Präsidentenwahl Ägypten sucht Mubaraks Nachfolger
Die Ägypter sollen einen Präsidenten wählen, damit der Militärrat die Macht abgibt. Der aussichtsreichste Kandidat wird als "Überbleibsel des Mubarak-Regimes" kritisiert.
© Khaled Desouki/Getty Images

Der Präsidentschaftskandidat Ahmad Shafiq spricht vor der Presse.
Mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Hosni Mubarak ist der Kampf um die ägyptische Präsidentschaft offiziell eröffnet. Seit dem Morgen können sich die Kandidaten zur Wahl des nächsten Staatschefs registrieren lassen. Bis zum 8. April haben sie Zeit, ihre Kandidatur formell einzureichen. Kandidaturen müssen von mindestens 30 Parlamentsabgeordneten oder von 30.000 Wahlberechtigten unterstützt werden. Alle im Parlament vertretenen Parteien, von denen die meisten der islamistischen Strömung angehören, dürfen zudem eigene Bewerber nominieren.
Die größten Chancen werden derzeit dem früheren Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, zugerechnet. Der heute 75-Jährige war unter der Präsidentschaft von Mubarak zehn Jahre lang Außenminister. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber Israel ist er in der arabischen Welt äußerst beliebt. 2001 übernahm er den Vorsitz der Arabischen Liga. Sein Verhältnis zu den islamistischen Parteien, mit deren Ideologie er wenig anfangen kann, ist distanziert. Seine Konkurrenten versuchen ihn als "Überbleibsel des Mubarak-Regimes" zu diskreditieren.
Konkurrenz könnte ihm Abdel Moneim Abul Futuh machen, ein ehemaliges Führungsmitglied der Muslimbruderschaft, die im Parlament die Mehrheit hat. Er hatte sich im vergangenen Sommer ohne die Zustimmung seiner Organisation als unabhängiger Kandidat ins Spiel gebracht. Er wurde daraufhin ausgeschlossen, denn die Muslimbrüder hatten vereinbart, keinen eigenen Bewerber zu benennen. Liberale Ägypter vermuten, dass sein Zerwürfnis mit der Führung der Muslimbruderschaft ein inszeniertes Spektakel war, um ihn auch für bürgerliche Ägypter außerhalb des religiösen Lagers wählbar zu machen. Viel Mitgefühl erntete der 60-Jährige Ende Februar, als er von Räubern überfallen und zusammengeschlagen wurde.
Auch Ahmed Schafik will als Präsident kandidieren. Schafik war am 29. Januar, vier Tage nach Beginn der Massenproteste in Ägypten, von Mubarak zum Regierungschef ernannt und am 3. März vom Militärrat wieder abgesetzt worden. Die Demokratiebewegung hatte dem ehemaligen Luftwaffen-General und Ex-Luftfahrtminister vorgehalten, "Teil des alten Regimes" zu sein. In den ägyptischen Medien wird der 70-Jährige als Kandidat des herrschenden Militärrats dargestellt, was er vehement bestreitet. Wählerstimmen könnte ihm indes sein familiärer Hintergrund bringen. Die englischsprachige Wochenzeitung Al-Ahram Weekly verwies jüngst darauf, dass er ein Nachfahre der Familie des Propheten Mohammed sei.
Eine Aktivistin stellt sich als Kandidatin auf
Die Demokratieaktivistin und Kritikerin des regierenden Militärrats Buthaina Kamel will den ägyptischen Frauen eine Stimme in der männerdominierten Gesellschaft geben. Die beliebte Radio- und Fernsehmoderatorin setzt sich bereits seit vielen Jahren für politische Reformen in ihrem Land ein und war in den letzten Jahren der Mubarak-Ära als Wahlbeobachterin aktiv.
Der prominente Richter Hischam al-Bastawisi genießt in der Bevölkerung großen Respekt, hat aber keine politische Erfahrung. Der 60-Jährige legte sich unter Mubarak mit der Regierung an, indem er für eine unabhängige Justiz kämpfte. Der Friedensnobelpreisträger Mohammed El-Baradei hatte im Januar aus Enttäuschung über die schleppende Demokratisierung in Ägypten erklärt, nun doch nicht antreten zu wollen.
Gewählt wird am 23. und 24. Mai. Am 21. Juni soll nach Angaben der Wahlkommission das Ergebnis verkündet werden. Der regierende Militärrat hat zugesichert, bis Juli die Macht an ein gewähltes Staatsoberhaupt zu übergeben.
- Datum 10.03.2012 - 13:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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Tja, ob die Wirtschaft in Ägypten so schnell auf die Beine kommt, wird abzuwarten sein. Sie war auf einem gar nicht schlechtem Wege. Demokratischer ist es dort auch nicht, und die Menschenrechte sind eben immer noch ... für Menschen mit Rechte.
Ups, mit der Gleichheit der Frau wird es dort ja auch bald schlechter aussehen, aber das macht uns ja hier nichts, da können wir uns wenigstens mal wieder, aus beruhigender Entfernung, zwangsempören.
Ach, was haben wir nicht geklatscht und gejubelt, hatten von nichts eine Ahnung, und plappert das Gewäsch aus den Medien nach. Ein arabischen Land nach dem anderen wird abgewrackt (eh.. "befrühlingt") und wir fühlen uns gut dabei, denn wir unterstüzen ja die (Schein)Demokratie. Am westlichen Wesen, soll die Welt genesen.
Ich sag mal... Prost!
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