Erstmals seit Beginn des Aufstands in Syrien hat es auch in der Hauptstadt Damaskus große Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad gegeben. Im Viertel Masseh am Rande der Innenstadt gingen nach Oppositionsangaben rund 15.000 Menschen zu einem Trauerumzug auf die Straße, um vier bei Protesten getötete Demonstranten zu Grabe zu tragen. Nach Angaben der Lokalen Koordinierungskomitees (LCC) waren es die bisher größten Oppositionsproteste in der Stadt. Die Präsenz der Sicherheitskräfte wurde den Angaben zufolge am Sonntag massiv verstärkt.

Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde während des Trauerumzugs ein Demonstrant getötet und mehrere verletzt, als die Sicherheitskräfte in die Menge schossen. Das Wohnviertel Masseh liegt unterhalb des Präsidentenpalastes. In dem Stadtteil befinden sich zahlreiche Botschaften, Regierungsgebäude sowie die Redaktionen mehrerer staatlicher Zeitungen. 

Bisher gab es nur in Vororten wie Harasta oder Duma Proteste, während im Zentrum vor allem Kundgebungen für Präsident Baschar al-Assad stattfanden. Für Sonntag rief die Opposition im Internet zu "zivilem Ungehorsam" in der Hauptstadt auf. Die Präsenz der Sicherheitskräfte verhinderte aber zunächst erneute Demonstrationen. Landesweit starben laut Aktivisten am Wochenende 17 Menschen.

USA sollen Drohnen über Syrien einsetzen

Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf einen syrischen Unternehmer, die Sanktionen würden das Land zunehmend lähmen. Durch das im November verhängte Ölembargo und den Zusammenbruch des Tourismus sei das Bruttoinlandsprodukt um 45 Prozent gesunken. In Städten wie Homs , Idleb und Daraa sei der Staatsapparat "kaum noch vorhanden". Allerdings träfen die Sanktionen nicht nur die Führung, sondern auch das Volk.

Der US-Fernsehsender NBC berichtete unter Berufung auf Regierungsvertreter, unbemannte US-Flugzeuge würden über Syrien eingesetzt , um die Angriffe der syrischen Führung auf das Volk zu beobachten. Ihr Einsatz sei jedoch keine Vorbereitung für einen Militäreinsatz. Präsident Barack Obama hoffe, mit den Bildern der Drohnen und Abhörprotokollen von Militär und Regierung den Westen zu weiterem Druck gegen Damaskus bewegen zu können.

Ägypten zieht Botschafter aus Syrien ab

Bei seinem Besuch in Damaskus appellierte der chinesische Vize-Außenminister Zhai Jun an Syriens Regierung, die Opposition und die bewaffneten Kräfte im Land, "die Gewalttaten umgehend einzustellen". Es sei wichtig, dass "so schnell wie möglich" wieder Ruhe im Land einkehre, sagte Zhai nach einem Treffen mit Assad. Assad, der angesichts der Gewalt in seinem Land kaum noch Rückhalt in der Weltgemeinschaft hat, sagte, er schätze die Haltung Chinas .

Ägypten rief derweil seinen Botschafter aus Damaskus zurück. Der Irak sprach sich dafür aus, Syrien die Teilnahme an dem im März in Bagdad geplanten Gipfel der Arabischen Liga zu erlauben, obwohl seine Mitgliedschaft in dem Staatenbund ausgesetzt ist. Dies werde einen Dialog ermöglichen, hieß es aus der irakischen Regierung.