US-Vorwahlkampf : Obamas Herausforderer schwächen sich selbst

Die US-Republikaner sind unentschlossen, wen sie ins Rennen um das Weiße Haus schicken wollen. Der interne Kampf um die Kandidatur wird lang und hässlich.
Rick Santorum © Chip Somodevilla/Getty Images

Die Republikaner machen es spannend, womöglich auf selbstzerstörerische Weise. Im Idealfall zeichnet sich zwischen Ende Februar und Mitte März eines Wahljahres ab, wer ihr Präsidentschaftskandidat werden soll. Dann kann sich die Partei hinter ihm vereinen und früh den demokratischen Gegner ins Visier nehmen. 2012 verdrängt zu diesem Zeitpunkt jedoch gerade ein neuer Favorit, Rick Santorum, den bisher führenden Mitt Romney . Der 53-jährige Ex-Senator von Pennsylvania Santorum spricht besonders wertkonservative und religiöse Wähler an. Er ist bereits der fünfte Spitzenreiter innerhalb eines guten halben Jahres. In nationalen Umfragen liegt er nun bei 34 Prozent, sechs Punkte vor Romney.

Der ungewohnt häufige Wechsel an der Spitze und Santorums unerwarteter Aufstieg demonstrieren die generelle Unzufriedenheit der Republikaner mit ihrem Kandidatenfeld und ganz speziell die anhaltenden Zweifel an Romney. Ihnen droht nun ein lang anhaltender interner Kampf um die Kandidatur, in dem sich die Bewerber gegenseitig beschädigen und ihre Finanzpolster aufbrauchen, statt sie für die Auseinandersetzung mit Präsident Obama im Herbst aufzusparen.

Die TV-Debatte der Kandidaten an diesem Mittwochabend in Mesa, Arizona , wird zum Härtetest für Romney und Santorum. Beobachter erwarten harte persönliche Attacken , bei denen beide nicht nur die Sachpositionen des Rivalen angreifen, sondern seinen Charakter infrage stellen. Nach einer Untersuchung der " Washington Post" sind die "negativen" Wahlkampfwerbespots wesentlich häufiger und "giftiger" als 2008. Ihr Anteil stieg von sechs auf über 50 Prozent der ausgestrahlten Wahlwerbung. In den jüngsten Monaten waren diese "Negative Ads" ein Mittel, mit dem Romney, der reichste und am besten organisierte Kandidat, den Aufstieg gefährlicher Rivalen beendete.

Wahnwitzig teure Werbeschlacht

Newt Gingrich hatte nach seinem hohen Sieg in South Carolina Mitte Januar kurzzeitig als neuer Favorit für die folgende Vorwahl in Florida gegolten. Romney gab dort mehrere Millionen Dollar aus , um Gingrich zu verunglimpfen, und gewann. Experten bezweifeln jedoch, dass sich diese Strategie beliebig wiederholen lasse. Der Effekt nutze sich ab. Santorum gelte als authentischer Konservativer aus der Arbeiterklasse und biete nicht so viele Angriffsflächen wie Gingrich.

Diese Art der Wahlwerbeschlacht kostet auch. Romney hat im Januar 18,8 Millionen Dollar ausgegeben, aber nur 6,5 Millionen Dollar neue Spenden eingeworben. Am Monatsende hatte er noch 7,7 Millionen Dollar auf dem Wahlkampfkonto. Der wahre Test der Organisations- und Finanzkraft folgt am "Super Tuesday" in zwei Wochen. An diesem 6. März halten zehn Staaten ihre Vorwahlen ab.

Auch der Super-Wahltag wird wohl keine Vorentscheidung bringen. Von den bisher neun Vorwahlen haben Romney und Santorum je vier gewonnen und Gingrich eine. Entscheidend sind aber die Delegierten für den Parteitag. In manchen Staaten erhält der Sieger alle Delegierten, in anderen werden sie proportional zum Ergebnis verteilt, in einigen ist die Abstimmung symbolisch, zum Beispiel in Missouri . Dort gewann Santorum, ohne einen zählbaren Vorteil zu erzielen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Es ist ein Zwei-Mann-Rennen!

Es ist ein Zwei-Mann-Rennen, egal was uns die Medien erzählen wollen. Es geht paradoxerweise _nicht_ um gewonnene Vorwahlen, sondern um die gewonnenen delegierten. Diese sind bisher wie folgt verteilt:

Romney 93
Paul 82
Gingrich 29
Santorum 25
bisher nicht zugeteilt 14

Quelle: dailypaul dot com

Wer 1144 Delegierte erreichen kann erhält die Nominierung.
gingrich und Santorum werden 100 % nicht nominiert werden. Zumal sie in einigen kommenden Staaten gar nicht auf der Wahlliste stehen. Sie haben dort nicht genug Unterschriften sammeln können.

Es wird also auf Paul oder Romney hinauslaufen. Und ich hoffe ganz stark auf Ron Paul.

Zwischen Obama und Clinton

gab es 2008 auch lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bis der Kandidat gekührt wurde. Geschadet hat das Obama gehen Cain offenkundig nicht.
Man sollte also nicht automatisch annehmen, dass ein lange offenes Rennen bei den Republikanern einen Nachteil für deren späteren Kandidaten bedeutet.

Naja, nicht ganz!

@Komm.2: Jein, der Obama-Sieg zeigt nur, dass es Obama damals nicht ZU SEHR geschadet hat, nicht aber, dass es ihm GAR nicht geschadet hätte, wie Sie annehmen. Umfragen zeigten übrigens sehr wohl, dass es begeisterte Hillary-Anhänger gab, die (aus Frust?) später nicht für Obama stimmen wollten - wahrscheinlich wirklich ein Effekt der späten Vorwahl-Entscheidung und der dadurch stärkeren Bindung der Wähler an die/den nachher unterlegenen Kandidaten.

Zumindest in finanzieller Hinsicht ist die Aussage, dass ein langer interner Wettbewerb nachteilig für die Reps ist, definitiv wahr und daher stimmt die Aussage aus dem Artikel auch (über das Ausmaß des Nachteils kann man aber durchaus verschiedener Meinung sein, logo).

Ein heftiger interner Wahlkampf ist schon daher....

gefährlich, weil der politische Gegner später all die vorgebrachten Argumente selbst benutzen kann, ohne dass
er die Glaubwürdigkeit der Kritik beweisen müßte.
Insofern wäre Ron Paul eigentlich ein Ideal Kandidat für
die Republikaner....sie haben sich öffentlich kaum mit
seinen Wahlkampfthesen auseinandergesetzt.
Bei seinem außenpolitischen Programm besteht geradezu
ein Horror, dieses u.U. diskutieren zu müssen :)