Wahl in FrankreichDer Rote gegen den Rechten

Frankreich hat die Wahl zwischen Hollande und Sarkozy. G. v. Randow beginnt seine Kolumne und stellt fest: Er hat es mit einem Zimmermann und einem Feuerwehrmann zu tun. von 

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf einer Wahlkampfveranstaltung in Lille

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf einer Wahlkampfveranstaltung in Lille  |  © Denis Charlet/AFP/Getty Images

Von nun an erscheint eine wöchentliche Kolumne, in der es um die Wahlen in Frankreich geht: In zwei Wahlgängen am 22. April und am 6. Mai bestimmen die Franzosen ihren Präsidenten, am 10. und 17. Juni dann die Zusammensetzung ihrer Nationalversammlung.

Das wird spannend, aus vielen Gründen. Zunächst einmal, weil der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy , der wiedergewählt werden will , eine, sagen wir, schillernde Persönlichkeit ist. Außerdem, weil seine Niederlage festzustehen scheint – aber dieses scheint ist eben tückisch; ein gutes Drittel der Wähler ist noch unentschieden. Und schließlich, weil das Wahlergebnis weitreichende Wirkungen haben wird, nicht nur für Frankreich, sondern auch für Deutschland, ja für ganz Europa .

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Hilft nichts, zunächst muss ich etwas grundsätzlicher werden. Ist ja alles kein Spaß.

Den Deutschen nämlich ist, durchaus gegen ihren Willen, die politische Führung in Europa zugefallen. Sie zögern sehr, diese Rolle anzunehmen, und sie können es auch nur, wenn sie europäische Politik gemeinsam mit den Franzosen machen: Die sind Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner, sicherheitspolitisch die Nummer eins auf dem Kontinent, diplomatisch erfahrener als alle anderen, ein geostrategisches Bindeglied mit dem Süden – und in den Augen vieler Europäer die Garantie dafür, dass Deutschland es mit einem Gegengewicht zu tun hat.

Frankreichs Politik passt auch künftig nicht zu Deutschland

Aber – welches Frankreich? Darum wird es nun gehen. Denn in diesem Frühjahr wird, wenn es nicht noch zu einer jähen Wendung kommt, zwischen Nicolas Sarkozy und dem sozialistischen Kandidaten François Hollande entschieden.

Keiner von beiden verficht eine Politik, die nahtlos zu derjenigen Deutschlands passt. Beide wollen sie, dass Europa vorrangig von den nationalen Regierungen veranstaltet wird; namentlich die Staatskassen sollen auch in Zukunft nicht in Brüssel , sondern jeweils in Paris, Berlin und den anderen Hauptstädten geführt werden. Beide Kandidaten unterscheiden sich auch wenig in ihrer Vorstellung von Industriepolitik: Subventionen und Kommandos, gegebenenfalls auch Verbote, sind die Waffen der Wahl.

Und doch, Sarkozy und Hollande unterscheiden sich ganz wesentlich voneinander. Fürs Erste will ich mich damit begnügen, Sarkozy als Feuerwehrmann und Hollande als Zimmermann zu karikieren. Der eine sucht die Konfrontation, der andere den Konsens. Der eine schreckt vor sozialen Zumutungen nicht zurück, der andere verspricht den Ausgleich zwischen Arm und Reich. Der eine diskriminiert Ausländer, Muslime und Schwule, der andere "die Finanzwelt". 

Leserkommentare
  1. "Keiner von beiden verficht eine Politik, die nahtlos zu derjenigen Deutschlands passt. Beide wollen sie, dass Europa vorrangig von den nationalen Regierungen veranstaltet wird; namentlich die Staatskassen sollen auch in Zukunft nicht in Brüssel, sondern jeweils in Paris, Berlin und den anderen Hauptstädten geführt werden."
    Was ist daran so verkehrt? So wie ich es wahrnehme, steht die Masse der Bevölkung in Deutschland auch hinter dieser Ansicht. Auch wenn einige Politiker in Deutschland die eigene Souveränität gerne anschaffen würden.
    Mehr Europa und eine entspechende zentrale Steuerung bedürfen leider eines neuen Konzeptes. Vor allem mit mehr demokratischer Legitimation.

