Gewalt gegen RegimegegnerWorauf die Syrer in Deutschland hoffen

Auch in Deutschland werden syrische Oppositionelle vom Regime verfolgt. Doch der Exilsyrer Ibrahim sagt: "Im Vergleich zu Syrien ist hier das Paradies." von 

Straßenszene in Al-Qsair, 25 Kilometer südwestlich von Homs

Straßenszene in Al-Qsair, 25 Kilometer südwestlich von Homs  |  © Alessio Romenzi/AFP/Getty Images

Hozan Ibrahim hat keine Angst vor den Schergen des Assad-Regimes. Seit sieben Monaten ist der Syrer in Berlin . Zweimal hat er in der Heimat wegen seiner Aktivitäten für mehr Demokratie im Gefängnis gesessen; schließlich flüchtete er nach Deutschland. Er kennt das Gefühl, immer beobachtet zu werden. "Man gewöhnt sich daran, man wird vorsichtig, es ist eine Herausforderung", sagt Ibrahim.

Hozan Ibrahim

Hozan Ibrahim  |  © Carsten Luther

Auch in Berlin sind syrische Oppositionelle nicht sicher vor dem Einfluss der Geheimdienste aus der Heimat. Das weiß der 28-jährige Informatiker; das haben die Festnahmen zweier mutmaßlicher syrischer Spione in dieser Woche gezeigt; das hat auch der brutale Überfall auf den syrischstämmigen Grünen-Politiker Ferhad Ahma in Berlin am zweiten Weihnachtstag der Öffentlichkeit vor Augen geführt. Wir treffen Ibrahim in einem Café in Berlin-Mitte.

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Druck auf Aktivisten in Deutschland

Er berichtet etwa von Einschüchterungsversuchen bei Demonstrationen in Berlin. Die Helfer des Regimes hätten dabei auch immer wieder versucht, mit Exilsyrern ins Gespräch zu kommen, viele Fragen gestellt, um unauffällig an Informationen über ihre Aktivitäten in Deutschland zu kommen, erzählt Ibrahim. Über die Delegation an der syrischen Botschaft in Berlin sagt der Syrer: "Sie sind die Augen und Ohren des Regimes und wurden nicht wegen ihrer diplomatischen Qualifikationen ausgewählt." In Syrien würden Geheimdienstleute auch Druck auf die Familien von Syrern ausüben, die im Ausland als Vertreter der Opposition aktiv sind. "Wir können uns auch hier nicht ganz sicher fühlen", sagt Ibrahim. Doch der junge Mann weiß auch: "Im Vergleich zu dem, was in Syrien passiert, ist das hier ein Paradies."

Allein in den vergangenen sieben Tagen seien mehr als 750 Zivilisten in Syrien getötet worden. Vor allem in den größeren Städten wie Damaskus , Homs und Aleppo geht das Regime brutal gegen die Bevölkerung vor, die Gewalt ist nach der gescheiterten UN-Resolution noch einmal eskaliert.

Ibrahim engagiert sich von Beginn an für den Aufstand. Als Vertreter des Aktivisten-Netzwerks Local Coordinations Committees in Syria (LCC) im Generalsekretariat des syrischen Nationalrats (SNC) hilft er, den Protest in Syrien zu organisieren, Informationen aus dem Land in die Welt zu tragen und den Menschen im Land zu helfen. "Die Bevölkerung ist verzweifelt", sagt er. Das liege auch daran, dass die bisherigen Sanktionen gegen Syrien die Falschen träfen. "Die Menschen sind müde, weil sie sich in dieser Situation von der internationalen Gemeinschaft allein gelassen fühlen."

Appell an die internationale Gemeinschaft

Wie andere Vertreter der syrischen Opposition im Ausland versucht der Aktivist deshalb, andere Wege zu finden, um die Gewalt zu beenden und Zivilisten zu schützen. "Dass es noch keine UN-Resolution gibt, heißt nicht, dass dieser Weg versperrt ist", glaubt er. Der Appell der Oppositionellen richtet sich an die internationale Gemeinschaft. Sie solle endlich geschlossen gegen das Blutvergießen vorgehen und härtere Sanktionen verhängen, die das Regime schwächen.

