Bürgerkrieg in SyrienAssads Armee setzt Homs unter schweren Beschuss

Die Truppen des syrischen Regimes feuern nach Angaben der Opposition ununterbrochen auf Wohngebiete. Panzer rücken gegen das Zentrum der Stadt vor. von AFP, dpa und Reuters

Syriens Streitkräfte rücken mit starker Feuergewalt in das Zentrum der Stadt Homs vor, die als Ausgangspunkt der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad gilt. Nach Angaben von Aktivisten feuerten die Soldaten Raketen und Mörser ab, um die Kontrolle über einzelne Stadtgebiete zurückzuerlangen . Panzer seien nun im Viertel Inschaat.

Die Armee des Regimes bewege sich auch in Richtung Bab Amro, wo in den vergangenen zwei Tagen bei heftigen Kämpfen mindestens 100 Zivilisten ums Leben gekommen seien. "Jedes Haus ist hier ein Ziel", sagte ein Bewohner des Stadtteils laut BBC . "Man überlebt nur mit Glück."

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Nach Angaben des arabischen Senders Al-Jazeera benutzt die Armee russische Panzer, um in die bewohnten Gebiete vorzurücken. Widerstand von bewaffneten Oppositionellen gebe es kaum, weil die Armee die Panzerangriffe mit Raketen- und Mörserbeschuss aus großer Entfernung vorbereite.

Aktivisten-Sprecher Mohammad al-Hassan sagte in einem Interview über Satellitentelefon, dass im Großteil der Stadt die Kommunikation stillgelegt wurde. Auch in Sabadani nordwestlich von Damaskus beschossen Panzer Wohngebiete.

Ein Reporter der BBC berichtete, dass die Innenstadt von Homs unter dauerhaftem Beschuss stehe. Die Bewohner könnten aus Angst vor den Angriffen ihre Häuser nicht verlassen, um nach Toten und Verletzten zu suchen.

"Auf die falsche Seite der Geschichte gestellt"

Angesichts der schweren Kämpfe forderte die Arabische Liga ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Das bestätigte ein Mitarbeiter am Sitz der Liga in Kairo . Mehrere arabische Länder hatten zuvor bereits aus Protest gegen die anhaltende Gewalt des Regimes ihre Beobachter aus Syrien abgezogen. Die Beobachter waren im Dezember mit dem Auftrag entsandt worden, den Abzug der Armee aus den Städten und die Freilassung aller politischen Gefangenen zu überwachen.

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) will weiter auf Russland einwirken, um doch noch zu einer UN-Resolution gegen Syrien zu kommen. "Ich bedaure, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow sich hier so klar auf die falsche Seite der Geschichte gestellt hat", sagte Westerwelle. Der russische Außenminister hatte bei einem Besuch in Damaskus Verständnis für das Vorgehen von Assad geäußert.

Lawrow rechtfertigte die Unterstützung für Assad: Die Syrer müssten allein über das Schicksal ihres Präsidenten entscheiden. "Jedes mögliche Ergebnis eines nationalen Dialogs muss aus einer Einigung der Syrer selbst entstehen und muss für alle Syrer akzeptabel sein", sagte Lawrow. Das Ergebnis eines solchen Dialogs schon zuvor festzulegen sei nicht die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft.

Westerwelle fügte hinzu, die Bundesregierung sei dennoch weiterhin zu Gesprächen mit Russland über Syrien bereit. Es sei wichtig, Russland davon zu überzeugen, dass man nicht die Interessen des russischen Staates in der Region schwächen, sondern lediglich die Gewalt in Syrien beenden wolle.

Einen militärischen Einsatz schloss der Außenminister weiterhin aus. Er sei keine Alternative zu einer politischen Lösung. "Das sehen auch alle Beteiligten so", sagte Westerwelle. Eine Schlüsselrolle in der Lösung des Konflikts spiele die Türkei gemeinsam mit der Arabischen Liga.

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Leserkommentare
  1. ...helfen nun wirklich nicht.
    Auch die Bilder im zitierten Artikel von den "Hoheiten" aus Russland und China und die permanenten Erwähnungen der "USA und seiner Vasallen"sind wenig erhellend.
    In der gegewärtigen Situation geht es einzig um den schnellsten und effektivsten Weg zur Beendigung jeglicher Gewalt in Syrien.
    Die UN-Resolution wäre ein Anfang gewesen.
    Andere Initiativen, wie die miteinander kämpfenden Lager zum miteinander reden gebracht werden können, sehe ich nicht.

    2 Leserempfehlungen
  2. "Essentially, the GCC created an Arab League group to monitor what's going on in Syria. The Syrian National Council - based in North Atlantic Treaty Organization (NATO) member countries Turkey and France - enthusiastically supported it. It's telling that Syria's neighbor Lebanon did not. When the over 160 monitors, after one month of enquiries, issued their report ... surprise! The report did not follow the official GCC line - which is that the "evil" Bashar al-Assad government is not discriminately, and unilaterally, killing its own people, and so regime change is in order. The Arab League's Ministerial Committee had approved the report, with four votes in favor (Algeria, Egypt, Sudan and GCC member Oman) and only one against; guess who, Qatar - which is now presiding the Arab League because the emirate bought their (rotating) turn from the Palestinian Authority. So the report was either ignored (by Western corporate media) or mercilessly destroyed - by Arab media, virtually all of it financed by either the House of Saud or Qatar. It was not even discussed - because it was prevented by the GCC from being translated from Arabic into English and published in the Arab League's website."

    http://www.atimes.com/ati...

