Das Militärgefängnis in Kansas, in dem der mutmaßliche Amokläufer Robert Bales derzeit inhaftiert ist. © Julie Denesha/Getty Images

Nach dem Massaker an afghanischen Dorfbewohnern durch einen US-Soldaten wird gegen den mutmaßlichen Schützen Anklage wegen 17-fachen Mordes erhoben. Damit wird offensichtlich von einem Opfer mehr ausgegangen, als bislang bekannt war. Zudem würden am Freitag sechs weitere Anklagepunkte unter anderem wegen versuchten Mordes erhoben, sagte ein US-Regierungsvertreter.

Der 38 Jahre alte Unteroffizier Robert Bales soll Mitte März nachts seinen Stützpunkt verlassen und 17 Zivilisten getötet haben. Darunter waren nach afghanischen Angaben zahlreiche Kinder und Frauen. Nach der Tat kehrte Bales in das Lager zurück, wo er sich widerstandslos festnehmen ließ. Die Gründe für den Amoklauf liegen weiter im Dunkeln.

Bales' Anwalt bezweifelt Beweise

Die Tat hatte das Verhältnis zwischen Afghanistan und den USA weiter belastet und Kritik an den internationalen Truppen in dem Land ausgelöst. Die Regierung in Kabul hatte ein öffentliches Verfahren gegen den US-Soldaten in Afghanistan verlangt . Er wird derzeit in einem Militärgefängnis im US-Bundesstaat Kansas festgehalten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte gesagt, Bales könnte in einem Prozess zum Tode verurteilt werden .

Bales' Anwalt nahm zu den Vorwürfen, die dem Beschuldigten am Freitag persönlich vorgetragen werden sollen, auf Anfrage keine Stellung. Er hatte bereits vorher die vom Militär herangezogenen Beweise für die Schuld seines Mandanten in Zweifel gezogen. Der Verteidiger wies auch zurück, dass Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien. Sein Mandant habe aber vor Jahren im Irak ein Schädeltrauma erlitten und sei gegen seinen Willen nach Afghanistan geschickt worden.