Bundeskanzlerin Angela Merkel und wichtige EU-Partner haben vereinbart, den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande während des Wahlkampfes nicht zu empfangen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Spiegel hervor. Der vertraulichen Absprache zwischen Merkel, Italiens Regierungschef Mario Monti und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy habe sich auch der britische Premier David Cameron angeschlossen , berichtete das Nachrichtenmagazin.

Grund für dieses Bündnis könnte die kritische Haltung Hollandes gegenüber dem europäischen Fiskalpakt sein. So heißt es: Die konservativen Politiker seien vor allem empört darüber, dass der Sozialist Hollande angekündigt habe, er wolle im Falle seiner Wahl den zwischen 25 EU-Mitgliedern geschlossenen Fiskalpakt neu verhandeln.

Das vor allem auf Betreiben Merkels beschlossene Abkommen gilt als zentraler Baustein der Euro-Rettung. Cameron macht zwar beim Fiskalpakt nicht mit, wünscht sich dem Bericht zufolge aber ebenfalls, dass der Konservative Nicolas Sarkozy in Frankreich an der Macht bleibt.

Wahlkampf-Hilfe aus Deutschland

Merkel hat sogar angekündigt, Sarkozy im Wahlkampf aktiv zu unterstützen. Anfang Februar hatte sie anlässlich eines deutsch-französischen Ministerrats in Paris bereits gemeinsam mit dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein Fernsehinterview gegeben . Ihre Wahlkampf-Hilfe verteidigte sie mit dem Hinweis, dass dies unter befreundeten Parteien normal sei.

Die SPD schlägt sich ihrerseits auf die Seite Hollandes . SPD-Chef Sigmar Gabriel und SPD-Vize Hannelore Kraft haben angekündigt, dass ihre Partei die französischen Sozialisten "natürlich" vor Ort im Wahlkampf unterstützen werde.

Zurückhaltung als Verpflichtung

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) kritisierte die Haltung seiner Kollegen und riet "allen deutschen Parteien zu Zurückhaltung". Die Bundesregierung werde "keinen Zweifel daran lassen, dass Deutschland mit jeder Regierung, für die sich das französische Volk entscheidet, hervorragend zusammenarbeiten wird", sagte er der Welt am Sonntag .

"Die parteipolitische Auseinandersetzung in Deutschland darf nicht nach Frankreich verlagert werden." Deutschland werde derzeit als besonders stark und einflussreich in Europa wahrgenommen. Aber gerade der Starke habe "eine Verpflichtung, mit seiner Stärke sensibel und verantwortungsvoll umzugehen".

Die französischen Präsidentenwahlen beginnen am 22. April mit dem ersten Wahlgang. Die Stichwahl ist für den 6. Mai vorgesehen. In Umfragen führt derzeit der Sozialist Hollande klar vor Amtsinhaber Sarkozy.