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    Redaktion

    dass das "verkehrt" sei?

  2. Die Franzosen müssen als erster in Europa über eine Veraenderung entscheiden! Weiter sinken oder zumindest eine Hoffnungschschimmer für die Zukunft besitzen!

  3. Ein Feuerwehrmann löscht Feuer und legt es nicht.
    Sarkozy ist meines Erachtens vermutlich nur ein kleiner Flic*. Lesen Sie mal Alain Badiou, »Wofür steht der Name Sarkozy?«.

    *Falls die Entf-Taste zum Einsatz kommt: steht im Französischen salopp für Polizist.

    3 Leserempfehlungen
  4. "Und Holland... kann sich auf den verbreiteten Antisarkozysmus verlassen."
    Das Problem ist, dass das so ziemlich das Einzige ist, auf was er sich verlassen kann. Die Arbeiter und kleinen Angestellten" hat die PS schon lange verloren - eingentlich auch noch nie repräsentiert. Aber nie war der Graben zwischen Sozialisten und einem Großteil ihrer eigentlichen Stammwähler so tief wie heute. Die PS braucht sich nur an die Blamage von 2005 erinnern 2/3 der (linken) Wähler stimmten damals gegen den offiziellen Kurs.
    Seitdem hat sich eigentlich gar nichts getan. Schlimmer: Holland ist selbst mit der Führung seiner eigenen Partei gescheitert, die sich wiederum unfähig gezeigt hat (Reims), ihren Kurs zu korrigieren. Holland, ist Kandidat "par defaut"; die letzte Chance einer ganzen Generation, noch einmal an die Macht zu kommen. Sollte er scheitern, werden sie wahrscheinlich sang- und klanglos die politische Bühne verlassen müssen. Es würde mich auch nicht wundern, wenn die PS das nicht überleben würde. Ziellos, konturlos, ohne Programm, wie Holland halt auch. Da ist "links" ein Großteil der Wähler ohne glaubwürdige Vertretung im Parlament (22 von 25 Regionen sind links - 54% der Wähler; 2010).
    Gegen einen anderen Kandidaten würde Holland wahrscheinlich schon im 1. Wahlgang scheitern. So bringt er es gerade mal auf 29% - und auch nur dank Sarkozy. Schwach, sehr schwach!

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    • sudek
    • 02. März 2012 15:38 Uhr

    "...Der eine diskriminiert Ausländer, Muslime und Schwule, der andere "die Finanzwelt". ..."

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    ""...Der eine diskriminiert Ausländer, Muslime und Schwule, der andere "die Finanzwelt". ..."

    Letzteres kann u.U. lebensgefährlich sein - ersteres garantiert den Beifall der Religiösen und bringt Geld aus der Finanzwelt.

    Ich frage mich, ob man nicht schon darüber nachdenkt, in Frankreich die Präsidentschaftswahlen auf "unbestimmte Zeit" zu verschieben, weil ein in der Finanzwelt nicht gewolltes Ergebnis dabei herauszukommen droht? In Griechenland wird sowas ja bereits angedacht, den Italienern ist der Gang zur Urne bereits verwehrt worden.

  5. Toll was Ihr so alles wisst. Ich habe in diesm Land 17 !! Jahre gelebt.
    Ja die Leute. die Mode, die Art und Weise alles toll. Versuch da mal einen Firma zu gruenden, Organisationen und Vereinigungen, die Ihre Hand ausstrecken das einem schwindelig wird. Stimmt der Ur Meter liegt in Paris.......es ist eine Kumpanei ohne Grenzen. Warum gibt es in diesem Land einen seid 20!! Jahren niedergehenden Mittelstand? Wer tut was dagegen, Niemand. Der TGV war mal toll, einzig man muss nicht stehen, Reservierungspflicht und ist er mehr als 30 Minuten zuspaet wird man erstattet, das koennen die. Wer hier in Asien fertigen laesst, ich verstehe es. Rechtsicherheit ist in Fance nun ja und dann Europa das auch regelt, so geht das nicht. Europa gibt es gar nicht

  6. Redaktion

    dass das "verkehrt" sei?

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