Gaza : Mehrere Palästinenser bei israelischen Luftangriffen getötet

Israel hat bei Angriffen in Gaza insgesamt elf Menschen getötet, darunter auch einen Palästinenser, der im Austausch gegen den Soldaten Gilad Schalit freigekommen war.
Ein Polizist untersucht ein Fahrzeug in Gaza, nachdem es durch einen israelischen Luftangriff getroffen wurde. © Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Die  israelische Luftwaffe hat am Freitag einen Palästinenserführer in Gaza getötet. Reaktion und Gegenreaktion folgten in schneller Folge: Auf palästinensischen Raketenbeschuss antwortete Israel am Samstagmorgen mit weiteren Luftangriffen, bei denen nach Angaben von CNN  neun Palästinenser starben. Weitere 14 Menschen sind nach Angaben des medizinischen Notdienstes in Gaza-Stadt zum Teil schwer verletzt worden.

Auslöser der Gewalt war der Tod des Kommandeurs der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi. Er wurde Augenzeugenberichten zufolge am Freitag in seinem Auto im Süden von Gaza-Stadt von zwei israelischen Raketen getroffen. In den Trümmern des Wagens starb auch einer seiner Helfer, Mahmud Hanani. Ein weiterer Insasse sei schwer verletzt worden, hieß es. Al Kesi habe einen größeren Terroranschlag vom Sinai aus gegen Israel geplant, teilte das israelische Militär mit.

Der Getötete sei auch schon an der Planung eines ähnlichen Anschlags auf Autofahrer und Busse im vergangenen August nördlich von Eilat beteiligt gewesen. Damals starben acht Israelis. Hanani war erst im vergangenen Oktober als einer von insgesamt 1.027 in Israel inhaftierten Palästinensern im Austausch gegen den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen. Das Volkswiderstandskomitee kündigte Vergeltung an, die den "zionistischen Feind erschüttern" werde.

Unmittelbar nach der Tötung von al Kesi hätten militante Palästinenser begonnen, Raketen und Granaten Richtung Israel abzuschießen. Dabei sei ein Mensch schwer und mehrere weitere leicht verletzt worden. Die israelische Raketenabwehr habe sechs der Raketen abgefangen, die in Richtung der Städte Aschdod, Aschkelon und Beerscheva flogen, teilte das Militär mit.

Die israelische Luftwaffe flog daraufhin am Samstag drei weitere Angriffe im Gaza-Streifen, bei denen insgesamt neun Menschen starben.

Nahost-Quartett berät über festgefahrene Friedensgespräche

Derweil wollen die Vereinten Nationen ( UN ) den festgefahrenen Nahost-Friedenprozess wieder auf die Tagesordnung setzen. Dazu soll es am Montag Gespräche des Nahost-Quartetts geben, dem die USA , Russland , die UN und die Europäische Union (EU) angehören. Es blieb zunächst offen, ob das Quartett in einer offiziellen Erklärung zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern aufrufen wird.

Der seit Langem unterbrochene Nahost-Friedensprozess wurde zuletzt in den Hintergrund gedrängt durch eine Debatte zwischen Israel und den USA über einen möglichen Militärschlag gegen den Iran wegen dessen Atomprogramm. Auch die Lage in Syrien und der Wahlkampf in den USA spielen in der Weltöffentlichkeit momentan eine größere Rolle.

UN-Diplomaten zufolge wurde das Treffen des Nahost-Quartetts auf Drängen Russlands einberufen. Teilnehmer in der UN-Zentrale sind UN-Generalsekretär Ban Ki Moon , US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr russischer Amtskollege Sergej Lawrow . Per Videoübertragung sind zudem die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zugeschaltet sowie der Gesandte des Nahost-Quartetts, der frühere britische Premierminister Tony Blair .

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Kommentare

101 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Sanktionen sind überfällig

Seit Jahren werden humanitäre Hilfsleistungen für den Gazastreifen durch die Blockade Israels verhindert. Israel tritt immer wieder internationales Recht mit Füßen. Dennoch gibt es durch Veto's immer wieder Schutz für Israel. Man sollte auch gegen Israel empfindliche Sanktionen durchsetzen, um Israels Aggressionen einzudämmen und den Friedenswillen zu stärken. Daß, Palästinenser, und dies schon seit mehr als sechzig Jahren, von den [...] „massakriert“ werden, ist doch allgemein bekannt und kein Geheimnis. Hätte sich ein anderes Land so kriegstreibend und zynisch verhalten wie Israel in der Vergangenheit, wäre es von den Amerikanern und der NATO umgehend mit einem Krieg überzogen worden. Israel genießt Narrenfreiheit und macht einfach weiter mit seinem metastasierenden Krieg durch Siedlungsbau.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

Rakten auf Zivilisten stellen Kriegsverbrechen dar.

"Israel tritt immer wieder internationales Recht mit Füßen."

Seit Freitag haben militante Palästinenser mehr als 80 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Zivilisten abgefeuert. Vier wurden verletzt, einer davon schwer. Meinen Sie, diese Aktion der Palästinenser ist mit internationalem Recht vereinbar? Die Palästinenser machen einfach weiter mit ihrem metastasierenden Krieg durch Terror.

Internationales Recht kann man vergessen

Internationales Recht: Ich mag den Begriff nicht, weil zur
Durchsetzung von Recht immer eine Macht gehört, die eigene Interessen durchsetzen will. Und ist keine Macht da, die in der Lage ist Recht durchzusetzen, kann dieses „Recht“ nicht mehr als verbindlich angesehen werden, sondern eher als sowas wie eine gute Verhaltensnorm oder im Falle des Völkerrechts juristische Esotherik.

