SyrienOffenbar heftige Gefechte in Damaskus

Regierungstruppen und die Freie Syrische Armee haben sich offenbar Kämpfe im Zentrum der Hauptstadt geliefert. Augenzeugen berichten von Explosionen und Schusswechseln. von dpa und Reuters

Ein Gebäude der staatlichen Einsatzkräfte in Damaskus nach den Anschlägen vom Samstag

Ein Gebäude der staatlichen Einsatzkräfte in Damaskus nach den Anschlägen vom Samstag  |  © Louai Beshara/AFP/Getty Images

In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es in der Nacht offenbar zu heftigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Freien Syrischen Armee gekommen. Nach Angaben von Aktivisten wurden bei den Gefechten in der Hauptstadt mehr als 80 Menschen getötet. Der in Damaskus aktive Oppositionelle Heitham al-Abdullah sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass unter den Toten etwa 50 regimetreue Soldaten seien.

Der arabische Sender Al Jazeera meldete am Morgen unter Berufung auf Oppositionelle, es seien mindestens fünf Explosionen im Al-Mezzeh-Viertel westlich des Stadtzentrums zu hören gewesen. Außerdem habe es schwere Schusswechsel gegeben

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Einwohner hörten nach eigener Auskunft das Feuer schwerer Maschinengewehre und von Panzerabwehrraketen. Eine Frau, die in der Gegend lebt, berichtete per Telefon von Explosionsgeräuschen. "Die Sicherheitspolizei hat verschiedene Seitenstraßen blockiert, und die Straßenbeleuchtung wurde ausgeschaltet", sagte sie. Der Bereich sei abgeriegelt, berichtete auch Al Jazeera. Hubschrauber würden über dem Stadtteil fliegen. Auch aus dem östlichen Viertel Kabun sollen Schüsse zu hören gewesen sein.

Al-Mezzeh liegt unterhalb des Präsidentenpalastes am Rande der Innenstadt von Damaskus. Nach Angaben des Senders sind in Al-Mezzeh mehrere Regierungseinrichtungen und Botschaften untergebracht.

Nach Angaben des Leiters der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, handele es sich um die schwersten Gefechte im Zentrum von Damaskus seit Beginn des Volksaufstands vor einem Jahr. Bereits Mitte Februar hatte es in dem Viertel große Proteste gegeben.

Der staatliche Fernsehsender Al-Ichbarija wies die Berichte von Al Jazeera hingegen zurück. Demnach seien lediglich drei "Terroristen" und ein Mitglied der Sicherheitskräfte getötet worden. Ein viertes Mitglied der in einem Wohnhaus verschanzten Gruppe sei festgenommen worden.

Sprengsätze in Damaskus und Aleppo

Bereits am Wochenende waren bei einer Serie von Anschlägen in Damaskus und Aleppo Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag starben nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mehr als 30 Menschen bei drei Explosionen in Damaskus . Am Sonntag explodierte ein weiterer Sprengsatz in Aleppo. Oppositionsaktivisten teilten mit, dass drei Menschen getötet und mindestens 25 verletzt wurden. Laut Sana starben ein Mitglied der staatlichen Einsatzkräfte und eine Frau, 30 weitere Menschen seien verletzt worden.

Wegen der Medienblockade der Assad-Regierung ist eine unabhängige Überprüfung der Meldungen kaum möglich.

Seit fast drei Monaten gibt es in Syrien immer wieder Bombenanschläge auf Institutionen der staatlichen Einsatzkräfte. Die Regierung macht Terroristen dafür verantwortlich, die Opposition das Regime selbst. Seit Beginn des Aufstandes gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad am 15. März 2011 wurden nach UN-Schätzungen mindestens 8.000 Menschen getötet. Oppositionelle gehen von mehr als 9.000 Toten aus.

