AmoklaufAfghanen fordern Prozess für US-Soldaten im eigenen Land

Das Parlament in Kabul hat die Tötung von 16 Zivilisten durch einen US-Soldaten als brutal und unmenschlich verurteilt. Es verlangt einen Prozess in Afghanistan.

US-Soldaten vor dem Eingang ihrer Militärbasis in der Provinz Kandahar

US-Soldaten vor dem Eingang ihrer Militärbasis in der Provinz Kandahar

Das afghanische Parlament hat nach dem Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan ein öffentliches Gerichtsverfahren gegen den Täter und etwaige Mitverantwortliche im eigenen Land gefordert. "Wir erwarten, dass die US-Regierung die Verantwortlichen in einem öffentlichen Prozess vor dem afghanischen Volk verfolgt und verurteilt", teilte das Unterhaus (Wolesi Dschirga) in der Hauptstadt Kabul mit.

Die Abgeordneten verurteilten die Tat des Soldaten als "brutal und unmenschlich" und warnten zudem vor den möglichen Folgen. "Unsere Bevölkerung verliert angesichts der Ignoranz der ausländischen Truppen die Geduld."

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Am Sonntagmorgen hatte ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Dorfbewohner getötet, darunter neun Kinder und drei Frauen. Im Morgengrauen verließ er seinen Stützpunkt, brach in die Häuser der Menschen ein und tötete wahllos die Zivilisten.

Familienvater mit psychischen Problemen

Der Soldat soll danach mehrere Leichen verbrannt haben, darunter auch die von vier Mädchen unter sechs Jahren. Nach seiner Rückkehr in den Stützpunkt nahmen ihn Soldaten fest. Laut New York Times ist der Täter ein 38-jähriger Feldwebel, verheiratet und Familienvater. Er soll nach US-Angaben unter psychischen Problemen leiden. Die Internationale Schutztruppe Isaf sprach von einem Einzeltäter.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich in einem Telefongespräch mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai zutiefst bestürzt und versprach eine rasche Untersuchung des Vorfalls. Karsai verurteilte die Tat als unverzeihliches Massaker und sprach von Mord. Isaf-Kommandeur General John Allen äußerte sich ebenfalls schockiert und kondolierte den Angehörigen. Die Isaf sicherte zu, dass der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am Morgen bei ihrem Besuch in Afghanistan mit Karsai. Dabei drückte sie ihm ihr persönliches Beileid aus und das der deutschen Bevölkerung anlässlich der "schrecklichen Tat des US-Soldaten". Außenminister Westerwelle hatte schon zuvor von einem Rückschlag für das Engagement der internationalen Gemeinschaft gesprochen.

Die Taliban verurteilten den Vorfall als "blutdürstige Tat" der "barbarischen Amerikaner" und sprachen von Völkermord. Sie versicherten den Hinterbliebenen, "dass sie sich an den Invasoren und brutalen Mördern für jeden einzelnen Märtyrer rächen werden". Die Opfer hätten keinerlei Bedrohung für die "geisteskranken Amerikaner" dargestellt.

Wie konnte er die Basis verlassen?

Bei der Aufklärung des Amoklaufs muss auch die Frage geklärt werden, wie der Soldat seine Militärbasis verlassen konnte. Die Stützpunkte sind von Mauern und Stacheldraht umgeben und werden von bewaffneten Posten bewacht. Sie sind extrem gut gesichert. Das gilt erst recht in einem von Taliban beherrschten Distrikt wie Pandschwai.

Soldaten in Afghanistan ist es aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, ihre Stützpunkte ohne Auftrag zu verlassen. Ebenso dürfen sie sich außerhalb der Lagermauern nicht alleine bewegen. Dass der Täter sich ordnungsgemäß abmeldete, ist daher unwahrscheinlich.

Zudem berichtete die New York Times, der Feldwebel sei mehr als eine Meile (1,6 Kilometer) weit zu den Tatorten gelaufen. Ein nächtlicher Fußmarsch eines US-Soldaten alleine durch eine von Taliban beherrschte Region ist ebenfalls äußerst ungewöhnlich.
 