Der Linke demonstriert hier wieder einmal, dass gutmenschliches Denken nie die Moral aufgeben will, anstatt auf die Realitäten zu schauen und um dann geeignetere Massnahmen zu ergreifen. Mit Moral ist hier gemeint, als dass er so tut, als das irgendeine staatliche Macht im Westen daran interessiert ist, an der Regierung Israels jemals internationales Recht durchzusetzen, selbst wenn sie es könnte und er ist damit ein typischer Salonlinker. Man kann mit national definierten Staaten keine humanitären Verhältnisse einrichten, wenn es denen nicht in den
Kram passt.

Israel geniesst Narrenfreiheit

JA ... und genau das laesst den Friedensprozess nicht weiter schreiten...
Ale Grossmaechte und die UN sollte Druch und Sanktionen auf Israel legen, damit die sich ernsthafter um Frieden bemuehen, mir scheint schon lang, dass der Status Quo fuer Israel besser scheint als wirklicher Frieden.
USA als der Busenfreund macht sich in meinen Augen strafbar fuer seine einseitige Unterstuetzung.
Und auch Deutschland und Frau Merkel sollte mehr Druck in diese Richtung machen.

Israel es reicht!

Das ist wirklich zuviel! Warum kommt dann nach USA und bittet um Unterstuetzung wenn ihr gar nichts gelernt habt?
Immer noch in den 50zigern lebt und danach handelt? Die geographische Lage Israels wird sich dadurch nicht aendern und zudem schwindet auch die internationale Unterstuetzung? Was soll das? [...]
Muslime sind nicht eure Feinde und Palaestinenser schon gar nicht! Und auch wenn Israel es nicht hoeren moechte die Araber haben den Israelis geholfen und sie jetzt so zu behandeln! It's a shame!

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Diffamierungen. Danke, die Redaktion/ls

Ihre historische Kenntnis ist entweder miserabel

"Damit kennt sich Israel ja bestens aus, denn immerhin entstammt die IDF ja einer terroristischen Vereinigung."

oder Sie machen willentlich falsche Aussagen.
Bildungsmangel ist freilich in der anti-israelischen Agitation oft symptomatisch.

Die IDF ging aus der demokratisch geprägten Haganah hervor.

Im Unterschied zur palästinensischen Autonomiebehörde die es geflissentlich unterließ, die Hamas und andere bewaffnete Milizen, welche das zivile Gewaltmonopol nicht anerkannten, zu entwaffnen,
setzte die Haganah die Staatsräson gegenüber der Irgun durch:
http://de.wikipedia.org/w...

israels präventiv aktionen sind an sich Terror

es seien anschläge geplant worden, und daher - vorbeugend sozusagen - lassen sraelische befehlshaber die andere seite bombadieren. unter demokratischer rechtstaatlichkeit verstehe ich etwas anderes.
seit jahrzehnt beantworten israels regierungen dem "terror" mit terror, ohne dass die gewalt gedämmt werden könnte. was gäbe da zu verlieren, wenn man dort ein unkonventioneler versuch wagte und ernsthafte lösungen mit aussicht auf verbesserte lebensbedingungne für beider seiten versuchen würde??
die welt verändert sich, doch die betonköpfe im nahen osten bleiben uns erhalten.

Friedensprozess längst im Gange

"...ohne dass die gewalt gedämmt werden könnte."

Die Statistik belegt, dass die Gewalt gegen israelische Zivilisten in den letzten Jahren extrem zurückgegangen ist. Das liegt bestimmt nicht daran, dass palästinensische Terroristen die Philanthropie für sich entdeckt haben.

"was gäbe da zu verlieren, wenn man dort ein unkonventioneler versuch wagte und ernsthafte lösungen mit aussicht auf verbesserte lebensbedingungne für beider seiten versuchen würde??"

Das ist in der Westbank doch schon in vollem Gange: Was uns unsere Medien verschweigen, ist, dass die Palästinenser in vielen Dingen mit Israel (auch mit den Siedlern!) zusammenarbeiten und dort seit Jahren ein stabiler Wirtschaftsaufschwung herrscht. Eine große palästinensische Stadt entsteht dort vom Reißbrett! Auch die Kooperationen in Naturschutz- und Wasserprojekten lassen mich hoffen. Das ist erst möglich geworden, nachdem die Führung der Palästinenser, unter anderem durch den Bau des umstrittenen Zauns, eingesehen hat, dass sich Terrorismus nicht lohnt. Ein "ökonomischer Friede" ist greifbar, und viel näher, als die Riege der Israelkritiker hierzulande es wahrhaben will. Jetzt sollte Abbas nur noch die Hamas unter Kontrolle bekommen, die Bevölkerung zu friedlicher Koexistenz erziehen (große Defizite in diesem Bereich) und bereit sein, ohne Vorbedingungen zu verhandeln.

.......

wenn sie da unter Demokratie was anders verstehen, dann frage ich mich, ob sie überhaupt irgendwas von Demokratie verstehen.

Wenn ich in einem demokratischen Staat lebe, dann heißt es für mich, dass ich mich frei bewegen kann. Es kann nicht sein, dass ich Gegenden meiden muss, weil dort eine Rakete einschlagen kann. Da hat der Staat dafür zu sorgen, dass ich keine Angst habe mich frei zu bewegen. Im Notfall eben mit diesen gezielten Schlägen gegen solche Terroristen.