in Libyen könnte es so gewesen sein. Viel deutet darauf hin.

Viele vermuten v.a. die CIA hinter diesen "Operationen". Wäre sicher nicth das erste Mal.

Natürlich alles spekulativ, denn wir (die "Öffentlichkeit") hier WISSEN ja sowieso nichts und tappen wie gewohnt im Dunkeln. ;-)