 
Leserkommentare
  1. Der Soldat sollte am Besten lebenslänglich ins "primäre Internierungslager der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Afghanistan" -> Bagram.

    Dort darf er dann ebenso rechtlos sein Dasein in Misshandlung und Folter fristen, wie die Afghanen.

    http://de.wikipedia.org/w...

    Das wäre doch mal Gerechtigkeit, oder?

    Immerhin darf dieser Mann mit einem fairen Verfahren rechnen, was man vom Großteil der sonstigen Insassen in Bagram wohl nicht sagen kann.

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  2. [...]
    Mit praktizierter Folter, endloser Inhaftierung, willkürlicher verwendung des Begriffs Terror gelogenen Kriegsgründen und Kriegstechniken die dem Begriff Terror näher sind als alles andere (Drohenkriege, nächtliche Hausdurchsuchungen, Uranmunition)
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen und Polemik. Die Redaktion/vn

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    Ich weiss nicht, was die Zeit-Redaktion nun unter "pauchale Unterstellung" versteht, aber das Problem besteht nämlich darin, dass die Liste der Menschenrechtsverletzungen/Kreigsverbechen seitens der USA -nehmen wir bloss die letzten 25 Jahre - dermaßen lang wäre, dass ein genauer Verweis auf die "moralische Untragbarkeit" der USA schlichtweg aus Platzgründen hier nicht möglich sei.

    Gerade heute, z.B. hat Juan Mendez, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der USA "cruel and inhumane punishment" im Fall Bradley Manning vorgeworfen.
    (http://www.guardian.co.uk...)
    Der Vergleich mit der Bestrafung anderen Marinen, die vielfach Mörd an Zivilisten begangen haben, liegt auf der Hand.
    Und dieses Justizsystem sollten wir/die Afghanen vertrauen?

    Ich weiss nicht, was die Zeit-Redaktion nun unter "pauchale Unterstellung" versteht, aber das Problem besteht nämlich darin, dass die Liste der Menschenrechtsverletzungen/Kreigsverbechen seitens der USA -nehmen wir bloss die letzten 25 Jahre - dermaßen lang wäre, dass ein genauer Verweis auf die "moralische Untragbarkeit" der USA schlichtweg aus Platzgründen hier nicht möglich sei.

    Gerade heute, z.B. hat Juan Mendez, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der USA "cruel and inhumane punishment" im Fall Bradley Manning vorgeworfen.
    (http://www.guardian.co.uk...)
    Der Vergleich mit der Bestrafung anderen Marinen, die vielfach Mörd an Zivilisten begangen haben, liegt auf der Hand.
    Und dieses Justizsystem sollten wir/die Afghanen vertrauen?

  3. Anwohner und Zeugen des Massakers sprechen von mehreren betrunkenen Soldaten, die wild um sich geschossen haben.

    Witnesses to the atrocity now say that several drunken American soldiers were involved.

    ­"They were all drunk and shooting all over the place," Reuters cites Agha Lala, a villager in Kandahar's Panjwayi district.

    Lala's neighbor Haji Samad lost all of his 11 relatives in the rampage, including children and grandchildren. He claims Marines “poured chemicals over their dead bodies and burned them.”

    http://rt.com/news/afghan...

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  4. In Afghanistan vor Gericht? Das können sie vergessen, die USA erkennen kein ausländisches Gericht an. Sie nehmen sich aber natürlich das Recht, Ausländer in den USA vor Gericht zu stellen. Alles streng nach dem noblen Recht des Stärkeren.
    Der Mann ist sicher eh längst ausser Landes geflogen worden.

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    • GDH
    • 12.03.2012 um 19:06 Uhr

    Laut Artikel äußert er sich wie folgt:
    "Wir erwarten, dass die US-Regierung die Verantwortlichen in einem öffentlichen Prozess vor dem afghanischen Volk verfolgt und verurteilt"

    Offenbar weis der Mann ganz genau, dass es kein Verfahren vor einem afgahanischen Gericht nach afghanischem Recht geben wird. Deshalb fordert er zur Gesichtswahrung nur, dass die US-Regierung einen öffentlichen Prozess in Afghenistan organisiert (wie der zu sichern sein soll, steht auf einem anderen Blatt). Wenn also das US-Militärgericht am Stationierungsort tagt, hätte Karsai "sich durchgesetzt".