    Eine Leserempfehlung
  3. Ich finde Sie wecken mit der symbolischen Stilisierung 2er gepanzerter Armee-/Polizeifahrzeuge falsche Hoffnungen.
    Wenn das Assad-Militär, nach den Vetos von Russland und China auch noch durch Lawrow unangemessen beflügelt, in Homs eine menschenverachtende Materialschlacht veranstaltet, kann die Opposition nichts dagegen ausrichten. Für Heldentum bleibt dann kein Stein auf dem anderen. Leider. Ich hoffe, die Strategie der Opposition baut nicht auf ein empathisches Eingreifen der Weltöffentlichkeit wie in Bengasi/Libyen und der Versuch, ein solches zu provozieren, ist nicht Teil ihrer Strategie.
    Denn dann wären die ihnen anvertrauten Zivilisten schutzloser denn je ausgeliefert, da ein ausländischer Eingriff unter den gegenwärtigen Konstellationen nicht erfolgen kann. Seit Lawrow leider nicht einmal mit zivilen Mitteln.
    Lawrows zynische Empfehlung einer Ausweitung der Mission der Arabischen Liga, zu der er dieselbe mit Sicherheit nicht konsultiert hatte, zeigt erste "Ergebnisse" im Sinne Assads, Putins und Lawrows, wie zu erwarten war: Die letzten Deligierten der ersten Mission verlassen unverrichteter Dinge und fluchtartig das Land.

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    Es sollte heißen: "...2er ausgebrannter gepanzerter ...fahrzeuge"

  4. Es sollte heißen: "...2er ausgebrannter gepanzerter ...fahrzeuge"

  5. ...Sicherung der syrischen Grenzen!

    Der Krieg könnte stark eingeschränkt werden, wenn man die Waffenlieferungen an die Deserteure/Jihadisten/Söldner/etc.
    unterbinden würde.

    2 Leserempfehlungen
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    Und die russischen Waffenliefrungen ?

    Ja, dass Kriegswaffen für die Sicherung der Grenzen zuständig seien, dachte ich auch. Aber Assad setzte sie bereits bei den ersten friedlichen Demonstrationen gezielt gegen das Volk, also das eigene Staatswesen im umfassenden Sinne ein.
    Da ist es legitim, dass sich die Bürger gegen den Despoten bewaffnen, sozusagen zur Landesverteidigung. Wo sollen sie die Waffen hernehmen, um sich zu schützen, wenn nicht vom Ausland oder den einsichtigen Überläufern der Armme selbst - sofern die sich, ohne eien Genickschuss einzufangen - auf die Verteidigung ihrer Bürger, also ihrer Angehörigen besinnen konnten.
    Ein friedlicher Dialog ist dem Töten auf jeden Fall vorzuziehen. Aber Assad hat den "Dialog" von Anbeginn militarisiert, mit Waffengewalt geführt.
    Weder hatten sich seine Reformversprechen als glaubwürdig erwiesen, da er ihnen selbst mit Waffengewalt widersprach, noch seine Amnestieangebote. Welcher Oppositionelle will sich schon per "Amnestie" über die Lager der Armme und Keller der Geheimdienste persönlich in den "ewigen Frieden" befördern lassen?

  6. Die Ohnmacht der Nationen gegenüber Syrien und seines Tyrannen Assad, der wohl die Erbgene seines Vaters nun aktiviert hat und die "dunkele Seite der Macht" bevorzugt, stoppt das Militär und evtl. könnte man es auch über Mullahs versuchen, die hier auch Menschlichkeit im Vordergrund haben und die Familie als höchstes Gut ansehen, das dürfte im Islam das gleiche sein wie bei uns den Christen, gut Assad gehört zu einer Sparte die immer die Verschwörungstherorien liebt und auch glaubt aber das ist wohl die letzte Chance, bevor Syrien in einem Blutbad versinkt und die Bevölkerung egal ob Homs, Damaskus oder Aleppo in einer humanitären Katastrophe endet.

  7. Und die russischen Waffenliefrungen ?

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  8. Ja, dass Kriegswaffen für die Sicherung der Grenzen zuständig seien, dachte ich auch. Aber Assad setzte sie bereits bei den ersten friedlichen Demonstrationen gezielt gegen das Volk, also das eigene Staatswesen im umfassenden Sinne ein.
    Da ist es legitim, dass sich die Bürger gegen den Despoten bewaffnen, sozusagen zur Landesverteidigung. Wo sollen sie die Waffen hernehmen, um sich zu schützen, wenn nicht vom Ausland oder den einsichtigen Überläufern der Armme selbst - sofern die sich, ohne eien Genickschuss einzufangen - auf die Verteidigung ihrer Bürger, also ihrer Angehörigen besinnen konnten.
    Ein friedlicher Dialog ist dem Töten auf jeden Fall vorzuziehen. Aber Assad hat den "Dialog" von Anbeginn militarisiert, mit Waffengewalt geführt.
    Weder hatten sich seine Reformversprechen als glaubwürdig erwiesen, da er ihnen selbst mit Waffengewalt widersprach, noch seine Amnestieangebote. Welcher Oppositionelle will sich schon per "Amnestie" über die Lager der Armme und Keller der Geheimdienste persönlich in den "ewigen Frieden" befördern lassen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP
  • Schlagworte Guido Westerwelle | BBC | Bundesregierung | FDP | Sergej Lawrow | Syrien
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