Die Höhe der Beteiligung an den iranischen Parlamentswahlen hat zu widersprüchlichen Aussagen geführt. Nach Angaben der Teheraner Staatsführung kamen ungewöhnlich viele Menschen in die Wahllokale. Die starke Teilnahme der Bürger sei ein Zeichen des Widerstandes gegen Drohungen aus dem Ausland, sagte ein Regierungssprecher. Die Behörden verschoben die Schließung der Wahllokale um mehrere Stunden nach hinten.

Die Opposition und Augenzeugen berichteten hingegen das Gegenteil. Die Menschen seien eher mit den Vorbereitungen für das persische Neujahrsfest am 21. März beschäftigt, sagten sie. Einen besonders großen Andrang habe es nicht gegeben.

Die Wahlbeteiligung ist von großer Bedeutung : Sie könnte zeigen, wie viel Zustimmung das Regime in Teheran noch hat. Weil ein Großteil der Kandidaten aus dem Refomlager nicht zur Wahl zugelassen worden war , hatte die iranische Opposition zum Boykott der Wahl aufgerufen. Wenn nun viele Iraner zur Wahl gegangen sein sollten, könnte dies als Zeichen der Zustimmung zum Teheraner Regime gewertet werden. Umgekehrt würde eine niedrige Beteiligung der mehr als 48 Millionen wahlberechtigten Iraner Protest gegen die Regierung ausdrücken.

Ein Endergebnis wurde für Anfang kommender Woche erwartet. Präsident Mahmud Ahmadinedschad will sich für die Wahl 2013 in Stellung bringen. Es war die erste nationale Abstimmung seit der von Massenprotesten begleiteten Wiederwahl Ahmadinedschads 2009.

Opposition: Wer an Freiheit glaubt, geht nicht wählen

Der Ausgang der Parlamentswahl wird indes kaum Auswirkungen auf die Politik des Landes haben. Bei wichtigen Fragen wie dem Atomstreit mit dem Westen und den damit verbundenen Sanktionen hat das Parlament nichts zu sagen. Die Macht liegt bei dem obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei.

Vor und während der Wahl riefen Nachrichtensprecher die Bevölkerung wiederholt auf, "zum Wohle des Landes" an dem Urnengang teilzunehmen. "Diese Wahlen sind eine große Prüfung und sollen alle feindlichen Verschwörungen gegen unser islamisches Land neutralisieren", hieß es beim Staatssender Irib.

Vertreter der Opposition appellierten hingegen an die Bevölkerung, nicht zur Wahl zu gehen. "Wir rufen alle, die an wirkliche Freiheit glauben, auf, nicht an den Wahlen teilzunehmen, um zu zeigen, dass sie symbolische Urnengänge satthaben", schrieb die Oppositionswebseite Jaras. Nach den Massenprotesten vor drei Jahren wurden die Regimegegner nach Einschätzung von Experten praktisch mundtot gemacht .

Mehr als 3.400 Kandidaten bewarben sich um die 290 Sitze. Die meisten Sitze im Parlament wird sich aller Voraussicht nach eine Gruppe sichern, die sich Prinzipalisten nennt. Diese Gruppe wird vom derzeitigen Parlamentspräsidenten und ehemaligen Atom-Unterhändler Ali Laridschani angeführt. Die Konservativen fühlen sich den Prinzipien der islamischen Revolution von 1979 verpflichtet und verhalten sich loyal zum religiösen Establishment. Die Prinzipalisten machen Ahmadinedschad für das Scheitern der Wirtschaftsreformen verantwortlich.