In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es in der Nacht offenbar zu heftigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Freien Syrischen Armee gekommen. Nach Angaben von Aktivisten wurden bei den Gefechten in der Hauptstadt mehr als 80 Menschen getötet. Der in Damaskus aktive Oppositionelle Heitham al-Abdullah sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass unter den Toten etwa 50 regimetreue Soldaten seien.

Der arabische Sender Al Jazeera meldete am Morgen unter Berufung auf Oppositionelle, es seien mindestens fünf Explosionen im Al-Mezzeh-Viertel westlich des Stadtzentrums zu hören gewesen. Außerdem habe es schwere Schusswechsel gegeben

Einwohner hörten nach eigener Auskunft das Feuer schwerer Maschinengewehre und von Panzerabwehrraketen. Eine Frau, die in der Gegend lebt, berichtete per Telefon von Explosionsgeräuschen. "Die Sicherheitspolizei hat verschiedene Seitenstraßen blockiert, und die Straßenbeleuchtung wurde ausgeschaltet", sagte sie. Der Bereich sei abgeriegelt, berichtete auch Al Jazeera. Hubschrauber würden über dem Stadtteil fliegen. Auch aus dem östlichen Viertel Kabun sollen Schüsse zu hören gewesen sein.

Al-Mezzeh liegt unterhalb des Präsidentenpalastes am Rande der Innenstadt von Damaskus. Nach Angaben des Senders sind in Al-Mezzeh mehrere Regierungseinrichtungen und Botschaften untergebracht.

Nach Angaben des Leiters der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, handele es sich um die schwersten Gefechte im Zentrum von Damaskus seit Beginn des Volksaufstands vor einem Jahr. Bereits Mitte Februar hatte es in dem Viertel große Proteste gegeben.

Der staatliche Fernsehsender Al-Ichbarija wies die Berichte von Al Jazeera hingegen zurück. Demnach seien lediglich drei "Terroristen" und ein Mitglied der Sicherheitskräfte getötet worden. Ein viertes Mitglied der in einem Wohnhaus verschanzten Gruppe sei festgenommen worden.

Sprengsätze in Damaskus und Aleppo

Bereits am Wochenende waren bei einer Serie von Anschlägen in Damaskus und Aleppo Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag starben nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mehr als 30 Menschen bei drei Explosionen in Damaskus . Am Sonntag explodierte ein weiterer Sprengsatz in Aleppo. Oppositionsaktivisten teilten mit, dass drei Menschen getötet und mindestens 25 verletzt wurden. Laut Sana starben ein Mitglied der staatlichen Einsatzkräfte und eine Frau, 30 weitere Menschen seien verletzt worden.

Wegen der Medienblockade der Assad-Regierung ist eine unabhängige Überprüfung der Meldungen kaum möglich.

Seit fast drei Monaten gibt es in Syrien immer wieder Bombenanschläge auf Institutionen der staatlichen Einsatzkräfte. Die Regierung macht Terroristen dafür verantwortlich, die Opposition das Regime selbst. Seit Beginn des Aufstandes gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad am 15. März 2011 wurden nach UN-Schätzungen mindestens 8.000 Menschen getötet. Oppositionelle gehen von mehr als 9.000 Toten aus.

Außenminister Guido Westerwelle erwartet nach den Anschlägen einen Sinneswandel in Moskau. "Die jüngsten kritischen Äußerungen meines russischen Amtskollegen Sergej Lawrow an die Adresse des syrischen Regimes markieren hoffentlich den Beginn eines Politikwechsels in Moskau gegenüber Assad", sagte Westerwelle. Lawrow hatte zuvor die Gewalt auf beiden Seiten als "unverhältnismäßig" kritisiert und einen Dialog der Konfliktparteien gefordert.