Um dafür zu werben, geben Vertreter der syrischen Opposition in Berlin eine Pressekonferenz. Ferhad Ahma, ebenfalls Mitglied des syrischen Nationalrats, sieht Assad und seine Sicherheitskräfte klar Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig und fordert die internationale Gemeinschaft deshalb auf, "alles, was in ihrer Macht steht" zu tun, damit das Töten aufhört. Der syrische Präsident und alle anderen Verantwortlichen müssten vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden, fordert er.

Eine militärische Intervention indes dürfe nur das letzte Mittel sein – an dieser Position hält der syrische Nationalrat, der sich als legitime Vertretung des syrischen Volkes sieht, fest. "Es geht auch nicht allein darum, das Regime zu stürzen, sondern darum, dass hinterher Demokratie herrscht", betont Ibrahim. Der SNC plädiert deshalb dafür, dass nach dem Scheitern der UN-Resolution eine Gruppe von Staaten, die "Freunde eines demokratischen Syrien" sind, den bestehenden Plan der Arabischen Liga zur Umsetzung bringt. Die Oppositionellen hoffen, das die UN-Generalversammlung auf dieser Basis eine bindende Resolution verabschieden kann. Dort wäre, anders als im Sicherheitsrat, nur eine Zweidrittelmehrheit nötig – und die scheint angesichts der massiven Kritik am russischen Veto durchaus möglich.

Leserkommentare
  1. Wen interessiert denn Gorbatschow?
    Der Typ ist in seinem Land verhasster als Netanjahu in Palästina, was der sagt interessiert in russland niemanden, es ist eher antiwerbung.

    Antwort auf "Gorbatschow..."
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    Vielen dank dass sie Personen die ihre diffuse Meinung teilen, gleich damit widerlegen wie unbedeutend sie sind. Das erspart mir die Arbeit es selbst zu tun.
    Das zeugt auch von ihrem ernormen Textverständis.

    Bitte achten Sie Ihrerseits auf einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke, die Redaktion/lv

  2. Vielen dank dass sie Personen die ihre diffuse Meinung teilen, gleich damit widerlegen wie unbedeutend sie sind. Das erspart mir die Arbeit es selbst zu tun.
    Das zeugt auch von ihrem ernormen Textverständis.

    Bitte achten Sie Ihrerseits auf einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke, die Redaktion/lv

    Antwort auf "Gorbatschow? "
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    kennen sie viele russen?
    und wissen sie, dass die mehrzahl gorbatschow dafür verantwortlich macht, dass es fast zum bürgerkrieg dort gekommen ist? deshalb verzeihen sie ja jelzin alles, weil er jenen krieg verhindert hat.
    Nur weil gorbatschow gut für uns deutsche war, heißt das nicht, dass seine politischen entscheidungen immer gut waren und dass er universell geliebt wird.

    • LaoLu
    • 11. Februar 2012 0:20 Uhr

    hat mich auch ein wenig erstaunt.

    Sogar mein bevorzugter Nachrichtenkanal DW (Achtunk: seit 06.02. ohne den Appendix "-TV") fand das der Erwähnung wert.

    Antwort auf "Es könne nicht sein"
  3. kennen sie viele russen?
    und wissen sie, dass die mehrzahl gorbatschow dafür verantwortlich macht, dass es fast zum bürgerkrieg dort gekommen ist? deshalb verzeihen sie ja jelzin alles, weil er jenen krieg verhindert hat.
    Nur weil gorbatschow gut für uns deutsche war, heißt das nicht, dass seine politischen entscheidungen immer gut waren und dass er universell geliebt wird.

    • LaoLu
    • 11. Februar 2012 0:33 Uhr

    Terrorbanden" habe ich eigentlich wenig gelesen, als der ganze Sch...lamassel losging.

    Aber Ihr Hinweis auf eine der beteiligten Volksgruppen, die Kurden, paßt schon gut: das ist der Eintopf, der da zur Zeit am Köcheln ist.
    In Syrien hauen verschiedene Ethnien unterschiedlichster Glaubensrichtungen aufeinander ein.
    Da geht das dann auch nicht mehr nur um Moslems gegen Christen, sondern um die Vorherrschaft der verschiedensten Sekten unter dem Dach der jeweiligen Oberorganisation.