    • GDH
    • 12.03.2012 um 19:06 Uhr

    Laut Artikel äußert er sich wie folgt:
    "Wir erwarten, dass die US-Regierung die Verantwortlichen in einem öffentlichen Prozess vor dem afghanischen Volk verfolgt und verurteilt"

    Offenbar weis der Mann ganz genau, dass es kein Verfahren vor einem afgahanischen Gericht nach afghanischem Recht geben wird. Deshalb fordert er zur Gesichtswahrung nur, dass die US-Regierung einen öffentlichen Prozess in Afghenistan organisiert (wie der zu sichern sein soll, steht auf einem anderen Blatt). Wenn also das US-Militärgericht am Stationierungsort tagt, hätte Karsai "sich durchgesetzt".

  5. Zeugen berichteten, US-Soldaten seien nachts in Wohnhäuser eingedrungen und hätten das Feuer eröffnet.

    Zeugen berichteten, die amerikanischen Soldaten hätten gelacht und seien offenbar betrunken gewesen. Ein Dorfbewohner sagte, elf seiner Angehörigen seien getötet worden, darunter seine Kinder und Enkel. «Sie haben die Leichen mit Chemikalien übergossen und verbrannt», sagte der Mann. Er selbst habe das Haus am Tag zuvor verlassen.
    Die US-Regierung geht nach eigenen Angaben von einem Einzeltäter aus.

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    Schwer vorstellbar. Die Menschen in AFG kennen keinen Alkohol und auch keine betrunkenen Menschen, da Alkohol nach dem Islam verboten ist. Wer Alkohol verkauft oder konsumiert, wird mit drakonischen Strafen nach der islamischen Scharia bestraft.

    Schwer vorstellbar. Die Menschen in AFG kennen keinen Alkohol und auch keine betrunkenen Menschen, da Alkohol nach dem Islam verboten ist. Wer Alkohol verkauft oder konsumiert, wird mit drakonischen Strafen nach der islamischen Scharia bestraft.

  6. Ich weiss nicht, was die Zeit-Redaktion nun unter "pauchale Unterstellung" versteht, aber das Problem besteht nämlich darin, dass die Liste der Menschenrechtsverletzungen/Kreigsverbechen seitens der USA -nehmen wir bloss die letzten 25 Jahre - dermaßen lang wäre, dass ein genauer Verweis auf die "moralische Untragbarkeit" der USA schlichtweg aus Platzgründen hier nicht möglich sei.

    Gerade heute, z.B. hat Juan Mendez, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der USA "cruel and inhumane punishment" im Fall Bradley Manning vorgeworfen.
    (http://www.guardian.co.uk...)
    Der Vergleich mit der Bestrafung anderen Marinen, die vielfach Mörd an Zivilisten begangen haben, liegt auf der Hand.
    Und dieses Justizsystem sollten wir/die Afghanen vertrauen?

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "moralisch untragbar"
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    "Gerade heute, z.B. hat Juan Mendez, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der USA "cruel and inhumane punishment" im Fall Bradley Manning vorgeworfen."

    Die da wären? Bradley Manning sieht im TV ziemlich fit aus, wenn man ihn ins Gerichtsgebäude führt. Vorwürfe ersetzen keine Fakten, wenn Herr Mendez solche hat, soll er sie auf den Tisch legen.

    Menschenrechtsverletzungen bzw. Kriegsverbrechen werden nicht von "den" USA begannen, sondern von einzelnen Tätern oder eine Gruppe von Tätern - niemand streitet ab, dass es auch in den USA nicht nur Heilige gibt, allerdings sind derartige Vergehen in den USA nicht systemimmanent, wie in Staaten wie Kuba, Nordkorea, China, Iran, Syrien oder anderen langjährigen Diktaturen - deren "Liste" mit diversen Verbrechen dürfte vermutlich länger ausfallen.

