Aus den Lautsprecherboxen dröhnt westliche Popmusik, ein Junge verkauft Rosen, es riecht nach gebratenem Fleisch und Bier, Jugendliche feiern ausgelassen. Doch in einer Ecke stehen vier junge Männer zusammen, mit ernsten Gesichtern, sie diskutieren leidenschaftlich. Sie planen die Revolution im Nachbarland. Eine moderne Bar, irgendwo im Libanon , haben sie für diesen Abend zu ihrer Widerstandszentrale gemacht. Mehr als ihre Mobiltelefone und Laptops braucht die Gruppe von syrischen Oppositionellen dafür nicht. Einer von ihnen schaut sich immer wieder in der Bar um, prüft, wer dem Gespräch zuhören könnte, mustert mit schnellen Blicken die Neuankömmlinge.

Das syrische Regime hat seinen Geheimdienst längst nach Beirut , Tripoli oder Byblos gesandt, um Unterstützer der Opposition gegen Assad auszuschalten. Der Widerstand arbeitet im Geheimen. Die Agenten sind der Gruppe bereits nah gekommen. Ein Freund der Männer floh vor Kurzem in die Vereinigten Staaten. Kurz vor seinem Abflug brachen Unbekannte in seine Wohnung ein, durchwühlten Unterlagen. "Das war der Geheimdienst, unser Freund ist knapp entkommen", sagt einer der Männer. Andere syrische Oppositionelle hatten weniger Glück.

Die Männer, die sich in der Bar um einen wackeligen Stehtisch drängen, haben Syrien verlassen, sind vor der Gewalt des Regimes, vor Festnahmen der Sicherheitskräfte geflohen. Keine Fotos, keine Namen, keine Ortsnennung, das waren die Bedingungen der Oppositionellen für ein Treffen mit Journalisten. Sie erzählen, dass mehrere Anhänger des Widerstands gegen Assad bereits aus dem Libanon nach Syrien entführt worden seien. Von den gekidnappten Regimegegnern sei danach nichts mehr gehört worden.

Einschüchtern lassen wollen sie sich nicht

Vor allem im Grenzort Wadi Khaled seien syrische Sicherheitskräfte und ihre libanesischen Verbündeten gegen Assad-Gegner vorgegangen. Die libanesische Stadt liegt weniger als 45 Kilometer von Homs, der Hochburg der syrischen Revolution, entfernt. Von dort aus sei der Widerstand zunächst organisiert worden. In der Region unterwegs zu sein, sei für bekannte Mitglieder des Widerstands gefährlich. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte bereits das Vorgehen Syriens gegen die Opposition im Libanon.

Doch nicht nur der syrische Geheimdienst bekämpft die Assad-Gegner im Exil. Auch Teile der libanesischen Sicherheitskräfte würden mit dem Regime in Damaskus kooperieren, sagen die Widerständler. Mehrere Anhänger der Revolution seien bereits von Polizei und Geheimdienst nach Beirut zitiert und dort verhört worden. Einem der Männer nahmen Beamte das Mobiltelefon ab, um dessen Kontakte zu überprüfen. Einschüchtern ließen sie sich nicht, sagen die Oppositionellen. Aber Angst davor, von syrischen Agenten und ihren Handlangern enttarnt zu werden, haben sie schon.

Ohne ihre Arbeit hätte der Protest in Syrien weniger Schwung – und weniger Unterstützung im Ausland. Sie und andere Gruppen, die in einem großen Netzwerk verknüpft sind, organisieren vom Libanon aus den Schmuggel von Menschen und Material über die Grenze. So erhalten sie auch Filme und Fotos von Übergriffen der syrischen Sicherheitskräfte auf Demonstranten. Viele der Fotos seien zu heftig, um sie zu zeigen, sagt einer der Männer. Es empöre und entsetze ihn immer wieder aufs Neue, mit welcher Brutalität die Armee und Polizei gegen unbewaffnete Gegner vorgingen. Vor allem hilft die Widerstandsgruppe aber den Revolutionären in Syrien beim Aufbau von sicheren Internetverbindungen und der Verbreitung von Nachrichten über soziale Netzwerke wie Facebook .