Syriens Präsident Baschar al-Assad ist nach einem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow offenbar bereit, kleine Schritte zu gehen, um die Gewalt im Land zu beenden . Angesichts der vergangene Woche gescheiterten UN-Resolution gegen das Regime und der massiven Kritik an seinem Veto versucht Russland in Verhandlungen, eine Lösung für den Konflikt zu finden. Der Sicherheitsrat hatte Assad zum Rücktritt auffordern wollen.

Lawrow beschrieb das Treffen als "sehr nützlich" und sagte, der Präsident sei ihm entgegengekommen. Wirklich substanzielle Zugeständnisse machte Assad andererseits demnach aber nicht, zumal er in der Vergangenheit bereits ähnlichen Versprechungen keine Taten hatte folgen lassen.

Lawrow äußerte Verständnis für das Vorgehen des syrischen Regimes im Konflikt mit der Opposition und versuchte damit augenscheinlich, seinem wichtigsten Partner in der Region trotz aller internationaler Vorwürfe weiter den Rücken zu stärken. Die russische Regierung bekräftigt auf diese Weise ihre international umstrittene Haltung im Syrien-Konflikt.

China ist zugleich bereit, sich ebenfalls an den Bemühungen um ein Ende der Kämpfe zu beteiligen. Das Außenministerium im Peking kündigte an, man erwäge einen Sondergesandten in die Region zu schicken, um eine "konstruktive Rolle" bei der Suche nach einem Ausweg aus der politischen Krise zu spielen. Auch China hatte die Resolution im UN-Sicherheitsrat abgelehnt.

Russland und China fürchten offenkundig um ihren Einfluss in der Region, nachdem sie nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi einen schweren Stand bei den siegreichen Rebellen haben.

Neue Beobachtermission der Arabischen Liga

Lawrow sagte nach dem Treffen in Damaskus , Assad sei sich seiner Verantwortung bewusst und wolle bald eine noch einmal vergrößerte Beobachterdelegation der Arabischen Liga in das Land lassen. Er habe ihm versichert, "dass er vollkommen der Aufgabe verpflichtet ist, die Gewalt im Land zu stoppen, ungeachtet von wem sie ausgeht", zitierte die russische Agentur Interfax den Außenminister. Assad sei auch zu einem Dialog mit allen politischen Gruppen im Land bereit, hieß es bei Interfax.

Die zuletzt abgebrochene Beobachtermission sollte bereits den Rückzug des Militärs in die Kasernen überwachen, einige Mitglieder hatten jedoch über Behinderungen durch das Regime geklagt. Die syrische Opposition hatte zudem Teile der Delegation nicht anerkannt, weil sie in ihnen die Handlanger autoritärer, Assad zugeneigter Regierungen sah.

Nach den Worten Lawrows will Assad in den kommenden Tagen mit einer Kommission sprechen, die einen Verfassungsentwurf ausgearbeitet habe. "Auf der Basis des neuen Grundgesetzes werden Wahlen organisiert, an denen sich viele Parteien beteiligen können. Die Wahlen werden auf der Grundlage einer neuen Verfassung abgehalten, die keine Privilegien oder Vorteile für (Assads) Baath Partei vorsieht", zitierte der staatliche russische Fernsehsender Rossija-24 Lawrow.

In der Vergangenheit hatten die Assad-Gegner ähnlichen Zusicherungen keinen Glauben geschenkt, nachdem der Präsident die Angriffe von Militär und Milizen auf Demonstranten nicht gestoppt und diese als Terroristen und bewaffnete Banden beschimpft hatte.

"Danke, Russland"

Lawrow und der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, Michail Fradkow, wurden in Syrien von jubelnden Anhängern Assads empfangen. Am Straßenrand schwenkten Menschen russische Fahnen und riefen "Danke, Russland". Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die mehreren Tausend Kundgebungsteilnehmer wollten Russland für die "Unterstützung Syriens und die eingeleiteten Reformen" danken.