    Man kann das US-Justiz-System ja gerne kritiseren, dennoch hätte ich dazu mehr vertrauen, als zur "Justiz" in Afghanistan, wobei schon die Anwendung des Wortes "Justiz" in bezug auf Afghanistan ein Hohn wäre, denn Afghanistan ist Lichtjahre von der Existenz eines vertrauenswürdigen Rechtsstaates, wie man ihn im Westen kennt, entfernt!

    • prete
    • 12.03.2012 um 21:58 Uhr

    ...die USA bezeichnen sich selbst ganz stolz als imperium und imperialismus beddeutet nun einmal per defination ungleichheit, unterdrückung und ausbeutung.
    das diese USA mit vehemenz (und gegenüber dem int. strafgerichtshof mit gewalt drohen) dafür sorgen, dass NIEMAND sich ein (gerichts)urteil über ihre auf der ganzen welt vertreuten truppen erlaubt, ist schlicht voraussetzung für diese imperialistische politik.
    der norwegische friedenforscher johan galtung hat diese politik (2003/TA) wie folgt beschrieben: "die USA, im inneren durchaus mit demokratischen zügen, sind seit jeher ein geofaschistisches land."
    die liste der US kriege und interventionen scheint endlos wie die zahl der opfer dieser politik.
    die vorstellung, ein US verbrecher könnte ausserhalb der USA verurteilt werden, ist deshalb - so wünschenswert und heilsam eine derartige verurteilung auch wäre - schlicht nicht im bereich des denkbaren.

    "Gerade heute, z.B. hat Juan Mendez, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der USA "cruel and inhumane punishment" im Fall Bradley Manning vorgeworfen."

    Die da wären? Bradley Manning sieht im TV ziemlich fit aus, wenn man ihn ins Gerichtsgebäude führt. Vorwürfe ersetzen keine Fakten, wenn Herr Mendez solche hat, soll er sie auf den Tisch legen.

    Menschenrechtsverletzungen bzw. Kriegsverbrechen werden nicht von "den" USA begannen, sondern von einzelnen Tätern oder eine Gruppe von Tätern - niemand streitet ab, dass es auch in den USA nicht nur Heilige gibt, allerdings sind derartige Vergehen in den USA nicht systemimmanent, wie in Staaten wie Kuba, Nordkorea, China, Iran, Syrien oder anderen langjährigen Diktaturen - deren "Liste" mit diversen Verbrechen dürfte vermutlich länger ausfallen.

    Man kann das US-Justiz-System ja gerne kritiseren, dennoch hätte ich dazu mehr vertrauen, als zur "Justiz" in Afghanistan, wobei schon die Anwendung des Wortes "Justiz" in bezug auf Afghanistan ein Hohn wäre, denn Afghanistan ist Lichtjahre von der Existenz eines vertrauenswürdigen Rechtsstaates, wie man ihn im Westen kennt, entfernt!

    • prete
    • 12.03.2012 um 21:58 Uhr

    ...die USA bezeichnen sich selbst ganz stolz als imperium und imperialismus beddeutet nun einmal per defination ungleichheit, unterdrückung und ausbeutung.
    das diese USA mit vehemenz (und gegenüber dem int. strafgerichtshof mit gewalt drohen) dafür sorgen, dass NIEMAND sich ein (gerichts)urteil über ihre auf der ganzen welt vertreuten truppen erlaubt, ist schlicht voraussetzung für diese imperialistische politik.
    der norwegische friedenforscher johan galtung hat diese politik (2003/TA) wie folgt beschrieben: "die USA, im inneren durchaus mit demokratischen zügen, sind seit jeher ein geofaschistisches land."
    die liste der US kriege und interventionen scheint endlos wie die zahl der opfer dieser politik.
    die vorstellung, ein US verbrecher könnte ausserhalb der USA verurteilt werden, ist deshalb - so wünschenswert und heilsam eine derartige verurteilung auch wäre - schlicht nicht im bereich des denkbaren.