Außenminister Guido Westerwelle erwartet nach den Anschlägen einen Sinneswandel in Moskau. "Die jüngsten kritischen Äußerungen meines russischen Amtskollegen Sergej Lawrow an die Adresse des syrischen Regimes markieren hoffentlich den Beginn eines Politikwechsels in Moskau gegenüber Assad", sagte Westerwelle. Lawrow hatte zuvor die Gewalt auf beiden Seiten als "unverhältnismäßig" kritisiert und einen Dialog der Konfliktparteien gefordert.

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Leserkommentare
  1. wird es gemacht.

    "Außenminister Guido Westerwelle erwartet nach den Anschlägen einen Sinneswandel in Moskau. "Die jüngsten kritischen Äußerungen meines russischen Amtskollegen Sergej Lawrow an die Adresse des syrischen Regimes markieren hoffentlich den Beginn eines Politikwechsels in Moskau gegenüber Assad", sagte Westerwelle."

    Ein guter Außenminister trifft keine Entscheidungen, sondern schiebt diese auf andere. Damit ist man immer gut gefahren und stolz darauf.
    Weder kommt man in die Schusslinie, noch trägt man Verantwortung.
    Wir stehen hinter unserer Außenpolitik, Schuld verteilen und den Zeigefinger nicht vergessen.

  2. Die "Freie Syrische Armee" meldete im Sommer 2011, dass sie die Zivilbevölkerung vor Gewalt schützen will.
    http://www.asharq-e.com/n...

    Wie passt das nun zu den Terroranschlägen bei denen Zivilisten ums Leben kommen?
    Wenn die "Freie Syrische Armee" ihrem Grundsatz treu bleiben will, dann müsste sie doch jetzt diese Terroristen bekämpfen.

    • vishal
    • 19. März 2012 11:45 Uhr

    Ich habe in den letzten Tagen die Situation in Syrien durch verschiedene Medien verfolgt und versucht, mir mein eigenes Bild zu machen.
    Bspw Zeit.de;
    rian.ru
    Scholl-Latour und anderen Kennern dieser Region..

    Mein Fazit, welches auch einige Mitforisten befürworten, lautet,
    dass hier eine eindeutige Manipulation vorliegt, die uns glaubhaft machen möchte, dass es einer neuen "Ordnung" im arabischen Gebiet bedürfe. Welche Interessen von WEM vor allem dahinter stecken wage ich garnicht hier zu erwähnen.

    Meine Frage an die Mitforisten: Die Mehrheit der Foristen sieht das alles nicht so schwarz-weiß ist wie in den mainstreammedien dargelegt.Was auch gut ist. Also was kann man dagegen tun ? Außer hier im Kommentarbereich seinen "Senf" dazu zu geben?
    Wie kann man Menschenleben retten? (Bspw. zivile Opfer in Syrien, oder bald dann auch zivile Opfer im Iran)

    mfg

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    die Menschen in ihrem Umfeld darauf hin zu weisen das nicht alles schwarz weiß dort ist.
    Diese Reuters Artikel sind keine Informationsartikel sondern verfolgen eine bestimmte Agenda. Sonst würde man nicht den Terminus "freie syrische Armee" benutzen und Asssad unterstellen das er seine eigenen Regierungsgebäude in die Luft sprengt(achtung Verschwörungstheorie!)sondern den der Rebellen wie in Lybien. Das reicht hier aber anscheinend nicht mehr.
    In fast jedem Land der Welt gibt es politische Oppositionen zu den Regierungen. Da die LAge in Nordafrika so instabil ist versuchen diese Gruppen teilweise mit Gewalt einen Regimechange herbei zu führen. Wenn uns das aktuelle Regime zusagt verurteilen wir solche Gruppen, die Staatsgebäude mit Bomben hoochsprengen und Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Ansichten umbringen, als das was sie sind, nämlich als Terroristen. Hier sind es halt Freiheitskämpfer weil man das REgime in Damaskus nicht mag, da es eng mit dem Iran zusammenarbeitet und der Iran bei einem evtl. Angriff Israels nur über Syrien zurückschlagen kann , weil von dort direkt der Weg zu Gruppen wie Hisbollah , Hamaz etc. geht.Nur über Syrien könnte der Iran zurückschlagen, ganz davon abgesehen das es die einzige Grenze zum Iran ist die nicht von den USA oder der Nato kontrolliert wird. Das ist die traurige Wahrheit.

