Atomstreit: Anders auf Nordkorea zugehen
Nordkorea will auf seine Atomwaffen nicht verzichten. Doch eine wirtschaftliche Öffnung des Landes könnte den Zugang zum Regime erleichtern, kommentiert S. Richter.
© KNS/AFP/Getty Images

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un (Mitte, in Zivil) mit Soldaten auf einem undatierten offiziellen Pressefoto
Das Kim-Regime in Nordkorea handelt in den vergangenen Jahren außenpolitisch immer nach ein und demselben Muster: Nach – zwar regional begrenzten – Aggressionen folgt stets eine Phase des Entgegenkommens in der Frage der Atomrüstung, verbunden mit der Lieferung von dringend benötigten Hilfsgütern aus dem Ausland. Zuletzt hatte Pjöngjang Ende Februar versprochen, im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen auf den Start von Langstreckenraketen zu verzichten. Man kündigte zudem an, seinen Atomkomplex in Yongbyon stillzulegen und Plutoniumanlagen abzubauen.

Steffen Richter ist Redakteur im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.
Doch kaum war das verabredet, will Pjöngjang jetzt zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-Sung im April eine Langstreckenrakete mit einem Beobachtungssatelliten in den Weltraum schießen. Aus Sicht der USA und ihrer Verbündeten kommen die nordkoreanischen Absichten Raketentests gleich, die dem Land gemäß UN-Beschluss verboten sind. Deswegen droht Washington, beabsichtigte Lebensmittellieferungen zu stoppen. Selbst die chinesische Führung ist über Nordkoreas neueste Provokation besorgt.
Nun ist die innenpolitische Lage in Nordkorea zweifellos heikel nach der Inthronisierung des jungen Staatschefs Kim Jong-Un. Er ist der neue Diktator, und südkoreanische Experten vermuten wohl zu Recht, der Satellitenstart solle seine Legitimität demonstrieren.
Doch unabhängig davon würde Kim Jong-Un niemals das Atomprogramm komplett aufgeben. Er hat – zumal aus der Perspektive eines international isolierten Diktators – keinen Grund dazu. Denn allein die Ankündigung, sein Programm als Verhandlungsobjekt zur Verfügung zu stellen, hat ja in der Regel ausgereicht, um das Ausland dazu zu bewegen, Hilfsmittel freizugeben, die die darbende Bevölkerung Nordkoreas so dringend braucht.
China als Vorbild
Um daher den anhaltenden Stillstand im Atomstreit zu beenden, ist möglicherweise eine Änderung der Verhandlungsperspektive notwendig. Natürlich kann Nordkorea nicht als Atommacht anerkannt werden. Das würde den Sinn des Atomwaffensperrvertrages weiter diskreditieren und die atomare Rüstungspolitik des Regimes belohnen. Seine Atomwaffen mögen unausgereift sein. Aber sie sind nun mal da, das gilt es notgedrungen zu akzeptieren. Ein Zugang für die festgefahrene Lage könnte daher sein, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten dem total verarmten Nordkorea zusammen mit Russland und China eine ungehinderte wirtschaftliche Öffnung garantieren.
Man weiß, dass in Pjöngjang viele mit dem chinesischen Weg der vergangenen dreißig Jahre sympathisieren. Doch solange es eine Art von Garantie der internationalen Mächte für ökonomische Reformen nicht gibt, wird man hier eine Öffnung des isolierten Landes nicht riskieren. Ein solches Vorgehen hätte im Übrigen ein bewährtes Vorbild: In den 1970er Jahren bereits garantierten die US-Präsidenten Nixon und Carter China die Unterstützung für die wirtschaftliche Öffnung des Landes. Das Ergebnis dessen ist heute hinlänglich bekannt.
Natürlich ist der Fall Nordkorea etwas anders gelagert. Garantien sollten beispielsweise unabdingbar mit der Atomfrage und der Perspektive einer Verschrottung des vorhandenen Arsenals verknüpft sein. Pläne in dieser Richtung sind freilich nicht neu, doch die letzten Wochen haben wieder bestätigt, dass es kaum Fortschritte in den Beziehungen Nordkoreas zur internationalen Staatengemeinschaft gibt. Es mag sicher schwerfallen, einem unsympathischen und hartherzigen Regime wie jenem der Kims Zugeständnisse zu machen. Aber im schlechtesten Fall könnte der Staat wegen extremer Armut auch einmal in sich zusammenfallen. Und das will bei einem Atomstaat auch niemand.