  7. Zweifellos ist da einer ausgetickt und hat ein schlimmes Verbrechen verübt, für das er bestraft werden wird, davon ist auszugehen. Aber man möge sich davor hüten, diese Sache aufzublasen und künstliche Empörung zu heucheln.

    Denn wo bleibt diese Empörung, wenn ein durchgeknallter afghanischer "Soldat" oder "Polizist" Amok läuft und Angehörige der ISAF-Truppen meuchelt? Wo bleibt die Empörung angesichts von Mordtaten der Talibanis, z. B. gegen die eigene Bevölkerung? Nichts - keine Empörung, keine Schuldeingeständnisse, keine Entschädigungszahlungen an die Opfer. Rasch geht man jedesmal zur Tagesordnung über.

    Krieg verroht, solche Taten gab es immer und wird es immer wieder geben, auf allen Seiten, bedauerlicherweise. Aber Angesichts dessen, was die Afghanen immer wieder abliefern, sollten diese sich mit Forderungen nach einem Prozess ganz gepflegt zurückhalten, da sie die Killer in den eigenen Reihen nicht unter Kontolle haben.

    4 Leserempfehlungen
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    Wenn man nur ein der letzen bekannten Skandale der US-Armee als Beispiel anschaut, die Haditha Massaker mit 24 tote Zivilisten, dann ahnt man wie der Pentagon mit dieser Art von Verbrechern umgeht: nämlich gar nicht oder mit samt Handschuhe.

    Das angebliche schlechte Benehmen der gegenerischen Seite hier als Rechtfertigung für "unsere ausgetickte" Soldaten zu bieten, ist ein ziemlich schwaches wenn nicht zynisches Argument. Afghanistan hat NATO/USA/Bundeswehr nicht nach Hilfe gebeten, das Land ist angegegriffen worden: wir sind die Invasoren, und tragen daher die Verantwortung für die schlimme Situation in Afghanistan. Hoffentlich nicht nur mit Empörung in Leser-Kommentaren.

    • zappp
    • 12.03.2012 um 17:57 Uhr

    Wer Soldaten rekrutiert und in einen Krieg schickt muss damit rechnen, dass unter den Bewerbern auch Psychopathen sind, die eben gerade den Umgang mit Waffen, die Gewalt, die Macht über Leben und Tod suchen, oder dass Soldaten unter den Belastungen zusammenbrechen und Amok laufen. Erst recht muss man einem Soldaten in einer unübersichtlichen Situation das Recht auf Irrtum einräumen.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Täter nur eingeschränkt schuldfähig ist und deswegen völlig zurecht mit einer kleinen Strafe davonkommt. Vor allem haben auch die Angeklagten Anspruch auf einen ordentlichen Prozess. Afghanistan ist eben kein Rechtsstaat und die Scharia hat in ihrer praktischen Anwendung eher Elemente einer vermeintlich volksnahen Lynchjustiz, wird durchaus missbraucht, um unliebsame Geschäftspartner, Ehefrauen, Rivalen oder politische Gegner aus dem Weg zu räumen.

    Verantwortlich ist nicht der Täter alleine, sondern gewiss auch Oberbefehlshaber und Parlament, die ungeeignete Bewerber rekrutieren lassen, unzulänglich ausbilden oder in schwierige Situation bringen. Ja, Krieg verroht. Und das wissen die Politiker.

    @Imperatorrex: "Denn wo bleibt diese Empörung, wenn ein durchgeknallter afghanischer "Soldat" oder "Polizist" Amok läuft und Angehörige der ISAF-Truppen meuchelt?... Aber Angesichts dessen, was die Afghanen immer wieder abliefern, sollten diese sich mit Forderungen nach einem Prozess ganz gepflegt zurückhalten."

    Sie vergessen eins, Die Afghanen befinden sich in ihrem Land und die ISAF Truppen sind Besatzer in einem fremden Land.