    Lassen wir Iran mal außen vor.
    Was da zur Debatte steht (vor allem bei Israel), ist ein Angriffskrieg. So etwas hat überhaupt nichts zu tun mit einem Befreiungskrieg, in dem ein Volk sich von seiner Diktatur befreit.

    Die Situation in Syrien ist für Außenstehende extrem schwierig. Das liegt daran, dass die syrische Opposition nicht geschlossen ist. In Libyen war sie das, und ich denke, das machte eine Entscheidung überhaupt erst möglich. In Libyen war der Aufstand von Demonstrationen ausgegangen, dem sich sehr schnell selbst höchste Regierungsvertreter, wie Justizminister und hochrangige Diplomaten, angeschlossen hatten, auch viele Behördenvertreter, die die Dokumente heraus schmuggelten, die den Haftbefehl des ICC ermöglichten; denken wir daran, dass der sich nur auf Taten VOR der Resolution zur Einrichtung der no-fly-zone bezog, und hier muss natürlich ein dringender Tatverdacht bestehen, um einen Haftbefehl zu ermöglichen, es müssen also Dokumente vorgelegt werden, und da braucht es natürlich Leute, die bereit sind, sie zu beschaffen.
    All dies ist in Syrien nicht der Fall, und das macht die Lage schwierig.
    Ich denke, man wird international eine Grenze definieren müssen, die keine Regierung zu überschreiten hat. Man wird festschreiben müssen, dass keine Regierung das Recht hat, Kriegswaffen gegen das eigene Volk einzusetzen, gleich, ob dies eine Minderheit betrifft oder die Mehrheit.

  3. schon die Formulierung einzelner Passagen hier ist doch sehr manipulativ.
    Freie Syrische Armee? In einem Land das dem Westen freundlicher gegenüber eingestellt wäre würde man diese Formulierung niemals benutzen sondern diese Leute als das benennen was sie sind. Terroristen die aus religiösen Gründen die Regierung stürzen wollen und deshalb u.A. Bombenanschläge verüben und mit Sniperfeuer auf Pro Assad Demos schießen.

    Es gibt also einen Teil der Bevölkerung der unzifrieden mit Assad ist. Die Regierungspartei in Deutschland, Cdu hat ungefähr 35% Zustimmung in der Bevölkerung. WEnn also aus diese 65% die die CDu nicht unterstützen LEute sich bewaffnen würden mit Hilfe des Auslandes und Rathäuser und andere staatliche Einrichtungen in die Luft sprengen würde und Staatsdiener umbringen würden wäre das also auch legitim nach der Logik die hier präsentiert wird.

    Fazit: In einem LAnd wo uns die Regierung zusagt nennt man solche paramilitärische Staatsfeinde beim Namen. Es sind Terroristen. die Regierunggebäude in die Luft sprengen und bestimmte Teile des Landes zu einem rechtsfreien Raum erklären wo das Rebellengesetz gilt. Aber stimmt ja Assad sprengt seine Regierungsgebäude wahrscheinlich selber hoch.
    Das ist dann keine Verschwörungstheorie?
    Das Verhalten der "freien syrischen Armee" entspricht dem Verhalten von Staatsterroristen. Wenn eine Gruppe Menschen tötet nur weil sie für die Regierung arbeiten sind es immer Terroristen, AUSSER IN SYRIEN?

  4. Bei der Sprengung der Brücke zwischen Damaskus und Daraa wurden nach Schätzung von Experten 700 - 1.000 Kilo Sprengstoff verwendet.