war noch nie eine Lösung. Es zeigt nur einen eklatanten Mangel an Durchsetzungskraft. Man hat ja gesehen, wohin es führen kann.
Vielleicht sollte man das Konzept der "wehrhaften Demokratie" in der Außenpolitik offensiver einsetzen.
Meinen Sie damit etwa so wie im Irak?
Oder in Afghanistan?
Meinen Sie damit etwa so wie im Irak?
Oder in Afghanistan?
Südkorea und Japan sind die wichtigsten Handelspartner, die durch eigene Fabrikgründungen bzw. Joint Ventures, in China viel Geld lassen. Ein wiedervereinigtes Korea, wo die USA keinen Anlasse mehr hat Schutzfunktionen zu erfüllen, ist auch militärisch attraktiv. Die Angst ist nur, dass dieses Wiedervereinigung nicht friedlich ablaufen könnte. Ein Krisenherd an der Grenze Chinas könnte den Wirtschaftswachstum drastisch bremsen.
Natürlich wäre Nordkorea auch interessant als Fertigungsort zum Niedrigpreis, so wie die Wirtschaftszone in Kaesong für Südkorea. Allerdings würde man das nur limitiert zulassen, da die Kontrolle der Kontakte zwischen chinesischen und koreanischen Angestellten bei zu großer Masse nicht mehr gewährleistet wäre. Wenn zu viel Wissen über die Welt jenseits der Landesgrenze breite Bevölkerungsschichten erreicht, sind die Privilegien der Oberschicht Nordkoreas gefährdet. Um deren Erhalt dreht sich in der Politik Nordkoreas mehr, als um den Anschluss des ganzen Landes ans 21. Jahrhundert.
Nordkorea kämpft deshalb um den Erhalt des Staus Quo und schwankt deshalb zwischen Lockerung und militärischer Drohgebärde - ganz wie ein Hochseilartist, dessen Balancierstange mal links, mal rechts sich senkt. Er will weder links, noch rechts herunter, sondern einfach da bleiben, wo er ist, nämlich oben.
im Umgang mit Diktaturen, die lieber ihr Volk hungern lassen, als auf Atomwaffen zu verzichten. Allerdings sollte so ein Verhalten nicht allzu offensichtlich auch noch belohnt werden, sonst macht es noch mehr Schule als bisher.Den Wahnsinn als Normalität anzuerkennen verschiebt die Parameter internationaler Politik. Die ganz harte Linie schickt hunderttausende Menschen in den Hungertod. Reislieferungen landeten in der Vergangenheit meistens bei den Stüzen des Regimes. Insofern liefern die USA nun lieber Eiweißprodukte, die weniger schmackhaft sind. Vielleicht ein guter Kompromiss. Handelsabkommen und politische Akzeptanz wären auf jeden Fall der falsche Weg. Irgendwann brechen solche Systeme zusammen. Kompromisse darf es nur geben, wenn jede Bedrohung durch Mittel- und Langstreckenraketen dadurch ausgeschlossen wird. Die wirtschaftlichen Ressourcen, die aus Kooperationen mit solchen extremen Diktaturen entstehen, würden primär der Rüstung zugute kommen. Mag ja sein, dass sie einige Atombomben haben, aber Nordkoreas Waffenbestand veraltet zusehends. Insofern ist Abwarten wohl die beste Politik.
Aus Nordkorea kommen Hungerflüchtlinge, die ganze Sache kostet China eine Menge. Außerdem kann dort jeden Moment ein Krieg ausbrechen. Als Nordkorea vor einiger Zeit ein südkoreanisches Kriegsschiff versenkt hat, war es knapp.
Ich denke schon, daß China das Kim-Regime gern loswerden würde, wenn es eine Möglichkeit sähe, dies ohne Gesichtsverlust zu bewerkstelligen.
Um den Machtanspruch zu erhalten, muss ideologisch ein Feindbild herhalten, um von inner-politischen Schwierigkeiten abzulenken, wenn auch dadurch der Brotkorb viel höher gehängt wird und das Volk verarmt! Außer bei Parteibonzen und deren abhängigen Versallen! Zuwiderhandlungen durch andere Meinungen werden brutal niedergeknüppelt, so war es in unserer Vergangenheit des Nationalsozialismus auch! Aber durch so eine Art Gehirn-wäsche: man hört nichts anderes wie Propa-ganda, wird versucht, (z.B. verboten sind ausländische Kommuni-kationen), das Volk gleich-zu-schalten, das durch moderne Kommunikationsmittel heute nicht mehr so ganz gelingt! Desto brutaler sehen sich die Machthaber gezwungen, durch Abschaltung jeglicher ausländischer Kom-munikationsmittel die Bevölkerung zu isolieren! Die Furcht vor einen demokratischen Frühling, wie in einigen arabischen Staaten, ist bei totalitären Machthabern sehr groß und muss deshalb mit allen Mitteln unterbunden werden! Wie auch in China! Aber einer Wiedervereinigung zwischen Nord- und Südkorea würden Industriestaaten eher specktisch gegenüberstehen, aus wirtschaftlichen Gründen, weil dadurch eine neue wirtschaftliche Konkurrenz entstehen könnte (Billiglohnland)
Meinen Sie damit etwa so wie im Irak?
Oder in Afghanistan?
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