Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un (Mitte, in Zivil) mit Soldaten auf einem undatierten offiziellen Pressefoto © KNS/AFP/Getty Images

Das Kim-Regime in Nordkorea handelt in den vergangenen Jahren außenpolitisch immer nach ein und demselben Muster: Nach – zwar regional begrenzten – Aggressionen folgt stets eine Phase des Entgegenkommens in der Frage der Atomrüstung, verbunden mit der Lieferung von dringend benötigten Hilfsgütern aus dem Ausland. Zuletzt hatte Pjöngjang Ende Februar versprochen , im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen auf den Start von Langstreckenraketen zu verzichten. Man kündigte zudem an, seinen Atomkomplex in Yongbyon stillzulegen und Plutoniumanlagen abzubauen.

Doch kaum war das verabredet, will Pjöngjang jetzt zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-Sung im April eine Langstreckenrakete mit einem Beobachtungssatelliten in den Weltraum schießen. Aus Sicht der USA und ihrer Verbündeten kommen die nordkoreanischen Absichten Raketentests gleich, die dem Land gemäß UN-Beschluss verboten sind. Deswegen droht Washington , beabsichtigte Lebensmittellieferungen zu stoppen. Selbst die chinesische Führung ist über Nordkoreas neueste Provokation besorgt.

Nun ist die innenpolitische Lage in Nordkorea zweifellos heikel nach der Inthronisierung des jungen Staatschefs Kim Jong-Un . Er ist der neue Diktator, und südkoreanische Experten vermuten wohl zu Recht, der Satellitenstart solle seine Legitimität demonstrieren.

Doch unabhängig davon würde Kim Jong-Un niemals das Atomprogramm komplett aufgeben . Er hat – zumal aus der Perspektive eines international isolierten Diktators – keinen Grund dazu. Denn allein die Ankündigung, sein Programm als Verhandlungsobjekt zur Verfügung zu stellen, hat ja in der Regel ausgereicht, um das Ausland dazu zu bewegen, Hilfsmittel freizugeben, die die darbende Bevölkerung Nordkoreas so dringend braucht.

China als Vorbild

Um daher den anhaltenden Stillstand im Atomstreit zu beenden, ist möglicherweise eine Änderung der Verhandlungsperspektive notwendig. Natürlich kann Nordkorea nicht als Atommacht anerkannt werden. Das würde den Sinn des Atomwaffensperrvertrages weiter diskreditieren und die atomare Rüstungspolitik des Regimes belohnen. Seine Atomwaffen mögen unausgereift sein. Aber sie sind nun mal da, das gilt es notgedrungen zu akzeptieren. Ein Zugang für die festgefahrene Lage könnte daher sein, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten dem total verarmten Nordkorea zusammen mit Russland und China eine ungehinderte wirtschaftliche Öffnung garantieren .

Man weiß, dass in Pjöngjang viele mit dem chinesischen Weg der vergangenen dreißig Jahre sympathisieren. Doch solange es eine Art von Garantie der internationalen Mächte für ökonomische Reformen nicht gibt, wird man hier eine Öffnung des isolierten Landes nicht riskieren. Ein solches Vorgehen hätte im Übrigen ein bewährtes Vorbild: In den 1970er Jahren bereits garantierten die US-Präsidenten Nixon und Carter China die Unterstützung für die wirtschaftliche Öffnung des Landes. Das Ergebnis dessen ist heute hinlänglich bekannt.

Natürlich ist der Fall Nordkorea etwas anders gelagert. Garantien sollten beispielsweise unabdingbar mit der Atomfrage und der Perspektive einer Verschrottung des vorhandenen Arsenals verknüpft sein. Pläne in dieser Richtung sind freilich nicht neu, doch die letzten Wochen haben wieder bestätigt, dass es kaum Fortschritte in den Beziehungen Nordkoreas zur internationalen Staatengemeinschaft gibt. Es mag sicher schwerfallen, einem unsympathischen und hartherzigen Regime wie jenem der Kims Zugeständnisse zu machen. Aber im schlechtesten Fall könnte der Staat wegen extremer Armut auch einmal in sich zusammenfallen. Und das will bei einem Atomstaat auch niemand.