    Zweifellos ist da einer ausgetickt und hat ein schlimmes Verbrechen verübt, für das er bestraft werden wird, davon ist auszugehen. Aber man möge sich davor hüten, diese Sache aufzublasen und künstliche Empörung zu heucheln.

    1. Meine Empörung ist nicht künstlich, die ist echt!

    2. Was will man an einem feigen Mord an Zivilisten inkl. Frauen und kleinen Kindern noch "aufblasen"? Das ist das so ziemlich schlimmste Verbrechen was man begehen kann. Zumal es auchnoch (laut Anwohnern und Zeugen) aus purem Vergnügen im Suff passiert ist.

    3. Ich habe noch von keinem Afghanen gehört, der betrunken durch die Straßen zieht und grundlos Zivilisten ermordet.

    Nein, diese ekelhaften Verbrechen sind weder entschuldbar, noch eien Ausnahme. Inzwischen gibt es ja 1-2 solcher kranker Verbrechen von Seiten der US-Armee pro Monat. Sowas kann man einfach nicht relativieren mit Verbrechen der Taliban. Denn die USA sind in Afghanistan um angeblich Frieden und Sicherheit zu bringen und die Menschen vor den Taliban zu schützen. So wie es ausieht, schützen aber eher die Taliban die Menschen vor den US-Soldaten.

    denn wir sind ja die guten die den deppen dort den segen unserer zivilisation und unsere moralischen wertesysteme bringen, oder?

    da passen dann irgendwelche in kill-teams agierenden einzelpersonen nicht so recht ins weltbild.

    ist ihnen eigentlich aufgefallen, dass die offizielle amerikanische darstellung eines verwirrten einzeltäters diversen berichten widerspricht, die von einer horde betrunkener soldaten sprechen, welche für das jüngste massaker verantwortlich sind?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    Wenn man nur ein der letzen bekannten Skandale der US-Armee als Beispiel anschaut, die Haditha Massaker mit 24 tote Zivilisten, dann ahnt man wie der Pentagon mit dieser Art von Verbrechern umgeht: nämlich gar nicht oder mit samt Handschuhe.

    Das angebliche schlechte Benehmen der gegenerischen Seite hier als Rechtfertigung für "unsere ausgetickte" Soldaten zu bieten, ist ein ziemlich schwaches wenn nicht zynisches Argument. Afghanistan hat NATO/USA/Bundeswehr nicht nach Hilfe gebeten, das Land ist angegegriffen worden: wir sind die Invasoren, und tragen daher die Verantwortung für die schlimme Situation in Afghanistan. Hoffentlich nicht nur mit Empörung in Leser-Kommentaren.

    • zappp
    • 12.03.2012 um 17:57 Uhr

    Wer Soldaten rekrutiert und in einen Krieg schickt muss damit rechnen, dass unter den Bewerbern auch Psychopathen sind, die eben gerade den Umgang mit Waffen, die Gewalt, die Macht über Leben und Tod suchen, oder dass Soldaten unter den Belastungen zusammenbrechen und Amok laufen. Erst recht muss man einem Soldaten in einer unübersichtlichen Situation das Recht auf Irrtum einräumen.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Täter nur eingeschränkt schuldfähig ist und deswegen völlig zurecht mit einer kleinen Strafe davonkommt. Vor allem haben auch die Angeklagten Anspruch auf einen ordentlichen Prozess. Afghanistan ist eben kein Rechtsstaat und die Scharia hat in ihrer praktischen Anwendung eher Elemente einer vermeintlich volksnahen Lynchjustiz, wird durchaus missbraucht, um unliebsame Geschäftspartner, Ehefrauen, Rivalen oder politische Gegner aus dem Weg zu räumen.

    Verantwortlich ist nicht der Täter alleine, sondern gewiss auch Oberbefehlshaber und Parlament, die ungeeignete Bewerber rekrutieren lassen, unzulänglich ausbilden oder in schwierige Situation bringen. Ja, Krieg verroht. Und das wissen die Politiker.

