An Syrien kann man schon verzweifeln: 137 Staaten der Vereinten Nationen verurteilen den syrischen Diktator Baschar al-Assad , doch der kann in seinem Land die Tötungsmaschine ungestört weiterlaufen lassen. Seit Wochen liegt die Stadt Homs unter Artilleriebeschuss der syrischen Armee . Soll man eingreifen und den regionalen Krieg riskieren? Soll man hilflos zuschauen und die Dinge geschehen lassen? Kein Weg scheint der richtige zu sein. Was kann, was sollte die internationale Gemeinschaft tun?

Leider hat die Resolution der UN-Vollversammlung zur Verdammung des Assad-Regimes von voriger Woche keine bindende Wirkung für die Mitgliedstaaten. Unterdessen sitzen im UN-Sicherheitsrat die wichtigen Verteidiger des syrischen Regimes . China und Russland entscheiden mit, wie lange Assad die syrische Armee noch gegen die Zivilbevölkerung einsetzen darf.

Aus russischer und chinesischer Sicht ist Assad ein Verbündeter, der nicht stürzen soll, auf jeden Fall nicht unter westlichem Druck – so wie es dem libyschen Herrscher Muammar al-Gaddafi widerfahren ist. China ist prinzipiell gegen Einmischung in interne Angelegenheiten souveräner Staaten. Die Russen verkaufen Assad Waffen und erfreuen sich einer Marinebasis in Syrien. Sicher fühlt sich die Regierung in Moskau , weil Assad sich hält.

Assad sitzt Isolation aus

Alle Annahmen, Syrien werde mit etwas Zeitverzögerung dem nordafrikanischen Revolutionsskript folgen, haben sich bisher als Trugschluss erwiesen. Assad weiß noch aus der Zeit der Ächtung nach der libanesischen Zedernrevolution 2005, wie man die Isolation aussitzen kann. Er stützt sich weiter auf sein Geheimdienstimperium, die alawitische Führung der Armee, zum Teil auf die Minderheiten und die auf Ruhe bedachten Kaufleute im Land. Die Mächte Iran , China und Russland stärken ihm materiell und moralisch den Rücken.

Doch irren die Russen, wenn sie vor allem den Westen hinter der Anti-Assad-Front wähnen. Die Vereinigten Staaten haben zwar ihren Botschafter aus Damaskus zurückgezogen, aber scharf auf eine Militärintervention sind die Amerikaner nicht. Zu tief sitzt der Schock über das missglückte Irak-Abenteuer. Schon beim Libyeneinsatz der Nato 2011 überließen sie Europäern und Arabern den Vortritt.

Araber und Türken wollen Regime fallen sehen

Die treibende Kraft in der syrischen Sache sind arabische Staaten und die Türkei . Die Regierung in Ankara hat der syrischen Opposition eine Heimat geboten und duldet Offiziere der Freien Syrischen Armee auf ihrem Gebiet. Die Türkei will Assad fallen sehen, aber selbst nicht in einen Krieg hineingezogen werden. Unter dem Vorsitz der ambitionierten Erdgasgroßmacht Katar und der Führung des klugen Generalsekretärs Nabil al-Araby versucht die Arabische Liga, Assads Treiben Einhalt zu gebieten. Katar, Jordanien, Tunesien und Marokko stützen vor allem den neuen Kurs, sich bei Menschenrechtsverbrechen in Nachbarländern einzumischen. Im Falle Syriens hat auch Saudi-Arabien ein Interesse daran. Nach der gescheiterten Beobachtermission der Liga in Syrien setzen sich arabische Führer nun für eine UN-Mission ein, an der sich ihre Staaten umfangreich beteiligen würden.