    Scheinbar hatben die "demokratischen Rebellen" die Strategie gewechselt und greifen massiv die Infrastruktur in Syrien an, um das Land wirschaftlich zu zerstören. Die Reparatur dieser einen zerstörten Brücke wird 30 Millionen Syrische Pfund kosten.

    Woher haben die "Rebellen" derartige Mengen Sprengstoff?

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    Dreimal dürfen Sie raten!

  5. "Außenminister Guido Westerwelle erwartet nach den Anschlägen einen Sinneswandel in Moskau. "
    Kann mir jemand sagen warum?? Soll nun Rußland und China das "GO" geben für NATO Einsätze wie im Libyen? Dort gab es mehr als 50 000 Tote durch den Einsatz der Nato Truppen. Aber von denen spricht keiner mehr diese sind ja von den Guten getötet worden.

    Bitte immer vor Augen halten von wem die Terroristen in Syrien unterstützt werden. Diese sind anti- Demokraten und intolerante Islam gläubige, ich hoffe nicht das Syrien wie Saudi Arabien wird.

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    wenn die Russen jetzt nicht klein bei geben wird es mit den Anschlägen weiter gehen und die Infrastruktur dieses Landes wird komplett zerstört, so dass die Russen ihre GEschäftsbeziehungen mit Syrien so oder so vergessen können.Die freie Armee a.k.a. Terroristen werden dann weiterhin mit Waffen und Sprengstoff beliefert.DAnn doch lieber 6 Wochen mit der Nato rein und eine Übergangsregierung istallieren ohne politsches Wissen und Standing und Diese dann ausbeuten. So wie in Lybien halt.
    Falls die Russen und Chinesen nicht klein bei geben wird ihnen die Eskalation in Syrien in die schuhe geschoben obwohl diese beiden Nationen die einzigen sind die die Rebellen(Terroristen) sicherlich nicht mit Waffen und Sprengstoff beliefern.

  6. die Menschen in ihrem Umfeld darauf hin zu weisen das nicht alles schwarz weiß dort ist.
    Diese Reuters Artikel sind keine Informationsartikel sondern verfolgen eine bestimmte Agenda. Sonst würde man nicht den Terminus "freie syrische Armee" benutzen und Asssad unterstellen das er seine eigenen Regierungsgebäude in die Luft sprengt(achtung Verschwörungstheorie!)sondern den der Rebellen wie in Lybien. Das reicht hier aber anscheinend nicht mehr.
    In fast jedem Land der Welt gibt es politische Oppositionen zu den Regierungen. Da die LAge in Nordafrika so instabil ist versuchen diese Gruppen teilweise mit Gewalt einen Regimechange herbei zu führen. Wenn uns das aktuelle Regime zusagt verurteilen wir solche Gruppen, die Staatsgebäude mit Bomben hoochsprengen und Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Ansichten umbringen, als das was sie sind, nämlich als Terroristen. Hier sind es halt Freiheitskämpfer weil man das REgime in Damaskus nicht mag, da es eng mit dem Iran zusammenarbeitet und der Iran bei einem evtl. Angriff Israels nur über Syrien zurückschlagen kann , weil von dort direkt der Weg zu Gruppen wie Hisbollah , Hamaz etc. geht.Nur über Syrien könnte der Iran zurückschlagen, ganz davon abgesehen das es die einzige Grenze zum Iran ist die nicht von den USA oder der Nato kontrolliert wird. Das ist die traurige Wahrheit.

    Antwort auf "Lösung?"
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    Richtig bemerkt.
    §1 Das ganze Unheil geht von Assad aus.
    §2 Die Rebellen sind friedlich.
    §3 Sollte mal von den Rebellen Gewalt ausgehen, gilt $1.
    Bei Reuters warte ich auf diese Schlagzeile:
    "Assad sprengt sich selbst in die Luft und schiebt das den Rebellen unter."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Sergej Lawrow | Anschlag | Nachrichtenagentur | Sender | Sprengsatz
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