Israel rechnet mit entscheidenden Waffenlieferungen aus den USA , um einen Militärschlag gegen die Atomanlagen des Iran führen zu können. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei seinem Besuch in Washington den Wunsch ausgesprochen, zusätzliche bunkerbrechende Bomben vom Typ GBU-28 und moderne Tankflugzeuge von den Amerikanern zu bekommen.

Nach Informationen der israelischen Zeitung Haaretz wies US-Präsident Barack Obama daraufhin seinen Verteidigungsminister Leon Panetta an, in dieser Angelegenheit direkt mit seinem israelischen Amtskollegen Ehud Barak zusammenzuarbeiten. Das Blatt bezieht sich auf einen hohen US-Regierungsmitarbeiter. Demnach habe Obama auch angedeutet, die Anfrage würde so schnell wie möglich und mit Wohlwollen geprüft.

Seit einigen Jahren haben die Israelis GBU-28-Bomben aus amerikanischer Produktion im Arsenal, unter Präsident George W. Bush war die Lieferung jedoch ausgesetzt worden. Obama setzte sie später fort . Die Bomben sind darauf angelegt, auch extrem verstärkte Betonwände zu durchschlagen. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass sie etwa die zehn Meter unter der Erde gelegene Anlage in Natans oder die von einem Bergmassiv geschützte Anlage in Fordo überhaupt beschädigen könnten.

Luftwaffe verfügt über 125 US-Kampfflugzeuge

Der von Israel angestrebte Kauf moderner Tankflugzeuge steht ebenfalls im engen Zusammenhang mit Planungen für einen Militärschlag gegen den Iran. Die Luftwaffe verfügt über 125 US-Kampfflugzeuge vom Typ F-15I und F-16I, jedoch nur über acht Auftankflugzeuge. Das Auftanken in der Luft wäre, um den Iran zu erreichen, absolut notwendig. Selbst die kürzeste Flugroute über Jordanien und Irak wäre ansonsten nicht zu überbrücken, wobei auch die Überflugrechte über den Irak fraglich wären.

Die Kriegsrethorik vonseiten Israels wird derweil immer drastischer. Laut Haaretz ist Netanjahu überzeugt, dass sich die Führung im Iran mit Sanktionen und Diplomatie nicht von ihrem Streben nach Atomwaffen wird abbringen lassen. Als Reaktion auf einen möglichen Militärschlag kalkuliere er Raketenangriffe auf Tel Aviv ein und nehme diese in Kauf, schreibt das Blatt. Da die iranische Führung Israel nach Netanjahus Überzeugung zerstören wolle, halte er israelische Opfer und Schäden durch konventionelle Vergeltungsschläge Teherans im Vergleich zu iranischen Atomwaffen für das kleinere Übel.

Unterdessen berichtete die kanadisch-jüdische Zeitung The Jewish Post & News , der israelische Zivilschutz sei nicht auf Vergeltungsschläge vorbereitet. Demnach gebe es für 1,7 Millionen der rund 7 Millionen Menschen in Israel keine Schutzräume, und nur 60 Prozent der Menschen hätten Gasmasken, um sich gegen chemische oder biologische Angriffe zu schützen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf den Vorsitzenden des Knesset-Unterausschusses für Zivilverteidigung, Zeev Bielski. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte Ende vergangenen Jahres jedoch behauptet, es sei im Kriegsfall nicht einmal mit 500 Toten in Israel zu rechnen.