Von nun an erscheint eine wöchentliche Kolumne, in der es um die Wahlen in Frankreich geht: In zwei Wahlgängen am 22. April und am 6. Mai bestimmen die Franzosen ihren Präsidenten, am 10. und 17. Juni dann die Zusammensetzung ihrer Nationalversammlung.

Das wird spannend, aus vielen Gründen. Zunächst einmal, weil der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy , der wiedergewählt werden will , eine, sagen wir, schillernde Persönlichkeit ist. Außerdem, weil seine Niederlage festzustehen scheint – aber dieses scheint ist eben tückisch; ein gutes Drittel der Wähler ist noch unentschieden. Und schließlich, weil das Wahlergebnis weitreichende Wirkungen haben wird, nicht nur für Frankreich, sondern auch für Deutschland, ja für ganz Europa .

Hilft nichts, zunächst muss ich etwas grundsätzlicher werden. Ist ja alles kein Spaß.

Den Deutschen nämlich ist, durchaus gegen ihren Willen, die politische Führung in Europa zugefallen. Sie zögern sehr, diese Rolle anzunehmen, und sie können es auch nur, wenn sie europäische Politik gemeinsam mit den Franzosen machen: Die sind Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner, sicherheitspolitisch die Nummer eins auf dem Kontinent, diplomatisch erfahrener als alle anderen, ein geostrategisches Bindeglied mit dem Süden – und in den Augen vieler Europäer die Garantie dafür, dass Deutschland es mit einem Gegengewicht zu tun hat.

Frankreichs Politik passt auch künftig nicht zu Deutschland

Aber – welches Frankreich? Darum wird es nun gehen. Denn in diesem Frühjahr wird, wenn es nicht noch zu einer jähen Wendung kommt, zwischen Nicolas Sarkozy und dem sozialistischen Kandidaten François Hollande entschieden.

Keiner von beiden verficht eine Politik, die nahtlos zu derjenigen Deutschlands passt. Beide wollen sie, dass Europa vorrangig von den nationalen Regierungen veranstaltet wird; namentlich die Staatskassen sollen auch in Zukunft nicht in Brüssel , sondern jeweils in Paris, Berlin und den anderen Hauptstädten geführt werden. Beide Kandidaten unterscheiden sich auch wenig in ihrer Vorstellung von Industriepolitik: Subventionen und Kommandos, gegebenenfalls auch Verbote, sind die Waffen der Wahl.

Und doch, Sarkozy und Hollande unterscheiden sich ganz wesentlich voneinander. Fürs Erste will ich mich damit begnügen, Sarkozy als Feuerwehrmann und Hollande als Zimmermann zu karikieren. Der eine sucht die Konfrontation, der andere den Konsens. Der eine schreckt vor sozialen Zumutungen nicht zurück, der andere verspricht den Ausgleich zwischen Arm und Reich. Der eine diskriminiert Ausländer, Muslime und Schwule, der andere "die Finanzwelt".