    @Imperatorrex: "Denn wo bleibt diese Empörung, wenn ein durchgeknallter afghanischer "Soldat" oder "Polizist" Amok läuft und Angehörige der ISAF-Truppen meuchelt?... Aber Angesichts dessen, was die Afghanen immer wieder abliefern, sollten diese sich mit Forderungen nach einem Prozess ganz gepflegt zurückhalten."

    Sie vergessen eins, Die Afghanen befinden sich in ihrem Land und die ISAF Truppen sind Besatzer in einem fremden Land.

    Zweifellos ist da einer ausgetickt und hat ein schlimmes Verbrechen verübt, für das er bestraft werden wird, davon ist auszugehen. Aber man möge sich davor hüten, diese Sache aufzublasen und künstliche Empörung zu heucheln.

    1. Meine Empörung ist nicht künstlich, die ist echt!

    2. Was will man an einem feigen Mord an Zivilisten inkl. Frauen und kleinen Kindern noch "aufblasen"? Das ist das so ziemlich schlimmste Verbrechen was man begehen kann. Zumal es auchnoch (laut Anwohnern und Zeugen) aus purem Vergnügen im Suff passiert ist.

    3. Ich habe noch von keinem Afghanen gehört, der betrunken durch die Straßen zieht und grundlos Zivilisten ermordet.

    Nein, diese ekelhaften Verbrechen sind weder entschuldbar, noch eien Ausnahme. Inzwischen gibt es ja 1-2 solcher kranker Verbrechen von Seiten der US-Armee pro Monat. Sowas kann man einfach nicht relativieren mit Verbrechen der Taliban. Denn die USA sind in Afghanistan um angeblich Frieden und Sicherheit zu bringen und die Menschen vor den Taliban zu schützen. So wie es ausieht, schützen aber eher die Taliban die Menschen vor den US-Soldaten.

    denn wir sind ja die guten die den deppen dort den segen unserer zivilisation und unsere moralischen wertesysteme bringen, oder?

    da passen dann irgendwelche in kill-teams agierenden einzelpersonen nicht so recht ins weltbild.

    ist ihnen eigentlich aufgefallen, dass die offizielle amerikanische darstellung eines verwirrten einzeltäters diversen berichten widerspricht, die von einer horde betrunkener soldaten sprechen, welche für das jüngste massaker verantwortlich sind?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    • Soruz
    • 12.03.2012 um 17:37 Uhr

    wenn Karzai's "unzufriedenen paschtunischen Brüder" (Karzai bezeichnet die Taliban sowie Haqqani und Hekmatyar-Gruppen als "unzufriedene Brüder") massenhaft Menschen in Afghanistan umbringen, zuletzt durch die Anschläge in Kandahar, Mazar i Scharif und in Kabul am 6.Dezember 2011.

    Allein in Kabul ermordeten 50 Menschen. 100 Menschen wurden verletzt. Um mit diesen Steinzeitislamisten zu verhandeln, schwiegt die sog. Mehrheit und "Staatsvolk", um ihre paschtunischen Brüder nicht zu ärgern.

    Die Machtergreifungshilfe der Taliban seitens der USA und des Westens ist sehr gefährlich. Ich erwarte noch schlimmere Blutbäder Massenmord in dem Land.

    Wie hat das Roy Gutman geschrieben: "Tajiks should go to Tajikistan, Uzbeks to Uzbekistan, Hazaras to Iran. We are Afghans. This is our land." Omar (Chef von Taliban) said goodbye.

    Roy Gutman: HOW WE MISSED THE STORY Osama bin Laden, the Taliban, and the Hijacking of Afghanistan, 2008, S. 112

    digital: http://books.google.de/bo...

    Verbrechen ist Verbrechen, ob von einem Amerikaner oder von einem Afghanen = Paschtunen oder Nichtpaschtunen begangen wird. Stammescodex der Paschtunen "Paschtunwali" ="Afghanyat" ist der Grund, warum ein Verbrecher innerhalb des Stammes geschützt wird. Leider sind Paschtunen=Afghanen Namengeber des Landes.
    Namensänderung und Teilung angesagt!

    Eine Leserempfehlung

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