    Die gönnen sich seit eh und je nicht das Schwarze unter dem Fingernagel.

    Und in so eine Gemengelage fällt der vergiftete Samen des arabischen Frühlings.

    Viel Spaß!

  4. er soll im gefaengnis gesessen haben? dass ich nicht lache! wann soll er denn demonstriert haben? ach, alle vermenitliche "freiheitskaempfer" in syrien reden so, als ob sie von einander abschreiben... sie wollen kapital schlagen , das ist alles...

    • LaoLu
    • 11. Februar 2012 1:13 Uhr

    als "die bösartigste überhaupt", die Russland ständig zu Unrecht kritisiere"

    Hat er das wirklich so gesagt? Das wäre ja, nach langer zeit, mal wieder ein Spruch von ihm, den ich mir über das Bett hängen würde.

    Gorbi war für mich eine Zeit lang eine Lichgestalt im tristen Grau der Scharfmacher in Ost und West.
    Bis ihm dann die Sache aus den Händen glitt - oder geglitten wurde, und Boris N. Jelzin an die Wodkavorräte der ehemaligen UDSSR kam.

    Antwort auf "Gorbatschow..."
  5. Ich tippe mal darauf dass nach einer erfolgreichen Revolution die Scharia als geltendes Recht umgesetzt wird, wenn sie es noch nicht ist und das es dann einen muslimischen Gottesstaat gibt,welche Staatsform dieser dann hat ist aber dann ziemlich egal für die Ausführung..

    Religiöse Liberalität ist den Arabern fern.Das sieht man jetzt ja auch wieder in Saudi-Arabien.Todesstrafe für einen, der öffentliches getwittert hat Mohammed sei nicht heilig.Naja, die Liste der Beispiele ist endlos, wenn man aufzählen will dass Araber für ihre religiöse Vorherrschaft über Leichen gehen.

    Zum Abschluss noch 2 Sachen:
    1.Ohne Liberalität bringt den Arabern ihre neugewonne Demokratie auch nichts.
    2.Ohne eine gerechte Neuverteilung des Volksvermögen ist der soziale Konflikt doch schon wieder vorprogrammiert.Ob die das auch hinkriegen?

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    Die Scharia ist keine Sammlung von fixierten Gesetzen (z.B. BGB GG usw). Sie ist die Methode nachdem Gesetzestexte formuliert/angelegt/angelehnt werden. Somit wird von Land zu Land zwar auf die Scharia verwiesen jedoch in unterschiedlicher Auslegung und Nähe. Ähnlich verhält es sich mit Auslegungen christlicher Werte und deren Einbettung in Gesetzen selbstbezeichneter aufgeklärter westlichen Staaten. Daran störten sich hierzulande auch nur ab und an einige Wenige.
    In Glaubenslagern gibt es die Hardliner, die einen Glauben (Christ, Jude, Moslem, Atheist) für eigene Machtansprüche benutzen oder einen gewissen Wahn verfallen sind und meist den eigenen Wahn bei der Gegenseite vermuten. Ein Ausdruck fehlender Toleranz oder die Möglichkeit Parallelen zu erkennen und sie zu werten.
    Zurück zur Scharia und der unterschiedlichen Auslegung. Dort finden Sie die von ihn vermisste religiöse Liberalität.
    Ich muss aber gestehen, das ich mit keiner Glaubensgemeinschaft etwas anfangen kann. In meinen Augen ist der Glaube etwas rein privates und sollte diese Intimität auf eine 2. Person oder gar einer Gruppe ausgeweitet werden, so wird sie über kurz oder lang aus reiner Gier missbraucht.
    Jedoch einer archaischen Methode menschlichem Zusammenlebens (10 Gebote, Bibel, Koran, Scharia, Tora usw) absprechen sie könnte die Entwicklung von Demokratie (ein sich verändernder Zustand - Demokratie ist kein starrer Zustand) aufhalten, kann ich angesichts eines halbwegs demokratischen Europas nicht.

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