Soldaten der Schutztruppe Isaf in Afghanistan © Getty Images

Im Süden Afghanistans hat ein US-Soldat nach offiziellen Angaben bis zu 16 Zivilisten getötet oder verletzt. Der Mann habe vor Sonnenaufgang einen Armeestützpunkt in der Provinz Kandahar verlassen und auf die Menschen geschossen, sagte Provinzchef Torjalai Wesa.

Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, der Soldat sei festgenommen worden, nannte jedoch keine Einzelheiten. Augenzeugen erzählten, der Soldat sei in drei Häuser eingedrungen. Unter den Todesopfern seien Frauen, Kinder und ältere Männer.

Ein Dorfältester aus dem Dorf Nadschiban im Bezirk Pandschwadschi sagte, elf Mitglieder seiner Familie seien getötet worden. Ein anderer Mann aus dem Dorf Alkosai sagte, er habe bei dem Angriff auf sein Haus vier Familienmitglieder verloren.

Ein westlicher Verantwortlicher sagte, der Amoklauf habe sich in den frühen Morgenstunden ereignet. Der US-Soldat habe um sich geschossen und sei dann in sein Büro zurückgekehrt. Dort sei er festgenommen worden. Er befinde sich nun in Gewahrsam der internationalen Truppen . Mögliche Motive des Manns sind bislang nicht bekannt.



Untersuchung des Vorfalls durch US-Truppen

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die Regierung spreche den betroffenen Familien ihr "aufrichtiges Beileid" aus. Auch die Nato-geführte Afghanistantruppe Isaf sprach ihr Beileid aus. Der Vorfall sei "zutiefst zu bedauern", hieß es in der Isaf-Erklärung. Die Truppe sicherte eine Untersuchung durch die US-Truppen und die afghanischen Behörden zu. Auch die US-Botschaft in Kabul sprach ihr Bedauern und ihr Beileid aus. Es werde alles zur Aufklärung des Vorfalls getan, hieß es.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai nannte die Tat "unverzeihlich". In einer in Kabul veröffentlichten Erklärung hieß es, wenn US-Soldaten absichtlich afghanische Zivilisten töteten, dann sei dies "Mord und Terror". Karsai erklärte, unter den 16 Toten seien neun Kinder und drei Frauen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle ( FDP ) sprach von einem "Rückschlag für das große Engagement der internationalen Gemeinschaft für Frieden und Aussöhnung in Afghanistan". Er warnte, es wäre eine weitere "Tragödie, wenn jetzt als Reaktion auf diese schreckliche Tat weitere Menschen zu Schaden kämen".

Karsai kündigt Abkommen über strategische Partnerschaft an

Zuvor hatte Karsai angekündigt, dass das Abkommen über eine strategische Partnerschaft Afghanistans mit den USA nach 2014 im Mai unterzeichnet werden soll. Beide Seiten hätten sich auf "neue Rahmenbedingungen" verständigt, so dass der Vertrag zum Nato-Gipfel in Chicago unterschriftsreif vorliegen könne, sagte Karsai.

Anders als ursprünglich geplant soll das Abkommen nach Angaben Karsais zunächst jedoch keine Regelung über die Stationierung von US-Soldaten in Afghanistan nach dem offiziellen Ende des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 enthalten. Über diese Frage solle mit der US-Regierung separat verhandelt werden, erklärte Karsai. Aus Washington gab es zunächst keine Stellungnahme.

Erst am Freitag hatten sich Afghanistan und die USA auf die Übergabe des umstrittenen US-Militärgefängnisses Bagram in afghanische Verantwortung verständigt. Das war einer der beiden Streitpunkte zwischen beiden Seiten, die dem Abkommen bislang im Weg standen. Der andere sind die umstrittenen Nachteinsätze von Nato-Truppen gegen radikalislamische Aufständische.

Karsai hatte erneut von den internationalen Truppen gefordert, die sogenannten Night Raids zu stoppen. Andernfalls werde es kein strategisches Abkommen mit den USA geben. Die Internationale Schutztruppe Isaf hatte das bislang abgelehnt.

Lage in Afghanistan angespannt

Die Lage in Afghanistan war zuletzt stark angespannt . Ende Februar hatten US-Soldaten auf dem Militärstützpunkt Bagram nahe der afghanischen Hauptstadt Kabul Ausgaben des Korans verbrannt . Es gab tagelange Proteste, bei denen Dutzende Menschen getötet wurden. Im Januar sorgte ein Internetvideo für Empörung, auf dem US-Soldaten zu sehen sind, wie sie Leichen afghanischer Aufständischer schänden .

Seit dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan im Herbst 2001 gab es bereits wiederholt Angriffe von US-Soldaten auf afghanische Zivilisten. Im November wurde in den USA der Anführer eines "Tötungsteams" zu lebenslanger Haft verurteilt , der zwischen Januar und Mai 2010 in der Provinz Kandahar mit mehreren Kameraden drei afghanische Zivilisten ermordet hatte. Drei weitere angeklagte US-Soldaten erhielten mehrjährige Haftstrafen.